Kirche

Die meisten Diebe lassen mittlerweile die Finger vom Opferstock

Lichterlöschen: Unbekannte scheiterten in Frick beim Versuch, zwei Opferstöcke aufzubrechen. Symbolfoto/Thomas Wehrli

Lichterlöschen: Unbekannte scheiterten in Frick beim Versuch, zwei Opferstöcke aufzubrechen. Symbolfoto/Thomas Wehrli

In Frick haben Unbekannte versucht, den Opferstock der katholischen Kirche aufzubrechen – vergeblich. Eine Umfrage bei mehreren Seelsorgern im Fricktal zeigt: Solche Diebstähle sind selten geworden.

Ein Kirchgänger auf Abwegen – man kann auch sagen: ein schwarzes Schäfchen – suchte kürzlich die katholische Kirche in Frick auf. Mit einem Schraubenzieher oder ähnlichem Werkzeug bewaffnet, versuchte er, zwei Kassen aufzuwuchten.

Es blieb beim Versuch. Und selbst wenn er (oder sie) Erfolg gehabt hätte – mehr als ein paar Franken wären ohnehin nicht zu holen gewesen. «Wir leeren die Kassen regelmässig», erklärt Pfarrer Thomas Sidler.

Was ihn als Seelsorger ärgert, ist nicht einmal so sehr der entstandene Umtrieb oder der Sachschaden von einigen hundert Franken, als vielmehr die Tatsache, dass jemand dieses Geld wirklich Bedürftigen wegnehmen wollte. Denn die Einnahmen aus Antonius- und Kerzenkasse kommen sozialen Zwecken zugute.

Gut, man kann nun einwenden: Der Täter war, auf seine Weise, ebenfalls irgendwie bedürftig. «Aber das ist noch lange kein Grund, das Recht zu brechen.»

Wer den Aufbruchsversuch verübt hat, wird man kaum je erfahren. Klar ist aber zweierlei: Der Täter ging, erstens, wenig professionell vor oder wurde von einem echten Kirchgänger gestört. Zweitens: Bei den Opferstockaufbrechern handelt es sich, das zeigen vergleichbare Fälle, meist um eine «lokal bezogene Täterschaft», einen Randständigen oder einen Landstreicher.

Das dürfte in Frick nicht anders sein. Berufskriminelle oder Kriminaltouristen machen laut Polizeisprecher Bernhard Graser einen Bogen um die Opferstöcke, «weil es wenig zu holen gibt».

Frick zum Zweiten

Die katholische Kirche in Frick trifft es damit bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr: Vor rund drei Monaten brachen Unbekannte in die Sakristei ein. Auch hier das gleiche Fazit: nichts geholt, erheblicher Sachschaden angerichtet. Diese Häufung ist untypisch. Denn Opferstockaufbrüche sind laut Graser selten geworden.

Das bestätigen auch angefragte Seelsorger im Fricktal. Bernhard Lindner ist seit zehn Jahren Gemeindeleiter in Oeschgen; an seiner Antoniuskasse hat sich noch nie jemand zu schaffen gemacht. In Gipf-Oberfrick war in den letzten 13 Jahren einmal ein «Fischer» am Werk.

«Der Täter fischte mehrfach mit einem Draht Geld aus den Opferstöcken», erzählt Gemeindeleiter Martin Linzmeier. Seit die Kassen fast täglich geleert werden und das Kirchenpersonal auch tagsüber ab und an die Kirche aufsucht, ist Ruhe eingekehrt.

Urs Buser, der von 1980 bis zu seiner Pensionierung 2007 Gemeindeleiter von Stein war, erinnert sich an vier bis fünf Aufbruchversuche in dieser Zeit. Die einen Täter setzten den Opferstöcken mit Schrauberziehern & Co. zu, andere versuchten es mit der Noten-Fisch-Methode. Um die Sicherheit zu erhöhen, verstärkte man bei einem Opferstock das Schloss, einen weiteren benutzte man nicht mehr – und hielt vor allem die Augen offen.

Eines Abends kam Melanie Buser zu ihrem Mann und sagte: «Da ist ein seltsamer Kerl mit einer Plastiktasche in die Kirche gegangen.» Urs Buser blickte durch den Nebenraum in die Kirche, sah den Mann an der Kerzenkasse herumfuchteln, ging zurück, betrat die Kirche durch den normalen Eingang.

Der Mann, der ihn wohl kommen hörte, sass auf einem Stuhl, tat, als würde er meditieren. Urs Buser ging zu ihm, fragte ihn, ob er ein Problem habe, was dieser verneinte. «Wenn ich Sie nochmals an der Kasse erwische, dann haben sie eines», sagte Buser und ging. Der Mann, der Plastiksackbewaffnete, tat es ihm gleich – und ward nie mehr gesehen.

Pfarrer Sidler hofft, dass nun auch in der Fricker Kirche wieder Ruhe einkehrt. Denn, wer glaubt: «Nehmen ist seliger denn Geben», hat etwas Grundlegendes am Christentum falsch verstanden.

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