Gipf-Oberfrick
Die Lehrer kämpfen für ihre Schule

Soll die Oberstufe von Gipf-Oberfrick mit Frick zusammengelegt werden, sodass es schon bald eine Oberstufe Fricktal Süd gibt? In einem 10-Punkte-Manifest zeigen die Lehrkräfte, warum ihre Oberstufe eigenständig bleiben soll.

Thomas Wehrli
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Blick in ein Schulzimmer (Symbolbild)

Blick in ein Schulzimmer (Symbolbild)

Keystone

Eine Frage beschäftigt Gipf-Oberfrick seit Wochen: Kann und soll die Oberstufe eigenständig bleiben? Oder soll sie mit der Oberstufe von Frick zusammengelegt und als «Oberstufe Fricktal Süd» von Frick geführt werden, wie dies von den Schulpflegen und Gemeinderäten der beiden Kommunen vorgeschlagen wird?

Die Pro-Zusammenschluss-Fraktion sagt: Die Oberstufe ist zu klein, um eigenständig zu überleben. Der Druck aus Aarau werde stets grösser. Die Kleinheit führe dazu, dass das Schulgeld höher ist – was wiederum den drei Gemeinden, die ihre Oberstufenschüler nach Gipf-Oberfrick schicken, quer auf dem Solarplexus liegt.

Das Pro-Alleingang-Lager sagt: Natürlich ist eine Eigenständigkeit möglich – und erstrebenswert. Die Kleinheit ist in ihren Augen nicht ein Risiko, sondern eine Chance, um Schülern, die ein näheres Lernumfeld benötigen, eine Alternative zur Grossschule in Frick zu bieten. Sie sehen die Schule bis zu einem gewissen Grad als «Markt», auf dem Gipf-Oberfrick ein attraktives Angebot hat – für Schüler aus allen umliegenden Gemeinden. So könne man ein moderates Wachstum generieren, was sich wiederum positiv auf das Schulgeld auswirke. Und was sagen die Lehrer, die sehr direkt von der Zusammenlegung betroffen sind? Bislang schwiegen sie.

Doch nun melden sie sich via Dorfzeitung «Usem Dorf» zu Wort. In einem Zehn-Punkte-Programm legen «die Lehrkräfte der Oberstufe, der Primarschule und des Kindergartens» dar, «warum wir uns für eine eigenständige Oberstufe einsetzen». Und sie tun das in durchaus markigen Worten. «Bevor unsere Schule nach Frick verkauft oder eher verschenkt wird, möchten wir gerne genau wissen, wie viel teurer wir sind und warum», heisst es etwa.

Gute Bildung darf kosten

Die az hat nachgerechnet: In den letzten beiden Schuljahren war Gipf-Oberfrick zwischen 20 und 27 Prozent teurer.

Mit einer Ausnahme: Im aktuellen Schuljahr liegt das Schulgeld der Realschule mit 5693 Franken pro Schüler um 4,4 Prozent tiefer als in Frick.

Der Grund: Wegen der niedrigen Schülerzahlen wurden Realklassen zusammengelegt, was sich positiv auf das Schulgeld auswirkte. Nur: Für eine Klassenzusammenlegung benötigt die Schule eine Ausnahmebewilligung des Kantons – und solche gibt es laut BKS ab Schuljahr 2017/18 nicht mehr.

Die Lehrer stellen sich in ihrem Manifest auf den Standpunkt: Gute Bildung darf etwas kosten – gerade in einer Gemeinde, die finanziell gut dasteht wie Gipf-Oberfrick. «Sollte sich eine Gemeinde, die auf solch soliden finanziellen Füssen steht, nicht zu seiner eigenen Oberstufe stehen und die Verantwortung dazu selber tragen können, auch wenn dabei eventuell Mehrkosten auftreten?» Diese Frage ist, aus Sicht der Lehrer, rein rhetorischer Natur.

Viele Fragen zur «Oberstufe Fricktal Süd» sind zum jetzigen Zeitpunkt in der Tat noch offen; die Detailarbeiten stehen noch aus – falls überhaupt: Der Gemeinderat muss nämlich zuerst auf Antrag der IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» Alternativen zur Zusammenlegung ausarbeiten und diese an der nächsten Gemeindeversammlung vorlegen.

Bei den Lehrern lösen die offenen Fragen, wenig verwunderlich, Unsicherheit und Unbehagen aus. Etwa die Frage, wie viele Stellen verloren gehen oder wie man das Schulhaus in Gipf-Oberfrick nutzen will. «Wer garantiert, dass Frick überhaupt alle Räume mieten wird und dass unsere Sek- und Realschüler weiterhin im eigenen Dorf zur Schule gehen können?» Beim aktuellen Projektstand: niemand.

Für die Lehrer bietet die heutige Schulstruktur von Gipf-Oberfrick, die auf Volksschulstufe mit Ausnahme der Bezirksschule und der HPS (beides in Frick) alles abdeckt, auch den Vorteil, dass man Projekte stufenübergreifend realisieren kann. Die Zusammenarbeit nennen die Lehrer «erspriesslich», wofür sie wiederum den Umstand mitverantwortlich machen, dass die Schule eine beständige Gesamtschulleitung hat. «Es gibt keinen Grund, einen solchen Vorzug freiwillig aus der Hand zu geben.»

Negativbeispiel: Bauverwaltung

IG-Mitglied Ignaz Heim brachte in der az die Idee ins Spiel, dass man die kleine Oberstufe von Gipf-Oberfrick als Alternative zur grossen Schule in Frick auf dem «Schulmarkt» platzieren sollte.

Ähnlich tönt es bei den Lehrern. Die zwei Schulen, die beide «in ihrer Art gut funktionieren», liessen Diversität zu: Jugendliche, die in der einen Struktur nicht zurechtkommen, hätten die Möglichkeit, in der anderen ihre Schullaufbahn abzuschliessen. «Ein Vorteil für beide Schulen, ein Vorteil für die ganze Region», sind die Lehrer überzeugt.

Einen Seitenhieb auf eine Zusammenarbeit, die nicht auf Dauer funktionierte, gibt es fast zum Schluss: die Bauverwaltung. Frick und Gipf-Oberfrick führten diese mehrere Jahre gemeinsam. 2012 entschied sich Gipf-Oberfrick dann, die Bauverwaltung wieder vor Ort zu nehmen. Die Lehrer dazu: «Im Gegensatz zur Bauverwaltung wäre es bei der Schule später nahezu unmöglich, einen Rückzieher zu machen.»