Seit rund zehn Jahren touren die beiden jetzt schon durch die Schweiz und verkörpern den zum Kult gewordenen Radio-Detektiv und seinen Gegenspieler, den Kriminalbeamten, der sich durch Sätze zur Marke gemacht hat wie: «Üble Sache, Maloney» und «Die Welt ist aus den Fugen, Maloney.»

Im zerbeulten Trenchcoat

Für Daniela Hossli aus Wittnau, die unter den Zuschauern sitzt, ist die halbe Stunde am Sonntagvormittag fest reserviert – die Sendezeit für die neueste Maloney-Folge. Seit Jahren schon verfolgt sie dessen «haarsträubende Fälle». Aber die beiden Sprecher, welche die Hörspielfolgen von Anfang an bestreiten, hat sie noch nie live erlebt. «Ich habe mir die eigentlich genau so vorgestellt», sagt sie: den Maloney im zerbeulten Trenchcoat als eine Mischung aus Philip Marlowe und Columbo und den Polizisten als den pedantischen und verschrobenen Beamten, der mit bedeutungsschwerer Stimme kundtut: «Ich habe ein Buch gelesen.»

Wenn Seidel diesen für ihn so legendären Satz im Radio spricht, kann niemand die weit aufgerissenen Augen sehen, die er beim Live-Auftritt dabei macht. Und keiner kann das Mienenspiel mitverfolgen, das Schacht beim Einsprechen seiner Texte im Studio mit Sicherheit auch abzieht. Auf der Bühne aber kann es jeder sehen. Für den Zuschauer wird damit Philip Maloney noch greifbarer und authentischer.

Nicht lange nachdem Roger Graf die Figur des Privatdetektivs 1989 erschaffen hatte, wurde er nach Lesungen gefragt. Graf wollte seinen Maloney aber nie selbst verkörpern, vielleicht aus Furcht heraus, sein Erscheinen könnte die Leute enttäuschen und die Figur entzaubern. So schickt er lieber Schacht und Seidel ins Rennen. Die verkörpern ihre Charaktere, spielen ihre Rollen und sind auf der Bühne privater, als die Zuschauer denken mögen.

Manuskripte von Roger Graf

Wie improvisiert mutet manchmal die Darbietung an, aber die Manuskripte stammen sämtlich von Roger Graf und Schacht und Seidel halten sich dran. Auch wenn Schacht im Gespräch lachend zugibt: «Ab und zu verselbstständigen sich meine Figuren und ich muss sie dann wieder einfangen.»

Während im Radio viele Sprecher an einer Folge mitwirken, übernehmen beim Live-Auftritt Schacht und Seidel alle Parts selbst – ihre Stammfiguren aber auch Rollen wie der verrückte Geschichtenerzähler und Mordverdächtige. Sie steigern die Stimmlage in feminine Höhen oder verfallen in wienerischen Singsang.

Und manchmal geraten auch Zuschauer ins Schleudern: Wer ist gerade wer? Auch wenn sich Michael Schacht in Mundart vom Fricker Publikum verabschiedet, stellt sich diese Frage.