Grossratswahlen

Die jungen Polit-Talente – ein Versprechen für die Zukunft

Auf allen Listen tauchten junge Köpfe auf.

Auf allen Listen tauchten junge Köpfe auf.

Bei den Grossratswahlen traten im Fricktal auch viele Jungpolitiker an. Die CVP im Bezirk Rheinfelden stellte mit Alina Spuhler sogar die jüngste Grossratskandidatin im ganzen Kanton. Eine Umschau.

Die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Und da ist es gut zu wissen, dass das Fricktal über einen grossen Pool an talentierten Jungpolitikerinnen und Jungpolitikern verfügt. Dies haben die Grossratswahlen eindrücklich gezeigt. Auf allen Listen tauchten junge Köpfe auf, die CVP im Bezirk Rheinfelden stellte mit Alina Spuhler sogar die jüngste Grossratskandidatin im ganzen Kanton. Spuhler wurde gerade einmal eine Woche vor den Wahlen 18 Jahre alt.

Die Frage stellt sich: Wem ist bei den nächsten Wahlen der Sprung ins Parlament zuzutrauen? Die AZ rührt etwas im Kaffeesatz und greift aus dem grossen Pool an Talenten aus den sechs Parteien CVP, FDP, Grüne, GLP, SP, SVP je einen Jungpolitiker unter 40 heraus, denen sie in Zukunft einiges zutraut.

Rolf Schmid, 28, SP. Der Fricker bringt alles mit, was es in der Politik braucht. Er kann zuhören, ist ein Schnelldenker, analytisch stark, geht auf Menschen zu, will etwas verändern. Das Etwas ist bei ihm «mehr Gerechtigkeit». Schmid debattiert fürs Leben gerne und wer es mit ihm aufnimmt, muss sich warm anziehen. Hart in der Sache, konziliant im Ton – das zeichnet den Jungpolitiker aus. Und: Er ist ehrgeizig, auch dies keine schlechte Eigenschaft, wenn man in der Politik Karriere machen will.

Bei den Grossratswahlen landete Schmid mit einem Top-Ergebnis auf dem ersten Ersatzplatz.

Bei den Grossratswahlen landete Schmid mit einem Top-Ergebnis auf dem ersten Ersatzplatz.

Schmid hat in den letzten Jahren schon mehrfach bewiesen, dass er Biss hat, etwa, als es um die kantonale Asylunterkunft in Frick ging oder den Abbau beim Service public. Bei der Asylunterkunft engagierte er sich an vorderster Front für die Flüchtlinge und verteidigte sie mit spitzer Feder gegen Angriffe aus dem SVP-Lager. Beim Service public setzt er sich aktuell gegen die temporäre Streichung des Flugzuges von Basel nach Zürich Flughafen ein.

Bei den Grossratswahlen landete Schmid mit einem Top-­Ergebnis auf dem ersten Ersatzplatz, nur 478 Stimmen hinter SP-Doyenne Elisabeth Burgener. Burgener wird 2022 für ein Jahr höchste Aargauerin sein. Ob sie die Legislatur fertigmacht, wird sich danach zeigen. Schmid stände bereit.

Markus Liebi, 26, SVP. Von Listenplatz zwei aus gestartet, trauten ihm bei den Grossratswahlen nach dem Rücktritt von Tanja Primault-Suter viele eine Wahl zu. Es reichte nicht, Liebi lief als Nummer vier auf der SVP-­Liste ins Ziel ein. Allerdings lag er nur 95 Stimmen hinter dem zweiten Platz und kann mit seinem Resultat zufrieden sein.

Liebi ist Pragmatiker, einer, der zuerst denkt und dann spricht.

Liebi ist Pragmatiker, einer, der zuerst denkt und dann spricht.

Liebi überzeugte auch als ruhiger, aber konziser Wahlkampfleiter der SVP Aargau. Der von einigen Politauguren befürchtete Absturz der Partei blieb aus. Der Verlust von 1,6 Prozent ist zwar sicherlich ein Stachel im Fleisch, doch es hätte für die grösste Partei deutlich schlimmer kommen können. Liebi und das Wahlteam haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es nicht so kam.

Der Informatiker ist kein Mann der lauten Töne – und genau das macht ihn sympathisch und auch über die Parteigrenze hinaus wählbar. Liebi ist Pragmatiker, einer, der zuerst denkt und dann spricht. Er ist, wie Rolf Schmid, analytisch stark. Wer ihn kennt, beschreibt ihn als ruhigen Typ, freundlich und zuvorkommend. Er sei ein stiller Schaffer, sagte Liebi in einem Porträt in der AZ von sich selber – immer auf der Suche nach «möglichst einfachen Lösungen, die für alle passen».

Alina Spuhler, 18, CVP. Die Rheinfelderin legte einen erfrischenden Wahlkampf hin und wurde dafür auch belohnt: Die jüngste Grossratskandidatin im Aargau holte 1287 Stimmen und landete damit auf Platz zwei der CVP-Liste, geschlagen nur vom amtierenden Grossrat Alfons P. Kaufmann. «Man ist nur einmal jung; zu verlieren habe ich ja nichts», sagte Spuhler im Vorfeld der Wahlen. Taktisch agierten Spuhler und die CVP-Bezirkspartei klug und holten als Support für Spuhler auch CVP-Präsident Gerhard Pfister ins Fricktal.

«Für einen bestmöglichen Kompromiss politischer Entscheidungen zwischen linken und rechten Positionen braucht es eine starke Mitte», sagte Spuhler. (Archivbild)

«Für einen bestmöglichen Kompromiss politischer Entscheidungen zwischen linken und rechten Positionen braucht es eine starke Mitte», sagte Spuhler. (Archivbild)

Spuhler, der Parteikollegen eine hohe Reflexionsfähigkeit attestieren, vertritt klassische Mitte-Positionen: «Für einen bestmöglichen Kompromiss politischer Entscheidungen zwischen linken und rechten Positionen braucht es eine starke Mitte», sagte Spuhler vor den Wahlen in der AZ. Sie ist Teil dieser Mitte und kann, so sie will, diese Positionen in einigen Jahren auch in einem politischen Amt vertreten. Den nötigen Biss und das Taktgefühl hat sie als passionierte Balletttänzerin. Das Talent ebenso.

Martin Mennet, 21, FDP. Der Wahlslogan, den der Rheinfelder gewählt hat, passt bestens auf ihn: «Frische Ideen fürs Fricktal!». Obwohl erst 21, fällt der Rechts- und Wirtschafts­student immer wieder mit erfrischenden Aktionen auf. Etwa mit einem Spot, den er zusammen mit Benjamin Riva für die Trinkwasserinitiative drehte. Mennet ist Vizepräsident der Jungfreisinnigen Aargau, ist bei der Bezirkspartei aktiv und arbeitet in der ­Sozialkommission der Stadt mit. Das Engagement ist nicht selbstverständlich für einen 21-Jährigen.

Bei den Grossratswahlen holte er 894 Stimmen.

Bei den Grossratswahlen holte er 894 Stimmen.

Mennet hat das Potenzial, bei einer der nächsten Wahlen zu reüssieren – und «Vollgas für ein innovatives, attraktives und starkes Fricktal zu geben», wie er auf seiner Website schreibt. Bei den Grossratswahlen holte er 894 Stimmen. Damit kam er zwar nicht über Listenplatz 9 ­hinaus, doch gelang es der FDP diesmal, eine wirklich starke Liste zu zimmern. Mit Benjamin Bürgi findet sich auf der Liste zudem ein weiterer Jungpolitiker, mit dem in Zukunft noch zu rechnen ist.

Bernhard Stöckli, 37, GLP. Seine Partei, die GLP, ist zusammen mit den Grünen die grosse Gewinnerin der Grossratswahlen. Im Bezirk Laufenburg legte die GLP satte 2,42 Prozent zu. Für einen Sitz reichte es dennoch nicht ganz. Hätte es gereicht, was durchaus im Bereich des Möglichen lag, wäre Stöckli gewählt. Er erzielte mit 1076 Stimmen klar das beste Resultat auf seiner Liste.

Stöckli ist ein Macher, was er nicht zuletzt als OK-Chef der Fricker Gewerbeausstellung gezeigt hat. (Archivbild)

Stöckli ist ein Macher, was er nicht zuletzt als OK-Chef der Fricker Gewerbeausstellung gezeigt hat. (Archivbild)

Was zeichnet den Landschaftsarchitekten aus Frick aus? Er ist, wie jeder, der in der Politik etwas – oder besser: ein Amt erreichen will, ehrgeizig. Er weiss, was er will, und bleibt, hat er einmal angebissen, an einer Sache dran. Er setzt sich mit Verve für seine Ideen ein, bleibt dabei aber konziliant im Ton.

Stöckli ist ein Macher, was er nicht zuletzt als OK-Chef der Fricker Gewerbeausstellung gezeigt hat. Die letzte war ein Grosserfolg und niemand zweifelt daran, dass es die nächste 2021 wieder sein wird. Diesmal an neuem Ort mit neuem Konzept. Und: Stöckli will mitgestalten. Wie man gestaltet, dass es nicht nur gut aussieht, sondern auch nachhaltig ist, weiss er als Landschaftsarchitekt.

Claudio Beretta, 35, Grüne. Die Nachhaltigkeit ist Berettas Thema. Politisch wie beruflich. Der Möhliner arbeitet bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und ist dort wissenschaftlicher Mitarbeiter für Nachhaltigkeit und «Food­waste»-Vermeidung im Ernährungssystem. Beretta ist authentisch, hat eine dezidierte Meinung und setzt sich für das, was ihm wichtig ist, mit ebenso viel Herzblut wie Sachverstand ein.

Claudio Beretta:  «Es gibt kaum einen Forschungsbereich, bei dem wir mit so wenig Aufwand so viel erreichen können, wie beim Thema Lebensmittelverschwendung.»

Claudio Beretta: «Es gibt kaum einen Forschungsbereich, bei dem wir mit so wenig Aufwand so viel erreichen können, wie beim Thema Lebensmittelverschwendung.»

Stark engagiert sich Beretta seit vielen Jahren gegen Foodwaste; er präsidiert unter anderem den Verein foodwaste.ch. Zu seiner Motivation schreibt er auf der Website des Vereins: «Es gibt kaum einen Forschungsbereich, bei dem wir mit so wenig Aufwand so viel erreichen können, wie beim Thema Lebensmittelverschwendung.» Er scheut den Aufwand nicht, spricht Klartext – auch auf kommunaler Ebene, wenn ihm etwas nicht passt.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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