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Die Hirschkühe und der junge Bock sollen nicht gezähmt werden

Seit 30 Jahren leben Hirsche im Dorf – beinahe unbemerkt. Doch nun sind sie gut sichtbar, wegen der neuen Überbauung «Wohnpark» mit 26 Wohnungen. Vier Hirschkühe und ein junger Bock – Spiesser genannt – leben derzeit auf der Hirschweide.

Karin pfister
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Rainer Probsts Hirsche sollen möglichst wild gehalten werden.

Rainer Probsts Hirsche sollen möglichst wild gehalten werden.

zvg

Unterhalb dieser wurde zum einen die neue Überbauung Wohnpark mit 26 Wohnungen und zum andern neben der Weide fünf Einfamilienhäuser realisiert. Diese Überbauung nennt sich «Hirschplatz». Rainer Probst, dem die Hirsche gehören, freut sich, dass seine Tiere so zum Namensgeber wurden. Obwohl Dammhirsche eher schreckhafte Tiere sind, habe sie der Baulärm nicht gestört , da die Herde auf der grosszügigen Weide genug Rückzugsmöglichkeiten hat, sagt Probst. Und auch mit den neuen Nachbarn scheinen die Hirsche gut auszukommen. «Sie sind zwar ängstlich, aber auch neugierig.»

Seit 1977 hält er Hirsche. Zuerst waren es Rothirsche, aber diese waren für das Gelände zu schwer und zertrampelten das Gras. Zu Beginn der 80er-Jahre hat Probst auf dem Probstenberg oberhalb von Oensingen Dammhirsche gekauft und damit den Grundstein für die heutige Herde gelegt. Diese war zeitweise bis auf über 20 Tiere angewachsen –für die 50 Aren grosse Weide war das jedoch zu viel: Ideal sind rund zehn Tiere. In nächster Zeit wird sich am Bestand nichts ändern, da Rainer Probst den Hirschbock – das Oberhaupt der Herde – im letzten Jahr erschiessen musste, weil dieser zwei Mitglieder der Herde getötet hatte. Rainer Probst will im nächsten Frühling wieder einen neuen Bock kaufen. Also wird es erst im Frühling 2014 erneut Hirschen-Nachwuchs geben. Probsts Ziel ist es, die Herde so wild wie nur möglich zu halten. Die Tiere sollen nicht gezähmt werden und haben darum auch keine Namen. In den vergangenen 30 Jahren musste er erst einmal ein Muttertier nach der Geburt töten, weil das Kalb im Geburtskanal stecken geblieben und gestorben war. Ansonsten haben die Kühe die Kleinen immer selbstständig und problemlos zur Welt gebracht. «Wenn der Mensch helfen muss, ist das nicht mehr gut.»

«Ich muss mich stets überwinden»

Ganz ohne den Menschen geht es aber doch nicht. Rainer Probst dezimiert in der Regel im Herbst einen Teil der Herde, damit diese nicht zu gross wird. Die Tiere werden aus einer Entfernung von 20 bis 25 Metern geschossen. «Ich muss mich immer überwinden, aber es gehört dazu.» Wichtig ist ihm, dass das Tier nicht leiden muss. Es soll nichts davon merken und schnell sterben.

Rainer Probst weidet die Hirsche selber aus. Hirschfleisch, das sehr zart, kurzfaserig und fast fettlos ist, kommt bei Rainer Probst deshalb im Winter öfter auf den Tisch. Wenn Probst einmal in die Ferien verreisen will, schauen seine Mutter Silvia oder sein Bruder zu den Tieren. «Die Haltung von Hirschen ist sehr unkompliziert. Im Sommer fressen sie hauptsächlich Gras und im Winter füttere ich ihnen Heu, Kartoffeln oder Brot .» Was Hirsche ganzjährig brauchen, ist Wasser. Das ist auch der Grund, weshalb jeden Tag jemand auf die Weide gehen muss.