Fricktal
Die Jugend findet die Region zwar schön, aber auch etwas gar ruhig

Wie empfinden Fricktaler Jugendliche das Freizeitangebot, die ländliche Region oder den öffentlichen Verkehr. Junge Leute aus der Region äussern sich dazu.

Sandra Bös
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Angebote für Jugendliche bietet in Rheinfelden beispielsweise der Trägerverein für Schüler-, Jugend- und Kinderkultur (Schjkk) an. Viele junge Leute orientieren sich aber auch ausserhalb des Fricktals.chr/Archiv

Angebote für Jugendliche bietet in Rheinfelden beispielsweise der Trägerverein für Schüler-, Jugend- und Kinderkultur (Schjkk) an. Viele junge Leute orientieren sich aber auch ausserhalb des Fricktals.chr/Archiv

Hier im Fricktal lässt es sich doch gut leben: Die Region in der Nordwestschweiz mit rund 74000 Einwohnern und der Nähe zu Deutschland ist ein beliebter Wohnort. Das Fricktal zählt viele kleine Gemeinden, wobei die Kleinste, die Gemeinde Elfingen, gerade mal 279 Einwohner hat. Ausserdem liegt es nicht weit entfernt von den Grossstädten Basel und Zürich. Der Rhein, der sich als Grenze durch die Schweiz und Deutschland schlängelt, eignet sich im Sommer als toller und schöner Badeort. Prägende Elemente des Fricktals sind die Natur und das unverwechselbare Landschaftsbild. Als Erlebnisraum lockt die ruhige Region mit schönen Fahrrad- und Wanderwegen viele Touristen. Doch wie attraktiv ist das Fricktal eigentlich für die Jugend?

«Ich wohne sehr gerne im Fricktal. In einer Grossstadt würde es mir definitiv nicht so sehr gefallen, da wäre es mir wahrscheinlich zu hektisch und zu laut. Das Beste ist natürlich die Nähe zu Deutschland, die ich nicht mehr missen möchte. Es ist viel kostengünstiger und mit dem Auto bin ich in wenigen Minuten dort», so die 19-jährige Stephanie Fuhrer über ihren Wohnort. Ihre Freizeit verbringe sie vor allem in Rheinfelden. Meistens gehe sie einfach nur mit Freundinnen raus, weil es dort viele, schöne Plätze gäbe, wie das Inseli oder der neue Stadtpark. Die 19-Jährige erzählt: «Sport mache ich am liebsten im Wald. In Rheinfelden gibt es dort einen Vita-Parcours, was der perfekte Ersatz für ein Fitnesscenter ist. Das Einzige was mir im Fricktal überhaupt nicht gefällt, ist das Nachtleben.»

Sie ist der Meinung, dass rein gar nichts los ist, und fährt deswegen am Wochenende oft in grössere Städte, wie nach Basel oder nach Zürich. Zurzeit wohne sie noch zu Hause, könne sie sich aber vorstellen, später mit einer Freundin doch noch in eine etwas grössere Stadt zu ziehen.

«Sobald ich aber eine Familie habe, will ich auf keinen Fall in einer Grossstadt wohnen. Am liebsten wäre mir dann ein Vorort. Was ich am Fricktal aber sehr schätze, sind die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs, die gerade in Rheinfelden wirklich toll sind.»

Etwas anderer Meinung ist die gelernte Kauffrau Cordula Egli: «Ich verbringe eigentlich sehr wenig Zeit im Fricktal, weil es für meinen Geschmack etwas zu ruhig ist.» In ihrer Freizeit sei sie deshalb oft in der Region Basel. Sport mache sie in einem grossen und modernen Fitnesscenter in Rheinfelden: «Die Auswahl an Fitnesscentern ist gross, was ich sehr schätze, da mir Sport wichtig ist.» Jedoch habe sie trotzdem vor wegzuziehen, sobald sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden habe. «Ich suche einen Arbeitsplatz ausserhalb vom Fricktal, nicht nur weil es mir zu ruhig ist, sondern auch, weil es ausserhalb einfach mehr Angebote gibt», so die Jugendliche. Mit den Zugverbindungen sei sie mehr als zufrieden, doch die Busverbindungen sind ihrer Meinung nach zu verbessern: «Wenn ich am Wochenende im Ausgang bin, ist es schwer für mich nachts wieder nach Hause zu kommen, da der Bus gerade mal bis Mitternacht fährt.»

„Ich wohne gerne im Fricktal, weil es schön ruhig ist. Im Dorf kennt man sich gegenseitig, was zwar seine Vor- und Nachteile hat, aber auf eine Art fühlt man sich dadurch geborgen. Ich sehe das Fricktal als sehr familienorientierte Region, deshalb will ich wahrscheinlich irgendwann schon von hier weg», so Clivia Igareta. Die 18-Jährige erzählt, dass sie seit Kurzem unter der Woche immer in Zürich ist, weil sie dort ihren neuen Arbeitsplatz und auch eine kleine Wohnung hat. «Seit ich unter der Woche in Zürich bin, ist mir bewusst, dass es nicht leicht ist, weit weg von meinem Bekanntenkreis im Fricktal zu sein», so Igareta. Sie habe ein Praktikum in einer Psychiatrie gesucht und wurde im Fricktal nicht fündig, weil es nicht so viele Psychiatrien gäbe. Auf den öffentlichen Verkehr im Fricktal ist die junge Frau aber nicht sehr gut zu sprechen: «So gut es mir im Fricktal auch gefällt, die Verbindungen im Möhlin sind wirklich Mist! Wenn man mit dem Schnellzug fahren möchte, was bei mir ständig der Fall ist, dann muss man erst den Regionalzug nach Rheinfelden nehmen und dort umsteigen.» Ausserdem habe sie nur einen einzigen Bus pro Stunde, der zum Bahnhof fahre.