Magden
Die Gemeinde drosselt das Wachstum und zont drei Hektaren nicht ein

Die Stimmberechtigten lehnten an der Gemeindeversammlung die Einzonung von drei Hektaren Bauland in der Bunn. Sie wollen auch nicht, dass auf dem Areal der christkatholischen Kirche Wohnungen gebaut werden.

Thomas Wehrli
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Die Stimmberechtigten wiesen die Umzonung im Areal der christkatholischen Kirche zurück; auf rund einem Drittel der freien Fläche wollte die Kirchgemeinde Wohnungen bauen. Archivnbo

Die Stimmberechtigten wiesen die Umzonung im Areal der christkatholischen Kirche zurück; auf rund einem Drittel der freien Fläche wollte die Kirchgemeinde Wohnungen bauen. Archivnbo

Dennis Kalt

Das Wachstum dominierte die Gemeindeversammlung in Magden – und dies gleich im doppelten Sinn: Schnell wachsend war die Schlange, die sich kurz vor 20 Uhr vor dem Gemeindesaal bildete. 544 Stimmberechtigte nahmen schliesslich an der Versammlung teil. Das sind knapp 21 Prozent der Stimmberechtigten. Oder kurz: eine Rekordteilnahme.

Sie kamen vorab wegen eines Themas: der künftigen Entwicklung der Gemeinde. Mit der in weiten Teilen unbestrittenen Revision der Nutzungsplanung stellte sich nämlich eine Grundsatzfrage: Wie soll Magden wachsen, mit oder ohne zusätzliche Wohnzonen? Und: Was heisst ein «moderates Wachstum», für das sowohl die Befürworter wie die Gegner der Einzonung von drei Hektaren Bauland in der Bünn einstanden?

Für Regula Bachmann braucht es dazu die Bünn nicht. Die CVP-Grossrätin setzt stattdessen auf die innere Verdichtung und stellte im Namen des Komitees «4312» einen Rückweisungsantrag zur Einzonung Bünn. «Mit der inneren Verdichtung können wir wachsen», ist Bachmann überzeugt. «Wir klemmen die Entwicklung nicht ab, sondern lenken sie in ruhigere Bahnen.» Zumal: Die Bünn sei im Richtplan des Kantons aufgeführt; man könne also die Situation in 15 Jahren neu beurteilen und dannzumal entscheiden, ob man die Bünn nun einzonen wolle.

Gemeindeammann Brunette Luscher glaubt nicht, dass für eine gesunde Entwicklung die innere Verdichtung allein reicht, zumal: «Wir haben zwar zwei bis drei Hektaren verfügbares Bauland in der Gemeinde.» Doch dieses werde nicht freigeben, häufig mit dem Argument: «Ich behalte das Bauland für meine Kinder.» Lüscher rechnete vor, dass Magden selbst mit der Bünn, die Platz für rund 300 Personen bietet, bis 2040 nur um durchschnittlich 22 Personen pro Jahr wachsen werde. Diese Berechnung stellte ein Teilnehmer infrage. «Die Bünn wird innert weniger Jahre überbaut und somit wächst Magden um 300 Personen aufs Mal.»

Keine Wohnzone im Pfrundgut

Ohne Bünn, so warnte ein Einwohner, werden die Bauland- und Mietpreise in Magden noch mehr steigen. Gerade für Junge sei es dann nicht mehr möglich, in Magden zu bleiben. Die Mehrheit teilte diese Befürchtungen nicht und wies die Einzonung Bünn mit 279 Stimmen zurück. Der Gemeinderat muss diesen Teil der Nutzungsplanung nochmals vorlegen.

Über die Bücher muss der Gemeinderat ebenfalls beim Pfrundgut nochmals; auch hier stellte Bachmann einen Rückweisungsantrag, auch hier mit Erfolg: 301 Stimmberechtigte wollen nicht, dass ein Teil des Areals der christkatholischen Kirche ins Wohngebiet umgezont wird; die Kirchgemeinde wollte hier Mietwohnungen erstellen. Sie teilten die Ansicht von Bachmann, dass die Kirche Freiraum brauche, um wirken zu können. «Wir wollen, dass das unbebaute Areal als Freifläche für zukünftige Generationen erhalten bleibt.»

Kirchenpflegepräsidentin Manuela Petraglio machte vergeblich darauf aufmerksam, dass das Areal keine Grünzone sei und nur grün sei, «weil wir nicht gebaut haben». In der Tat gehört das gesamte Areal der Zone für öffentliche Bauten an. Theoretisch könnte die Kirchgemeinde, der das Land gehört, hier also ein Altersheim errichten. Daran habe man kein Interesse, betonte Petraglio, doch ungenutzt lassen könne man das Land aus finanziellen Gründen nicht. «Wir pflegen das Ensemble mit Herzblut. Dafür brauchen wir aber auch die nötigen finanziellen Mittel.»

Kirchengutsverwalter Karl Spaar rechnete vor, dass die Kirchgemeinde in den letzten Jahren 1,73 Millionen Franken in den Unterhalt des denkmalgeschützten Ensembles gesteckt habe. Man brauche die zusätzlichen Einnahmen, die man aus der Vermietung der geplanten Wohnungen erziele. Er mahnte, dass es sonst für die Kirchgemeinde schwierig werde, das Ensemble zu unterhalten.

Auch das Argument von Petraglio, dass man ja nur 4500 Quadratmeter überbaue und fast zwei Drittel für immer grün bleiben (ein Teil des Areals wäre in die Freihaltezone gekommen; das Wohngebiet hätte höchstens zu 50 Prozent überbaut werden können), fruchtete wenig. Die Überzeugung überwog: «Das Kirchenensemble darf nicht angetastet werden.»

Mit dem Rückweisungsantrag einher geht der Auftrag an den Gemeinderat, zu prüfen, den unbebauten Teil des Pfrundguts der Grünzone zuzuweisen. Brunette Lüscher machte klar: «Eine allfällige Umzonung wird die Gemeinde einiges kosten.» Denn gratis wird die Kirchengemeinde das Areal nicht abgeben. Dies bestätigte Petraglio und machte darauf aufmerksam: «Eines der wichtigsten Grundrechte ist das Eigentumsrecht.». Affaire à suivre.

In der Schlussabstimmung genehmigten die 544 anwesenden Stimmberechtigten den Rest der revidierten Nutzungsplanung dann klar. Zugestimmt haben die Magdener auch alle weiteren Traktanden.