Kaisten
Die Idylle in Kaisten wird durch das Hofacher-Areal gestört

Fünf Mitglieder der Ortsbürgerkommission Kaisten beziehungsweise der von der Ortsbürgerkommission (OBK) eingesetzten Arbeitsgruppe Hofacher haben ihren sofortigen Rücktritt erklärt. Was ist passiert?

Susanne Hörth
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Der Kaister Gemeinderat beabsichtigt, auf dem 1,2 Hektaren grossen, (noch) gemeindeeigenen Areal Hofacher rund 50 Wohneinheiten – bestehend aus altersgerechten Mietwohnungen, Spitex-Stützpunkt, Gemeinschaftsraum und mehr – zu realisieren. Eine Bauträgerschaft wird derzeit gesucht, der Investorenwettbewerb ist ausgeschrieben.

Das Vermögen der Ortsbürger von zirka 3,5 Millionen Franken steht der Einwohnergemeinde als Kontokorrent für eine günstige Verzinsung zur Verfügung. Um ihre Vermögensbewirtschaftung zu optimieren, überlegen die Ortsbürger, in die geplante Generationenüberbauung zu investieren. Hierzu wurde eine entsprechende Arbeitsgruppe gebildet.

Eine erste Idee

Wie Urs Müller – er stand der OBK bis zu seinem sofortigem Rücktritt als Präsident vor – erklärt, hat die Arbeitsgruppe zuhanden des Gemeinderates eine erste Idee eingebracht, wie das finanzielle Engagement der Ortsbürger bei der Arealüberbauung Hofacher aussehen könnte: ein Investitionsvolumen von maximal 4 Millionen Franken, eingesetztes Kapital der Ortsbürgergemeinde maximal 2 Millionen Franken.

Es sei nicht Kernaufgabe einer Gemeinde, Wohnungen zur Verfügung zu stellen, so die Antwort des Gemeinderates. Dem Antrag der Arbeitsgruppe, diesen Entscheid zu überdenken, entsprach der Gemeinderat nicht. Ebenfalls trat er nicht auf den Vorschlag ein, dass die Arbeitsgruppe zwei bis drei Varianten ausarbeitet und diese mit dem Gemeinderat und der Ortsbürgerkommission diskutiert. Stattdessen erstellte Vizeammann Franziska Winter, ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe, eine Modellrechnung und liess diese von einem Immobilienzentrum überprüfen. Von dieser Modellrechnung hatte die Arbeitsgruppe keine Kenntnis. Der Gemeinderat jedoch wurde durch die Rechnung in seiner Meinung bestärkt, eine Fremdfinanzierung von Wohnungen durch die Ortsbürgergemeinde sei nicht anzustreben, dies auch hinsichtlich des künftigen Handlungsspielraums der Ortsbürgergemeinde.

Fehlender Dialog

Dem Entscheid des Gemeinderats, keinen Wert auf Investitions- und Finanzierungskonzepte der Arbeitsgruppe Hofacher zu legen, folgten dann die sofortigen Rücktritte aus der Ortsbürgerkommission und der Arbeitsgruppe Hofacher. Mangelnde Gesprächsbereitschaft vonseiten Gemeinderat hat unter anderem Urs Müller zu diesem Schritt bewogen. «Ich war und bin der Auffassung, dass es zwischen einem Gemeinderat und Kommissionen sowie Arbeitsgruppen Spielregeln gibt», so Müller.

Die Haltung des Gemeinderats kann auch Georges Gertiser nicht nachvollziehen und zieht mit seinem Rücktritt aus der Ortsbürgerkommission seine Konsequenzen: «Wenn der Gemeinderat keine Diskussionen mit den Kommissionen führen will, wieso setzt er dann Kommissionen ein?» Von ihren Ämtern in der OBK oder Arbeitsgruppe sind weiter Alois Rehmann, Adrian Ackermann und Ruedi Näf zurückgetreten.

Ein zu grosses Engagement

Wie Gemeindeammann Josef Amsler erklärt, bedauert der Gemeinderat die Rücktritte. Den Zurückgetretenen sei für ihr bisheriges grosses Engagement gedankt worden. Amsler betont aber auch: «Wir erachten das finanzielle Engagement der Ortsbürger als zu gross und haben entsprechend auf Alternativen hingewiesen. Dass unser Entscheid zu dem nun Erfolgten geführt hat, das hat uns überrascht.»

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