Frick
Die Jakob Müller AG schreibt rote Zahlen im Millionenbereich – aber: «Unsere Liquidität reicht noch länger aus»

Dieses Jahr schreibt die Fricker Jakob Müller AG tiefrote Zahlen – Kurzarbeit federte die Coronakrise ab. Immerhin erwies sich die Gründung der Tex-Mask GmbH als Glücksfall.

Dennis Kalt
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Sandra Ardizzone

Die roten Zahlen, die im operativen Ergebnis 2020 unter dem Strich der Jakob Müller AG stehen, verhehlt Robert Reimann nicht. Von einer Summe im tiefen siebenstelligen Bereich redet der CEO von einem der grössten Bandmaschinenhersteller der Welt mit 300 Mitarbeitenden am Firmensitz in Frick. Doch Reimann hat schon schlimmere Jahre erlebt. «Etwa in der Finanzkrise 2008/2009 war der Verlust deutlich höher», relativiert er. «Unsere Liquidität reicht noch länger aus», weil man über die erfolgreichen Geschäftsgänge der letzten Jahre Reserven gebildet habe.

Dennoch, so Reimann, sei man vor allem des Auftragsvolumens wegen nicht um die Kurzarbeit herumgekommen. «Am Tiefpunkt der Pandemie – während der Shutdowns in Indien, Bangladesch, China, Europa und Südamerika – sind unsere Maschinenverkäufe bis auf zehn Prozent vom Normalniveau zurückgegangen», sagt er. So habe denn auch so gut wie jeder der 300 Mitarbeiter Kurzarbeit – bis zu 80 Prozent – leisten müssen.

Mit der Tex-Mask GmbH aus der Not eine Tugend gemacht

«Mitarbeitern, die etwa zu Hause zwei Kinder am Tisch sitzen und mit den Einbussen zu kämpfen hatten, haben wir – wenn immer möglich – angeboten, durch Einsätze in der Maskenkonfektion, ihr Gehalt aufzustocken», sagt Reimann. So machte die Jakob Müller AG mit der Gründung der Tex-Mask GmbH, die ab April waschbare Stoffmasken produzierte aus der Not eine Tugend. Auch derzeit befinden sich Mitarbeiter – je nach Abteilung – noch bis zu 50 Prozent in Kurzarbeit.

Reimann betont, dass man per se wegen der Pandemie keine Mitarbeitenden entlassen habe. Natürlich sei es so, dass die Beurteilungskriterien in einer Krise etwas harscher ausfallen und manchmal habe die Leistung eben nicht gepasst. Aber: «Eine Krise rechtfertigt ja nicht, auf einen Mitarbeiter zu bauen, wenn die Leistung nicht stimmt. Auch habe man Mitarbeitern, die kurz vor ihrer Pension standen, in die Frühpensionierung geschickt, «wir supporten die Frühpensionierungen mit Beiträgen aus der Stiftung», schiebt Reimann nach.

Grüne Zahlen und neue Technologie in der Pipeline

Zwar läuft der Maschinenverkauf derzeit noch holprig, doch wird die Jakob Müller AG im 4. Quartal bereits wieder schwarze Zahlen schreiben. Darüber hinaus blickt Reimann positiv ins 2021. «Wir lancieren unsere neuen Produkte und gehen davon aus, dass diese für einige Kunden sehr interessant sein könnten.» Ein Beispiel ist etwa eine Maschine, die Etiketten herstellt, die auf der Haut nicht kratzen. Reimann redet hier von einer «disruptiven Technologie», die – vorausgesetzt, einer der grossen Bekleidungshersteller bekundet Interesse – ein «enormes Umsatzpotenzial» für die Jakob Müller AG in sich birgt.

Solche Lösungen für Probleme zu entwickeln und diese marktreif zu machen, sei für den langfristigen Erfolg des Unternehmens entscheidend. Dies auch, weil Reimann davon ausgeht, dass der Franken langfristig gegenüber dem Euro an Stärke gewinnt – «der derzeitige Kurs von Fr. 1.08 wird nur künstlich gehalten» – und dadurch die in der Schweiz produzierten Produkte für ausländische Abnehmer teurer werden. «Wir setzten daher auf Innovationen, auf die Entwicklung von Produkten, die so viel Mehrwert bieten, dass sich der Kunde gar nicht die Frage stellt, ob er dafür bereit ist, 10 und 20 Prozent mehr zu zahlen», so Reimann.

Gelingt dies, ist Reimann sicher, dass auch bei einem Wechselkurs von 1 zu 1 sich langfristig vom Standort Frick aus neue Technologien im Textil- und Industriebereich in der Welt verbreiten.

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