Wahlen
Die grossen Gemeinden dominieren den Bezirk Rheinfelden klar

Gleich acht der zehn gewählten Grossräte stammen aus Rheinfelden oder Möhlin – ist das ein Problem?

Marc Fischer
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Den Blick von den grossen Gemeinden in die kleineren (hier von Möhlin Richtung Zeiningen) brauchen die Grossräte des Bezirks Rheinfelden. Acht von zehn stammen aus Rheinfelden oder Möhlin. Gerry Thönen

Den Blick von den grossen Gemeinden in die kleineren (hier von Möhlin Richtung Zeiningen) brauchen die Grossräte des Bezirks Rheinfelden. Acht von zehn stammen aus Rheinfelden oder Möhlin. Gerry Thönen

Gerry Thoenen;Gerry Thönen;

Rheinfelden und Möhlin weisen zusammen gut 24 000 Einwohner – und damit etwas mehr als die Hälfte des Bezirks Rheinfelden – auf. Bei den gewählten Grossräten akzentuiert sich diese Dominanz: Rheinfelden stellt neu fünf Grossräte, Möhlin drei. Die beiden verbleibenden Sitze gehen an Kathrin Hasler aus Hellikon und Alfons Paul Kaufmann aus Wallbach. Gar keinen Grossrat mehr stellen die mittelgrossen Gemeinden des Bezirks wie Kaiseraugst, Magden oder Stein.

Vor vier Jahren präsentierte sich das Verhältnis noch ausgeglichener: Neben vier Rheinfeldern und zwei Möhlinern zogen Regula Bachmann (Magden), Hansueli Bühler (Stein), Kathrin Hasler (Hellikon) und Patricia Schreiber (Wegenstetten) nach Aarau. Bühler und Schreiber demissionierten jedoch während der Legislatur und die Nachrückenden Bernhard Scholl und Andreas Fischer (beide Möhlin) verschoben das Gewicht in Richtung der beiden Grossgemeinden.

Häufig regionale Themen

Für den Möhliner Gemeindeammann Fredy Böni, der Ende Jahr aus dem Grossen Rat ausscheidet, hängt das aktuelle Resultat «vor allem mit den profilierten Köpfen zusammen.» Mit Verweis auf das Wählerpotenzial sagt er aber auch: «Gute Köpfe aus grossen Gemeinden haben im Verhältnis natürlich bessere Wahlchancen.»

Für eine Wahl sei «ein gewisser Bekanntheitsgrad nötig», sagt die ebenfalls abtretende Grossrätin Regula Bachmann. «Man muss sich profilieren.» Dass dies auch für Kandidaten aus kleineren Gemeinden möglich ist, habe ihr Nachfolger, Alfons Paul Kaufmann, bewiesen. Aufgrund des Wählerpotenzials sei es aber für Kandidaten aus kleinen Gemeinden schwieriger, die Wahl zu schaffen.

Ein «Riesenproblem» sei die neue regionale Verteilung aber nicht, betont Fredy Böni. Auch Franco Mazzi, Grossrat und Stadtammann von Rheinfelden, sieht keine Schwierigkeiten. «Die Wohnorte sollten keine Auswirkungen haben. Wir wurden vom Bezirk und für den Bezirk gewählt.»

SVP: Daniel Vulliamy, Rheinfelden (bisher)
10 Bilder
SVP: Kathrin Hasler, Hellikon (bisher)
SVP: Désirée Stutz, Möhlin
FDP: Bernhard Scholl, Möhlin (bisher)
FDP: Franco Mazzi, Rheinfelden (bisher)
SP: Peter Koller, Rheinfelden (bisher)
SP: Claudia Rohrer, Rheinfelden
CVP: Alfons Paul Kaufmann, Wallbach
Grüne: Andreas Fischer Bargetzi, Möhlin (bisher)
GLP: Roland Agustoni, Rheinfelden (bisher)

SVP: Daniel Vulliamy, Rheinfelden (bisher)

Zur Verfügung gestellt

Auch die ehemalige Wegenstetter Grossrätin Patricia Schreiber verweist auf den regionalen Zusammenhalt: «Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Die Fricktaler setzen sich fürs Fricktal ein.» Ähnlich sieht es Hansueli Bühler. Der ehemalige Grossrat und ReplaPräsident sagt: «Grossräte müssen für den Kanton schauen und ihre Region vertreten.» Und: «Als Steiner Bürger fühle ich mich von den Gewählten vertreten.»

Doppelmandat als Vorteil

Dennoch sei es für Gemeinden vorteilhaft, wenn ein Gemeinderat zugleich auch Grossrat ist, so Hansueli Bühler. Weniger um gemeindespezifische Anliegen einzubringen, als wegen der persönlichen Kontakte zu Regierungsräten und Verwaltung und «weil vieles, was im Grossen Rat beschlossen wird, Einfluss auf die Gemeinden hat.» So habe ein Gemeinderat stets Informationen aus erster Hand. «Sitzt ein Grossrat nicht in der Exekutive der Gemeinde, bringt ihr das viel weniger», ist Bühler überzeugt.

Fredy Böni macht noch einen weiteren Vorteil des Doppelmandats aus: «Mit einem Exekutivamt hat man in den Fraktionen etwas mehr Überzeugungskraft.»

Einig sind sich alle Befragten darin, dass Anliegen von Gemeinden ohne Grossrat auch künftig den Weg nach Aarau finden werden. «Die Gemeinden sind gut organisiert, etwa in der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks», sagt Schreiber. Und Mazzi betont: «Der Kontakt unter den Gemeinden ist da, die Kommunikationswege sind kurz.»