Kaiseraugst
Die Gemeindepräsidentin zum Kauf des Gasthof Adler: «Die Ortsbürger können sich das leisten»

An der ausserordentlichen Ortsbürgerversammlung vom 7. April wird der Kauf der Liegenschaft beantragt, trotz hohem Preis und schlechtem Zustand des Gebäudes. Im Interview erklärt die Gemeindepräsidentin, Sibylle Lüthi, warum

Nadine Böni
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«Wir versuchen, die Ortsbürger über die emotionale Schiene abzuholen.»

«Wir versuchen, die Ortsbürger über die emotionale Schiene abzuholen.»

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Die Ortsbürgerkommission und der Gemeinderat schlagen den Ortsbürgern den Kauf des Landgasthofs Adler vor. Und das, obwohl der Preis gemäss Versammlungs-Botschaft «überteuert», der Zustand des Gebäudes «jämmerlich» und die Zukunft als Restaurant «schwierig» sei. Sibylle Lüthi, Gemeindepräsidentin und Mitglied der Ortsbürgerkommission, nimmt Stellung.

Frau Lüthi, an negativen Argumenten mangelt es nicht. Warum sollen die Ortsbürger
den «Adler» kaufen?

Sibylle Lüthi: Ich glaube, wir müssen als Ortsbürger weiter denken. Der Landgasthof Adler prägt das Dorfbild und das Leben im Dorf. Das Restaurant fehlt. Das Gebäude hat stark gelitten in den letzten Jahren. So kann es nicht weitergehen. Und hier stellt sich die Frage nach der Alternative.

Was ist denn die Alternative?

Die Gefahr ist gross, dass ein Investor oder Spekulant das Haus kauft. Was dann geschieht, ist völlig offen. Sicher ist, dass der «Adler» nicht als Beiz weitergeführt würde. Deshalb sind wir der Meinung, dass wir den Kauf tätigen sollten, bevor es zu spät ist.

Wie wollen Sie die Ortsbürger von diesen Argumenten überzeugen?

Wir wollen ganz offen kommunizieren, daher auch die kritische Botschaft zum Geschäft. Es ist klar, dass wir einige 100 000 Franken zu viel bezahlen. Aber: Die Ortsbürger – mit einem Ertragsüberschuss von über einer Million Franken im Jahr – können sich das leisten. Und da ist der emotionale Wert des Gasthofs.

Der wäre?

Im Dorf gibt es mit dem «Raurica» und der «Sonne» hervorragende Restaurants, in der Liebrüti mit dem «Brüderli» auch. Aber eine Dorfwirtschaft, die am Wochenende offen hat, mit einem klassischen Stammtisch und Sälen für Veranstaltungen und Vereine – das fehlt.

Der Preis dafür ist mit 2,2 Millionen Franken allein für den Kauf aber hoch. Wäre ein Abriss und Neubau nicht lohnender?

Das kommt nicht infrage. Allein schon wegen des Dorfbildes, das massgeblich vom «Adler» mitgeprägt wird. Wir versuchen, die Ortsbürger über diese emotionale Schiene abzuholen. Ausserdem: Wir gehen davon aus, dass die Unterhaltskosten durch die Pacht gedeckt werden.

Das Beratungsunternehmen Gastroconsult warnt allerdings, dass es schwierig wird, überhaupt einen Wirt zu finden.

Die Fachpersonen haben aber auch gesagt, dass es gute Wirte auf dem Markt gibt. Wir müssen ihnen einfach ideale Bedingungen bieten. Ich bin überzeugt, dass wir das mit dem «Adler» können.

Dann ist sicher, dass die Ortsbürgergemeinde im Falle eines Kaufs als Verpächterin auftritt?

Nein, das genaue Konzept würde ausgearbeitet, wenn der Kauf genehmigt ist. Denkbar wäre auch, den Gasthof im Baurecht abzugeben. Um das Konzept zu erstellen, würde eine Arbeitsgruppe geschaffen.