Verhehlen kann René Heiz, Gemeindeammann von Schupfart, nicht, dass ihn die Neugierde zu Beginn gepackt hat. Einige Male habe er die Website www.luft-ag.ch aufgerufen, um sich ein Bild von der Schadstoffbelastung der Luft vor der eigenen Haustüre zu machen. «Es ist schon interessant, verfolgen zu können, wie es um die Luftqualität im eigenen Ort bestellt ist», sagt er. Die Gelegenheit dazu bietet ihm und den Dorfbewohnern der Kanton. Dieser entschied, eine seiner drei Luftmessstationen in Schupfart aufzustellen. Diese misst dort nun rund um die Uhr die Feinstaub-, Ozon- und Stickstoffdioxidbelastung.

Zuvor stand die Schupfarter Messstation in Sisseln auf dem DSM-Areal. «Weil die Zufahrtstrasse zum neuen Holzheizkraftwerk unmittelbar an der Messstation vorbeiführt, wird durch die Verkehrsemissionen der ländliche Charakter des Standortes verfälscht», sagt Heiko Loretan, Sektionsleiter in der Abteilung für Umwelt des Kantons. Aus diesem Grund habe man sich dafür entschieden, die Station an einen neuen Standort im Fricktal mit einem «ähnlich ländlichen Charakter» zu verlegen.

Drei Arten von Standorttypen

Durch die Typisierung der drei kantonalen Messstationen «verkehrsorientiert» – in Aarau –, «Stadtzentrum» – in Baden – und «ländlich» – in Schupfart – werden etwa 80 Prozent der räumlichen Typologie des Kantons abgedeckt, erklärt Loretan. Die Werte aus den drei kantonalen Messstationen bilden unter Ergänzung von Daten von ausserkantonalen Messstationen, die Grundlage für die Modellierung der Luftbelastung im Aargau.

Heiz habe die Anfrage des Kantons, die Messstation nach Schupfart zu verlegen, gleich befürwortet. Uneins waren sich der Gemeinderat und der Kanton jedoch zunächst in der Standortfrage. Dies, weil der Kanton seinen zweiachsigen Container in Bauwagengrösse mit einer fünf Meter hohen Antenne zunächst in der Nähe des geografischen Mittelpunktes des Fricktals platzieren wollte. «Das wollten wir nicht, weil dies ein Ausflugspunkt ist und die Messstation dort wie ein Fremdkörper in der Landschaft wirkt», erklärt Heiz. Der Kanton hatte Verständnis dafür und auf dem Schupfarter Blindrain auf der Obstbaumanlage von Andy und Pia Steinacher fand man eine geeignete Alternative. «Dort unterbrechen die Obstbäume und ein Schopf das Landschaftsbild», sagt Heiz.

Für den Kanton verursacht die Messstation Betriebskosten von rund 55'000 Franken im Jahr. Weil es sich um hochsensible Referenzstation handelt, muss diese regelmässig geeicht, kalibriert, kontrolliert und gewartet werden. Zudem muss die Plausibilität der Messwerte täglich kontrolliert werden. So kann beispielsweise der Rauch, der bei der Verbrennung von Schnittholz der Obstbäume entsteht, die Daten verfälschen. «Fehlerhafte Messwerte werden entfernt und durch gerechnete Modellwerte ersetzt», erklärt Loretan.

Weil die Messstation an einer Kurzwanderstrecke liegt und es laut Heiz viele Technikinteressierte im Dorf gibt, lädt der Gemeinderat morgen Freitag, 17 Uhr, zu einer Veranstaltung an der Messstation ein, an der Experten des Kantons unter anderem erklären, wie und was gemessen wird.