Familie Lindenblatt hat genug vom Aarauer Nebel. Auf der Suche nach einem neuen Wohnort kommt da natürlich nur eine Region infrage: das sonnige Fricktal. Die vierköpfige Familie – Vater, Mutter, 12-jähriger Sohn, 15-jährige Tochter – schaut sich viele Mietwohnungen an. Zur Entscheidungsfindung zieht sie auch die Steuerbelastung heran. Vater Sebastian, ein Excel-Spezialist, stellt dabei fest: «Das variiert ja wirklich stark.»

In der Tat: Bei Familie Lindenblatt macht der Unterschied im nächsten Jahr bis zu 1627 Franken aus, wie eine Berechnung der AZ für alle Fricktaler Gemeinden zeigt. Grundlage der Berechnung ist der Hausstand von Familie Lindenblatt. Vater Sebastian ist 42, arbeitet Vollzeit in der Chemie, verdient netto 6500 Franken pro Monat, hat einen 13. Monatslohn, arbeitet auswärts (künftig in Basel) und geht mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit. Mutter Theresa ist 39, arbeitet Teilzeit auf dem Büro, verdient netto 2000 Franken pro Monat und will sich eine neue Stelle im oder nahe beim neuen Wohnort suchen. Eine dritte Säule hat die Familie nicht. Vermögen? «Schön wärs!», sagt Lindenblatt. Damit kommt die Familie auf ein steuerbares Einkommen von 84 000 Franken pro Jahr.

In der günstigsten Gemeinde, Kaiseraugst, zahlt Familie Lindenblatt im nächsten Jahr 7133 Franken Gemeinde- und Kantonssteuern. Kaiseraugst hat den Steuerfussabtausch von drei Prozentpunkten mit dem Kanton wie 17 weitere Gemeinden im Fricktal weitergegeben und den Steuerfuss auf das nächste Jahr hin auf 81 Prozent gesenkt. Die Gesamtsteuerbelastung bleibt somit gleich wie in diesem Jahr.

In den drei teuersten Gemeinden mit einem Maximalsteuerfuss von 125 Prozent – Oberhof, Ueken und Wölflinswil – zahlt Familie Lindenblatt dagegen 8760 Franken Gemeinde- und Kantonssteuern, also 1627 Franken mehr als in Kaiseraugst. Allerdings, dies hat Vater Sebastian ebenfalls in seiner Excel-Tabelle festgehalten, sind in Kaiseraugst die Mietpreise für Wohnungen auch deutlich höher als etwa in Wölflinswil.

Höhere Steuern in 13 Gemeinden

In insgesamt 13 Gemeinden steigt die Steuerbelastung im nächsten Jahr. Am happigsten ist der Unterschied in Oberhof; hier würde Familie Lindenblatt in diesem Jahr 8464 Franken Kantons- und Gemeindesteuern bezahlen. 2018 stehen 8760 Franken auf der Steuerrechnung. Das entspricht einem Plus von 296 Franken oder 3,5 Prozent. Das Plus kommt zustande, indem die Gemeinde ihren Steuerfuss um 5 auf 125 Prozent erhöht und damit gleichzeitig den Steuerfussabtausch von drei Prozentpunkten nicht weitergibt. Insgesamt steigt der Steuerfuss also um acht Prozentpunkte.

Günstiger als in diesem Jahr kommt Familie Lindenblatt nur in einer Gemeinde weg: in Rheinfelden. Die Stadt senkt den Steuerfuss um 5 Prozentpunkte, was nach Abzug des Steuerfussabtausches einer effektiven Steuerfusssenkung von zwei Prozentpunkten entspricht. In Zahlen: Stehen in diesem Jahr 7725 Franken auf der Steuerrechnung, sind es im nächsten 7651 Franken.

Ob so vielen Zahlen auf dem Blatt wird es Sebastian Lindenblatt dann doch etwas schwummrig im Kopf. Er, ein passionierter Jasser, legt es beiseite und denkt: Wo auch immer: Mit dem Fricktal hat man stets ein gutes Blatt in der Hand.