Fricktal

Die Kürbisse sind zu gross, der Spinat zu dunkel – Landwirte kämpfen mit den Normen der Detailhändler

Helen Schmid aus Witnau verkauft viel ab Hof.

Helen Schmid aus Witnau verkauft viel ab Hof.

Immer wieder nehmen Detailhändler Produkte von Fricktaler Landwirten nicht an, weil diese nicht den Vorgaben entsprechen. Sie wünschen sich mehr Sensibilisierung.

Die Kürbisse und Kartoffeln sind zu gross, die Farbe des Spinats ist zu dunkel, die Birnen haben Flecken. Das Gemüse und Obst wird von den Detailhändlern deshalb nicht akzeptiert. Es ist zwar geschmacklich einwandfrei, entspricht aber nicht genau den Normen.

Die Landwirte in der Region wissen um die Thematik. Es komme immer wieder vor, dass Produkte nicht angenommen würden, sagt etwa Helen Schmid vom Erlenhof in Wittnau. «Bei uns waren in diesem Jahr vor allem die Kirschen und Zwetschgen betroffen, in kleineren Mengen aber auch Äpfel und Birnen. Da in diesem Jahr die Äpfel- und Birnenernte bescheiden ausfiel, konnten wir alles selber vermarkten.»

Bei Bruno Wirth im Hirsacker in Olsberg waren es ebenfalls die Zwetschgen, welche teilweise nicht den Normen entsprachen. Bei einem weiteren Landwirt der Spinat und andernorts die Kartoffeln. Der betroffene Landwirt hat diese nun soweit möglich an Bekannte und Freunde weitergegeben, einen Teil aber musste er auf dem Feld liegen lassen.

«Das ist schade, denn das sind wertvolle Nahrungsmittel», sagt Schmid. Sie selber setzt sich dafür ein, dass auf dem eigenen Hof möglichst wenig von der Ernte entsorgt werden muss. Im vergangenen Jahr etwa spendete sie Kürbisse, die zu gross für den Handel waren, an die Lebensmittelhilfe «Tischlein deck dich».

Ansonsten werde die Ware soweit möglich direkt ab Hof verkauft. Teilweise vergünstigt, aber: «Lieber so, als die Nahrungsmittel fortzuwerfen», sagt Schmid. Kürbisse und Obst mit optischen Mängeln weist Schmid im Hofladen aus. Etwa Birnen, die im Sommer bei einem Unwetter verhagelt wurden und nun Flecken auf der Haut haben, ansonsten aber von guter Qualität sind.

Schmid beschriftet sie entsprechend, um die Kunden einerseits über die Mängel zu informieren und andererseits auch zu sensibilisieren. Denn die Devise der Landfrau und Bäuerin lautet: «Was nicht schön genug ist, um roh gegessen zu werden, kann stattdessen gerüstet und zu vielen verschiedenen Gerichten gekocht werden», wie sie mit einem Lachen sagt.

Im Hofladen verkaufen, was der Händler nicht nimmt

Auch bei Bruno Wirth wird im Hofladen verkauft, was der Detailhändler nicht annimmt. Damit macht er positive Erfahrungen. «Hier lassen sich die Zusammenhänge und Hintergründe gut erklären», sagt er, betont aber auch: «In einem Hofladen kaufen natürlich meist Konsumenten ein, die ohnehin für die Thematik sensibilisiert sind und ihren Einkauf bewusst erledigen. Das ist noch eine Minderheit.»

Die IG Detailhandel verweist im Namen von Coop und Migros darauf, dass die Normen «von der Branche gemeinsam erarbeitet und getragen» werden. Einseitige Vorgaben des Detailhandels gäbe es keine, lässt sie sich im «Sonntagsblick» zitieren.

Ausserdem verweist sie darauf, dass die meisten Konsumenten eher zu den blitzblanken Äpfeln greifen würden als zu jenen, die mit Schorf bedeckt sind. Wobei die Landwirte hier ein Fragezeichen setzen: Haben die Detailhändler ihre Konsumenten nicht auch zu diesem Verhalten erzogen?

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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