Laufenburg
Die Leere ist sichtbar – oder etwa doch nicht?

Das installative Theaterprojekt der dreiköpfigen Gruppe «le ere» gastierte im Rehmann-Museum in Laufenburg. Die Gruppe erforschte die Leere, die Zwischenräume und die Beziehungen der Figuren zueinander.

Peter Schütz
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Eine der gut besuchten «freitags um 8»-Durchführungen im April dieses Jahres mit Gastkuratorin Maude Vuilleumier (li.) az/Archiv

Eine der gut besuchten «freitags um 8»-Durchführungen im April dieses Jahres mit Gastkuratorin Maude Vuilleumier (li.) az/Archiv

War Christo in Laufenburg? Die mit Vlies eingewickelten Skulpturen im Park des Erwin-Rehmann-Museums machten stutzig: Hatte der berühmte Verpackungskünstler sich am Freitag der Skulpturen von Erwin Rehmann angenommen? Warum drang aus einem Werk Rauch? Und überhaupt: War das alles ein Täuschungsmanöver, Mumpitz oder ernst gemeint? Fragen über Fragen, auf die es keine wirkliche Antwort gab. Denn das installative Theaterprojekt der dreiköpfigen Gruppe «le ere», das in der Veranstaltungsreihe «freitags um 8» zu erleben war, lotete das Nichts aus. Die Gruppe erforschte die Leere, die Zwischenräume und die Beziehungen der Figuren zueinander.

Ein- und auch Ausführung

Das Vorhaben begann mit einer ausführlichen Einführung oder einführlichen Ausführung, je nach Standpunkt. Gastkuratorin Maude Vuilleumier erklärte, der Künstler Jonas Balthasar Gygax (anwesend) habe sich intensiv mit dem Werk von Erwin Rehmann beschäftigt. Doch die Besucher bekamen zuerst etwas Rehmann-Untypisches zu sehen: Blechdosen, wie sie die Pop-Art-Künstler früher gerne einsetzten. Bei «freitags um 8» ging es also nicht um Pepsi oder Cola, sondern um Pepsi und Cola.

Auf Vuilleumiers Erklärungen folgte der Auftritt von Jonas Balthasar Gygax, ein schmächtiger jüngerer Herr in weissen Gewändern. Wer jetzt eine Performance, einen Tanz oder dergleichen erwartete, wurde enttäuscht. Gygax hatte möglicherweise ein Schauspiel im Sinn. Trotzdem stand er einfach so da und redete munter drauflos. Er sprach über künstlerische Visionen, über kleine sprachliche Differenzen, über Atheismus, Buddhismus und Monismus. «Was wissen wir überhaupt?», fragte er. Die Antwort gab er gleich selber: «Wir wissen, dass kein Gott ausser uns existiert und dass das Schicksal nicht existiert. Wir wissen, dass der Tod unser bester Freund ist und wir bis 25 gedeihen, dann verderben wir mit Lust.»

Es kam noch besser: «Das Sein ist zu fantastisch, um wahr zu sein.» Oder: «Auch wenn ich denke, bin ich noch lange nicht.» Schliesslich: «Die Frage ist nicht warum, sondern ob. Die Antwort ist nein.» Mittlerweile hüllte der Rauch, der aus Rehmanns Skulptur drang, des Nachbarn Garten ein. Hunde husteten, Vögel flohen, die Nacht senkte sich über die ratlosen, teils amüsierten Zuschauer im Museumspark.

Die Ratlosigkeit wächst

Als Gygax einen Turm aus 15798 weissen A4-Blättern im Museum fertigstellte, wuchs gleichzeitig die Ratlosigkeit weiter an. Immerhin: Die meisten Gäste harrten bis zum Schluss aus. Gygax bekam einen Blumenstrauss, dann löste er seine Aquarelle in Wasser auf. Durch dieses aussergewöhnliche Kunststück eröffnete die Gruppe «le ere» dem Betrachter noch mehr neue Perspektiven. Allfällige Verdächtigungen, das alles war als Jux gemeint und grenzte an Veräppelung, wies sie strikt zurück. Ob die Gruppe tatsächlich die Leere sichtbar machte, war in der Dunkelheit nicht mehr festzustellen. Der Abend endete an der Bar im Museum. Bei vollen Gläsern.

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