Stein-Bad Säckingen

Die Grande Dame der Hutmode ist 90 – der Ruhestand noch kein Thema

Das Geburtstagskind Ruth Stoll und ihre Nichte Helena Bruchhäuser lieben ihren Beruf.

Das Geburtstagskind Ruth Stoll und ihre Nichte Helena Bruchhäuser lieben ihren Beruf.

Ruth Stoll feierte vor wenigen Tagen ihren 90. Geburtstag. Doch die rüstige Seniorin denkt noch lange nicht ans Aufhören. Die Hutmacherin führt durch ihre kleine Werkstatt, in der sie Geheimnisse hütet und Schätze birgt.

«Mein Leben hat mich reich beschenkt, ich habe wirklich viel Schönes erleben dürfen», sagt Ruth Stoll, die Grande Dame der Hutmode in Bad Säckingen, rückblickend. Am 27. Januar feiert sie, die einzige Modistin zwischen Konstanz und Freiburg, im Kreis ihrer Familie ihren 90. Geburtstag. Auch auf Schweizer Seite ist die «Hutmacherin» weitherum bekannt. Von Ruhestand ist nicht die Rede, denn Ruth Stoll ist quirliger und unternehmungslustiger denn je und führt hinauf in die kleine Werkstatt, die viele Geheimnisse hütet und wahre Schätze birgt.

Dort näht ihre Nichte Helena Bruchhäuser, die seit vergangenem Jahr im Geschäft mitarbeitet, gerade an einem neuen Winterhut aus Kaninchenhaar. Hinter ihr warten Filzstumpen in den schönsten Farben im Regal darauf, von den beiden Damen in mühevoller Handarbeit zu eleganten oder sportlichen Kopfbedeckungen umgearbeitet zu werden. Sie arbeiten an alten Nähmaschinen, dämpfen, nähen, drapieren und gestalten den Kopfschmuck je nach Kundenwunsch oder der eigenen Fantasie entsprechend.

In Florenz kaufen die beiden Modistinnen im Frühling Hutformen und Zubehör ein und holen sich Inspirationen für Neues. «Eigentlich kommt meine Inspiration, wenn ich an einem Stück arbeite», sagt Ruth Stoll und zeigt auf einen roten Filzhut, den sie gerade fertiggestellt hat. «Dieses Stück habe ich einem Hut nachempfunden, den Herzogin Kate getragen hat.» Viele Reisen, unter anderem zu den legendären Pferderennen in Ascot, hat sie unternommen und dort ihre Hutkreationen vorgestellt.

Ein schwerer Anfang

Am Anfang ihrer Laufbahn als sie 1952 den Hutsalon übernahm war es alles andere als leicht. Der Laden wurde 1923 von ihrer Mutter Lydia Stoll eröffnet, damals einer von vieren in der Stadt. Als 14-jähriges Mädchen begann die junge Ruth ihre Ausbildung in einem renommierten Waldshuter Hutsalon, danach folgten Volontariate in Lörrach und Basel. «Heute denke ich manchmal, dass ich damals noch gar nicht realisieren konnte, wie weitreichend diese Entscheidung war», sagt sie rückblickend. In der Nachkriegszeit kam dann die Entscheidung für die Geschäftsübernahme.

«Als ich meinen Salon in den Räumen in der Rheinbrückstrasse eröffnete, fing ich buchstäblich bei null an», erinnert sich Ruth Stoll. Eine entbehrungsreiche und harte Zeit sei das gewesen. Doch mit ihrer Zielstrebigkeit setzte sie sich durch und machte sich weithin einen Namen für ihre Hutmacherkunst.

Über 60 Jahre lang führt Ruth Stoll ihren Salon in der Bad Säckinger Altstadt alleine und wurde weithin berühmt. Ihr Kundenstamm ist schon seit Jahren international, viele legen weite Strecken zurück, um ein individuell für sie gefertigtes Stück in Auftrag zu geben.

«Während meiner langen Berufstätigkeit habe ich viele Hutgeschäfte schliessen sehen, oder die Hüte werden mittlerweile nicht mehr in Handarbeit gefertigt. Das kam für mich nie in Frage», sagt sie lächelnd. Und seit vergangenem Jahr hat sie nun mit Nichte Helena Bruchhäuser Verstärkung, die den Fortbestand des traditionsreichen Geschäfts in Familienhand sichert.

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