Fricktal
Die Gemeinde Stein sucht Wirt für neue Dorfbeiz im Rheinfels-Park

Im Rheinfels-Park wird derzeit neben 17 Alterswohnungen ein Restaurant mit zehn Doppelzimmern gebaut. Die Gemeinde Stein hat nun die Suche nach einem Pächter für das neue Dorfrestaurant im Rheinfels-Park gestartet.

Thomas Wehrli
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Baustelle Gastronomie: In Stein gibt es heute nur wenige Restaurants. Ab 2016 kommt ein neues hinzu – das gemeindeeigene Restaurant im Rheinfels-Park (rechts).twe

Baustelle Gastronomie: In Stein gibt es heute nur wenige Restaurants. Ab 2016 kommt ein neues hinzu – das gemeindeeigene Restaurant im Rheinfels-Park (rechts).twe

Thomas Wehrli

Daniel Bumann, 2-Sterne-Koch aus La Punt GR und Teilzeit-Restaurantretter, trichtert es seinen erfolglosen Gastronomie-Kollegen wöchentlich via TV-Sender 3 Plus ein: Wer ein Restaurant erfolgreich führen will, braucht Profession, viel Herzblut, noch mehr Engagement – und vor allem eine geniale Geschäftsidee, am besten: ein Alleinstellungsmerkmal.

Bumann, der polternde Restauranttester («Jetzt isch fertig mit Luschtig!»), verordnet den unter grassierender Gästeschwindsucht leidenden Gastronomen in seinen Sendungen Sanierungskonzept um Sanierungskonzept – oft mit bescheidenem Erfolg.

Ein angeschlagenes Restaurant zu retten, so die Bilanz nach 35 Folgen der Bumannschen Version von Don Quijote, ist schwer. Einen neuen Gastronomiebetrieb auf dem Papier von null auf zu planen – verwegen scheint, wer solches im Schilde führt; erst recht, wenn der Betrieb direkt an der Grenze zu Deutschland liegt.

Die Gemeinde Stein wagt es. Im Rheinfels-Park wird derzeit neben 17 Alterswohnungen ein Restaurant mit zehn Doppelzimmern gebaut. Dieses will die Gemeinde per 1. Januar 2016 verpachten. Über Details zu den Konditionen und zum gewünschten Betriebskonzept gab sich die Gemeinde bislang wortkarg.

Abgestufter Pachtzins

Nun schafft die Dokumentation für die Pachtinteressenten Klarheit: Das Restaurant, das über zwei abtrennbare Bereiche mit 32 und 38 Sitzplätzen verfügt, wird auf fünf Jahre verpachtet – mit der Option auf weitere fünf Jahre. Der Pachtzins für das Restaurant samt Gästetrakt ist fix und beträgt im ersten Jahr 60 000 Franken, im zweiten 90 000 und im dritten 120 000 Franken. 50 000 Franken muss der künftige Pächter als Sicherheit hinterlegen.

Auch in Sachen Betriebskonzept hat die Gemeinde eine Präferenz: eine (gutbürgerliche) Dorfwirtschaft. «Die klassische ‹Beiz› erlebt in der Schweiz eine ‹Renaissance› – teilweise modern interpretiert», schreibt Jürg Landert in der Dokumentation.

Der Gastroprofi aus Zürich hat den Standort für die Gemeinde eingehend analysiert und kommt zum Schluss: Er hat Potenzial. Insbesondere, wenn er als «Dorfwirtschaft» geführt wird, weil dieses Konzept «bei Anwohnern jeder Altersklasse, Geschäftsreisenden sowie Handwerkern gleichermassen beliebt ist», weil das Restaurant so zum Treffpunkt für Einwohner und Durchreisende werden kann. Es seien aber auch andere Konzepte denkbar, etwa eine französisch inspirierte Brasserie oder ein «liebevoll eingerichtetes mediterranes Restaurant» – immer jedoch rauchfrei und mit einem «qualitativ guten Angebot zu fairen Preisen».

Die Gemeinde lässt damit vieles offen. Klar formuliert sie hingegen, was sie nicht will: ein Fondue- oder Raclette-Stübli, «starke ethnische Konzepte» aus dem Nahen, Mittleren oder Fernen Osten, Club- und Nachtlokale – oder eine Pizzeria. Von denen gibt es zum einen in der Region bereits etliche, zum anderen locken deutsche Anbieter mit Billigpreisen.

Klare Positionierung nötig

«Erfreulich», so hält Landert fest, sei da der Umstand, «dass Pizzakuriere und weitere Delivery-Anbieter aus Bad Säckingen aufgrund der Verzollungsregeln nicht (mehr) in die Schweiz ausliefern können.» Dass aber gerade die Gaststätten auf der deutschen Rheinseite mit ihren deutlich niedrigeren Preisen und ihrem «verlockenden Angebot an Mittagsmenüs in beachtlichen Portionengrössen» eine der grossen Herausforderungen für ein Restaurant in Stein sind, hält auch Landert fest.

Damit das neue Restaurant mit «Sicht auf den wunderschönen Rhein» funktioniert, da stimmt Landert mit Bumann überein, «braucht es einen klar positionierten Betrieb, der mit viel Persönlichkeit und Authentizität geführt wird». Der Betrieb müsse sich von seinen Mitbewerbern abheben «und idealerweise einige Alleinstellungsmerkmale aufweisen».

Ansprechen soll das Restaurant Einwohner, Schüler, Handwerker, Touristen und Bewohner der Alterswohnungen gleichermassen. Umsatz versprechen zudem die rund 2500 Personen, die in Stein arbeiten; 2000 davon bei Novartis. Die Vereine und die beiden Kirchen in unmittelbarerer Nähe bergen ebenfalls Kundenpotenzial – Letztere für Hochzeitsfeste, Tauf- und Traueressen. Hierzu kann auch der Begegnungsraum im Nebengebäude gastronomisch bespielt werden. Die Nähe zu gleich drei internationalen Chemiekonzernen – Novartis, Syngenta und DSM – wird laut Landert mithelfen, die Hotelzimmer unter der Woche auszulasten. Ein volles Haus versprechen zudem die grossen Messen in Basel wie die Uhren- und Schmuckmesse; hierauf gelte es mit einer «flexiblen Preisgestaltung» zu reagieren.

Reagieren sollen nun vorerst die Pachtinteressenten. Bis zum 20. Mai können sie ihr Konzept samt Umsatzzielgrösse einreichen. Die Vertragsverhandlungen will die Gemeinde bis Ende Juni geführt haben.

Doch wie sieht er eigentlich aus, der Idealpächter? Kompetent, so ist in der Dokumentation nachzulesen, sympathisch, engagiert, mit fundierter Erfahrung in der ländlichen Gastronomie, mit Herzblut und Passion bei der Sache. Kenntnisse über die Region und «das nötige Feingefühl respektive Geschick im Umgang mit lokalen Herausforderungen» sind zudem von «grossem Vorteil».