Von 1984 bis in die Gegenwart hat sich die Einwohnerzahl von Gipf-Oberfrick verdreifacht. Vom ursprünglichen Bauerndorf hat sich der Ort gemäss Gemeinderat Jos Bovens «zum attraktiven Wohndorf im Grossraum Basel entwickelt – mit weiter anhaltendem Siedlungsdruck». Und es hat sich nicht nur, wie in den 1980er- und den 1990er-Jahren auf die Hanglagen ausgedehnt. Auch das historisch gewachsene Dorfzentrum unterliegt einer Dynamik: Verdichtung, Sanierung, Abbruch alter Bausubstanz sind dort die Themen.

«Wir haben immer mehr Gesuche und immer komplexere», sagte Bovens. Aber wie ist mit diesen umzugehen? Sollen sie zugelassen werden – weil man froh ist, dass jemand investiert? Sind sie abzulehnen – aus Sorge um das Erscheinungsbild des Dorfes? Bisher fehlte es den Behörden an Orientierung, in solchen Fällen zu entscheiden. Das soll nun der Masterplan ändern.

Sasa Subak von der Metron AG, dem mit der Ausarbeitung des Masterplans beauftragten Planungsbüro aus Brugg, sagte: «Die historische Struktur von Gipf-Oberfrick ist noch immer ablesbar, es gibt fast keine Fremdkörper in der Kernzone, das Dorf hat noch ein Gesicht.» Wobei der Experte die Bausünden der Vergangenheit nicht verschwieg. Viele neu errichtete Gebäude in der Kernzone seien so beliebig, dass sie überall stehen könnten, auch in normalen Wohnsiedlungen.

Zentrum für Wohnen und Arbeiten

Darf jetzt gar nichts mehr gebaut werden in der Kernzone? Wird sie unter eine grosse Käseglocke gestellt? Sind die wirtschaftlichen Interessen der Grundeigentümer dort noch gewahrt? Das waren die Themen der anschliessenden Diskussion. Das Zentrum müsse weiter für Wohnen und Arbeiten attraktiv bleiben. Die Anstösser hätten ein Recht auf Weiterentwicklung und Aufwertung ihrer Immobilien. Nur soll die Erhaltung und behutsame Erneuerung bestehender Bauten Priorität haben – vor Neubauten. Und wenn neu gebaut wird, dann nur mit einer der Kernzone angemessenen Optik. Auch Frei- und Grünräume will der Masterplan bewahrt sehen. Eine zu starke Verdichtung der Kernzone wird abgelehnt.

Mit dem Masterplan will die Gemeinde in der Kernzone von Gipf-Oberfrick das Heft wieder in die Hand nehmen, anstatt, wie zuvor, auf Baugesuche nur zu reagieren. Diese sollen sich Bovens und Subak zufolge mit dem neuen Instrument auch nicht in die Länge ziehen, sondern – im Gegenteil – sogar verkürzen. Das «Pingpong-Spiel zwischen Gemeinde und Bauherrschaft», von dem Subak sprach, soll damit abgestellt werden. Offen ist noch, welchen Charakter das neue Dokument haben wird: nur Richtschnur, an der sich Bauherrschaft und Gemeinde im Konsens einigen, oder verbindlicher, in die Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde eingebetteter Vorgabenkatalog.