Fricktal
«Die Kirschen kochen fast am Baum»

Die Kirschenernte läuft auf Hochtouren. Wegen der Hitze haben die Helfer mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Sie nehmen deutlich mehr Wasser mit, als in anderen Jahren, meint Chriesi-Produzent Herbert Schmid.

Nadine Böni
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Die Kirschenernte läuft trotz Hitze auf Hochtouren: Regina Hort mit ihren Kindern Nils und Melanie ernten nur morgens, weil es am Nachmittag zu heiss wird.

Die Kirschenernte läuft trotz Hitze auf Hochtouren: Regina Hort mit ihren Kindern Nils und Melanie ernten nur morgens, weil es am Nachmittag zu heiss wird.

Nadine Böni

Wie läuft es mit der Kirschenernte? Herbert Schmid lacht. «Schweissgebadet», sagt der Chriesi-Produzent vom Erlenhof in Wittnau dann.

Die Hitze ist das grosse Thema, auch auf den Kirschbäumen in der Region, wo derzeit die Ernte auf Hochtouren läuft. «Wir nehmen sicher deutlich mehr Wasser mit, als in anderen Jahren», sagt Schmid.

Frühmorgens schon gehen er, seine Frau Helen und ihre Helfer – meist erfahrene Leute aus dem Bekanntenkreis – los, um die reifen Kirschen zu pflücken. Morgens an den exponierten Stellen. Dann, während der grössten Hitze, «möglichst im Schatten», wie Schmid sagt. Etwas anderes bleibt ihnen auch gar nicht übrig, denn die Kirschen müssen in den nächsten Tagen vom Baum.

«Wir ernten noch diese Woche, danach müssen wir schauen, wie sich die Qualität entwickelt», sagt Schmid. Immerhin schaden die hohen Temperaturen den Früchten nicht drastisch. «Sie kochen fast am Baum», sagt Schmid zwar. Wichtig sei aber, dass die Kirschen nach der Ernte schnell gekühlt würden, damit sie nicht verderben.

Hitze besser als Regen

Viktor Hossli aus Zeihen ist mit sechs Helfern daran, die Früchte von seinen Bio-Hochstämmern zu ernten. Unterstützung bekommt er dabei noch von zahlreichen anderen «Helfern»: Vögeln. «Die bevorzugen offensichtlich Bio-Kirschen», sagt Hossli. Jammern mag er darüber aber nicht. Genauso wenig wie über die Hitze. «Mir ist die Hitze lieber, als wenn es regnet. Denn der Regen schadet den Kirschen mehr als die Temperatur», sagt Hossli.

Seine Helfer – teils aus dem Bekanntenkreis, teils über die Hochstammbörse angeheuert – mahnt er in regelmässigen Abständen, genug zu trinken. «Arbeit ist wichtig, Trinken ist wichtiger», sagt Hossli. «Es bringt nichts, wenn einer so viel schuftet, dass er irgendwann vom Baum fällt.»

Der Kaister Kirschenproduzent Gregor Rehmann hat die Erntezeiten entsprechend angepasst. Seine Helfer sind von 6 Uhr morgens bis maximal zur Mittagszeit an den Bäumen. «Man merkt jeweils, dass alle sehr erschöpft sind», sagt Rehmann. Besonders unter der Folie bei den NiederstammBäumen werde es fast unerträglich heiss. «Gemessen habe ich die Temperatur noch nie, aber ich gehe davon aus, dass die 40 Grad-Grenze erreicht wird», so Rehmann.

Geschrumpfte Kirschen

Das gleiche Problem hat die Familie Hort vom Kehrhof in Wittnau. «Ab 10 Uhr ist es unangenehm heiss auf der Anlage», sagt Regina Hort. Über Nacht wird die gedeckte Anlage mit den Niederstämmern mit Wasser versorgt, durch den Tag aber verlieren die Kirschen Volumen. «Sie schrumpfen regelrecht», sagt Hort. Geerntet wird auf dem Kehrhof deshalb nur am Morgen. Dann werden die Kirschen kühl gelagert und am nächsten Tag auf dem Markt in Aarau verkauft.

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