In Lohnfragen ist der Schweizer ein echter Gentleman: Er schweigt. Nicht so vor einem Jahr, als die Gemeindeammännervereinigung eine Debatte um eine angemessene Besoldung der Exekutive lancierte. Ihre Forderung: Die Entschädigung müsse massiv erhöht werden, um das Amt wieder attraktiver zu machen. Von einer Verdoppelung war, je nach Gemeindegrösse und Funktion, die Rede.

Ein Gemeindeammann einer 1000-Seelen-Gemeinde müsste nach dieser Modellrechnung bei einem Pensum von 22 Prozent mit 26 400 Franken entschädigt werden. Robert Schmid, Ammann im 900-Seelen-Dorf Ueken, beispielsweise bekommt aktuell 12 000 Franken im Jahr (siehe Tabelle).

Die befragten Politiker, insbesondere der kleineren und mittleren Gemeinden, äusserten sich damals alle ähnlich. Die Entschädigung sei schon eher tief, sagten sie, wogegen die Verantwortung und die Aufgaben permanent am Zunehmen seien. Eine angemessene Entschädigung helfe bei der Rekrutierung geeigneter Kräfte und, nein, das Nebenamt von einst sei insbesondere das Ammannamt heute nicht mehr.

Neun Gemeinden erhöhen

Eine Frage blieb offen: Werden die Gemeinden die Entschädigungen nun samt und sonders an die neuen Richtlinien der Gemeindeammännervereinigung anpassen? Kommt es auf die neue Amtsperiode hin, die im Januar 2018 beginnt, zum grossen Rubelrollen?

Es kommt nicht dazu. Dies zeigt die Umfrage der AZ unter sämtlichen 32 Fricktaler Gemeinden. Danach beantragen lediglich neun Kommunen, die Entschädigungen zu erhöhen. Prozentual am stärksten fällt die Erhöhung in Münchwilen aus; hier soll der Ammann künftig gut 27 Prozent mehr bekommen, der Vizeammann 35 und die drei Gemeinderäte je 40 Prozent mehr. Allerdings starten sie auch von tiefem Niveau aus; weniger als in Münchwilen bekommt ein Gemeinderat aktuell nur in Oberhof, Ueken und Hornussen.

Münchwilen beantragt gleichzeitig, die Stundenansätze für Einsätze, die ausserhalb des Pflichtenhefts stehen, um 6 auf 36 Franken zu erhöhen. Höhere Stundentarife wollen auch Gipf-Oberfrick (60 statt 41) und Frick (60 statt 43.69). In diesen beiden Gemeinden bleibt indes die Grundbesoldung gleich wie in der laufenden Amtsperiode. Die Gipf-Oberfricker haben der Erhöhung im Juni bereits zugestimmt, in Frick entscheidet der Souverän – wie in vielen Kommunen – in den nächsten Tagen an der Gemeindeversammlung.

Der Vergleich der Zahlen liefert zehn weitere, spannende Erkenntnisse.

1. Stagnation auf heutigem Niveau.

Über alle Gemeinden gesehen verändern sich die Entschädigungen marginal. Ein Gemeindeammann verdient künftig im Schnitt 33 982 Franken; das sind 1012 Franken mehr als heute. Ein Vizeammann bekommt 16 291 Franken – 592 mehr als jetzt. Bei einem Gemeinderat fällt die durchschnittliche Erhöhung mit 501 Franken deutlich tiefer aus; sein Einsatz wird künftig im Schnitt mit 13 808 Franken entschädigt.

2. Die Grösse macht es aus.

Es gilt die Faustregel: Je kleiner die Gemeinde, desto kleiner ist die Grundentschädigung. Am tiefsten ist sie in Oberhof; hier bekommt der Gemeindeammann 9000 Franken im Jahr. Roger Fricker ist damit der einzige Ammann, der unter 10 000 Franken erhält. Beim Vizeammann landen vier Gemeinden im vierstelligen Bereich: Oberhof, Ueken, Schwaderloch und Hornussen. Diese vier Gemeinden zahlen auch die tiefsten Pauschalansätze bei den Gemeinderäten.

3. Kleine Gemeinden unterdotiert.

Der Arbeitsaufwand in kleinen Gemeinden ist zwar klar niedriger als in mittleren und grossen Kommunen. Da aber gerade der Ammann in kleineren Gemeinden oft auch operativ mitarbeiten muss, beträgt sein Pensum ebenfalls zwischen 20 und 35 Prozent. Seine Entschädigung spiegelt diesen Aufwand nicht wider oder, um es positiv zu formulieren: Das Amt wird noch stark als Ehrenamt interpretiert. Ob man damit allerdings in einer Gegenwart, die von Individualisierung und Egozentrierung geprägt ist, noch viele hinter dem Ofen hervorholt, ist fraglich.

4. Deutlich unter dem «Minimum».

Die Gemeindeammännervereinigung empfiehlt als tiefste Ammann-Entschädigung 24 600 Franken – für ein 22-Prozent-Pensum in einer Gemeinde mit weniger als 1000 Einwohner. In der Realität beantragen 20 der 32 Gemeinden Entschädigungen, die tiefer liegen – darunter auch viele Gemeinden mit deutlich mehr als 1000 Einwohner.

5. Nur drei Gemeinden zahlen dem Ammann über 70 000 Franken.

Die höchsten Entschädigungen zahlen die einwohnerstärksten Gemeinden. Rheinfelden entschädigt seinen Stadtammann Franco Mazzi mit 211 250 Franken pro Jahr; er arbeitet in einem 100-Prozent-Pensum. In Möhlin bekommt Ammann Fredy Böni für sein 70-Prozent-Pensum 138 000 Franken. Bevölkerungsmässig fast gleich gross sind Kaiseraugst und Frick – in der Besoldung unterscheiden sie sich klar: Daniel Suter bekommt für sein 50-Prozent-Pensum 71 580 Franken, Sibylle Lüthi für ein gleich hohes Pensum 55 410 Franken.

6. Pro Kopf unter 20 Franken.

Rechnet man die Besoldungen auf die Einwohner um, so kommt ein Gemeindeammann im Schnitt auf 19.80 Franken pro Einwohner. Ein Vizeammann auf 12 und ein Gemeinderat auf 10.22 Franken. Effektiv variieren die Pro-Kopf-Beträge stark. Am höchsten ist er, wenig verwunderlich, in der kleinsten Gemeinde, Olsberg. Hier zahlt jeder Einwohner Ammann Romuald Stalder 61.05 Franken im Jahr. In absoluten – also den budgetrelevanten – Zahlen liegt er mit 22 040 Franken im Mittelfeld.

7. Wenn das Dienstalter zählt.

Zwei Gemeinden, Magden und Schwaderloch, stufen die Entschädigung nach Dienstjahren ab. In Magden bekommt der Ammann im ersten Jahr 12 000 Franken, im 12. Jahr 16 000 Franken. In Magden fällt die Pauschale zwischen 43 568 und 47 162 Franken aus.

8. Sisseln geht neue Wege.

Die Gemeinde zahlt eine verhältnismässig kleine Pauschale. Hinzu kommt eine Entschädigung pro Ressort, das betreut wird. Für das arbeitsintensive Bauwesen gibt es 7000 Franken im Jahr, für das Ressort Vereine 1000 Franken. Mit diesem Modell lässt sich zum einen die effektive Belastung der Gemeinderäte besser abbilden. Zum anderen erleichtert es die Entschädigungsfrage, wenn jemand längere Zeit ausfällt oder wenn die Ressorts neu verteilt werden.

9. Stundenansätze: Viele Modelle,

Ein heterogenes Bild zeigt sich bei der Frage, was zusätzlich entschädigt wird und was in die Pauschale gehört. Hier differieren nicht nur die Leistungen, sondern auch die Stundenlöhne stark. Einige Gemeinden kennen abgestufte Stundenlöhne, andere Tagespauschalen. Im Schnitt zahlen die Gemeinden 41.10 Franken pro Stunde, wenn die Aufgabe ausserhalb des Pflichtenheftes liegt. Die tiefsten Stundenansätze liegen bei 27 (Kaisten), die höchsten bei 60 Franken.

10. Millionengrenze geknackt.

Zusammen verdienen alle Fricktaler Gemeindeammänner 2018 1,09 Millionen Franken, was einem Plus von 32 380 Franken zu heute entspricht. Die Vizeammänner kommen auf 521 298 Franken (+18 930), die Gemeinderäte auf dreimal 441 863 Franken (+16 050).