Quizfrage: Was macht eine Gemeinde, wenn sie wächst, es ihr finanziell blendend geht und sie noch Bauland hat? Ganz einfach: Sie kauft einen Teil des noch vorhandenen Baulandes, um die künftige Dorfentwicklung und damit die Art des Wachstums selber steuern zu können.

So zumindest will es Sisseln machen. Die Gemeinde ist seit der Jahrtausendwende um 322 auf 1604 Einwohner (Stand Juni) gewachsen. Das entspricht einem Wachstum von 25 Prozent. Das verwundert nicht, denn Sisseln ist mit einem Steuerfuss von 80 Prozent die Steueroase im Fricktal; nur gerade Kaiseraugst hat mit 81 Prozent einen ähnlich tiefen Steuerfuss.

Entsprechend sind hier auch Wohnobjekte und Bauland begehrt. Auf der Immobilienplattform Homegate tauchen aktuell gerade einmal zehn Mietobjekte (Wohnungen) und acht Kaufobjekte auf. Das günstigste Objekt, eine 5,5-Zimmer-Wohnung ist für 532'000 Franken zu haben, das teuerste, ein 6,5-Zimmer-Einfamilienhaus, für knapp 1,1 Millionen Franken. Bauland ist auf Homegate aktuell gar keines zu haben.

Finanzierung über Eigenmittel

Bald aber soll es neues Bauland geben – und da will die Gemeinde mitbestimmen, was darauf gebaut wird. An der nächsten Gemeindeversammlung beantragt der Gemeinderat einen Kredit über 1,3 Millionen Franken, um 3574 Quadratmeter noch nicht erschlossenes Bauland zu kaufen. Das macht 370 Franken pro Quadratmeter, für Sisseln auch unerschlossen ein Schnäppchen – oder wie es der Gemeinderat in der Botschaft an die Stimmberechtigten formuliert: Dieser Preis liege «auch mit Berücksichtigung der Erschliessungskosten deutlich unter den derzeitigen Baulandpreisen».

Finanzieren kann die Gemeinde den Kauf, wenig verwunderlich, «aus den Eigenmitteln», wie Schaub sagt. Es gehe dem Gemeinderat nicht darum, mit dem Bauland Geld zu verdienen, sagt Gemeindeammann Rainer Schaub auf Anfrage der AZ. «Das ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde.» Man werde das Bauland selbstredend nicht unter den Gestehehungskosten verkaufen und wohl auch einen kleinen Gewinn erzielen. «Uns geht es aber primär darum, dass wir uns mit eigenem Land strategisch positionieren können.»

Das besagte Bauland, das derzeit der Energiedienst Holding AG gehört und für das die Gemeinde noch bis Ende Jahr ein Vorkaufsrecht hat, liegt nämlich mitten in der nächsten Erschliessungsetappe der Gemeinde. Diese soll laut Schaub in ein bis drei Jahren erschlossen werden. Das Land liegt in der Wohnzone W2, in der Ein-, Zwei-, Drei und Reiheneinfamilienhäuser sowie kleinere Mehrfamilienhäuser realisiert werden können.

Genau dieses «Jekami» will der Gemeinderat mit dem Landkauf nun verhindern. «Wenn das Land an eine Immobilienfirma geht, ist das Risiko gross, dass es verdichtet überbaut wird», sagt Schaub. Sprich: Dann soll das Land möglichst viel Rendite bringen und es werden auf dem Grundstück Mehrfamilienhäuser gebaut. «Mehrfamilienhäuser sehen wir in diesem Gebiet aber nicht», sagt Schaub. Es gelte mit dem Landkauf die Chance zu nutzen, die Art der Bebauung mitzubestimmen, oder wie es in der Botschaft heisst: «Als Eigentümerin kann die Einwohnergemeinde sowohl der Situation angepasste Parzellengrössen wie auch passende Käufer/Projekte bestimmen.»

Ideal für Familien

Der Gemeinderat sieht dieses Gebiet als ideales Gebiet «für die weitere Ansiedlung von jungen Familien, Paaren, Senioren, Arbeitnehmern aus der Region», wie er in der Botschaft schreibt. Man stelle sich eine Bebauung mit Einfamilienhäusern oder maximal Doppeleinfamilienhäusern vor, sagt Schaub. Gleichzeitig lege man auch Wert darauf, dass das Gebiet «landschonend» bebaut werde. Darunter versteht der Gemeindeammann Parzellengrössen von vier bis sechs Aren. Diese seien für Familien auch noch bezahlbar. Der Gemeinderat sucht also den Mittelweg zwischen einer allzu verdichteten und zu lockeren Bebauung.