Dass Museumskuratorin Cornelia Ackermann persönlich durch die Ausstellungsräume führte, war sicher ein Motiv, dem Rehmann-Museum einen Besuch abzustatten, ehe die Exponate nach viereinhalb Monaten Ausstellung abgebaut und in die Ateliers der Künstler zurückkehren.

Die Figuren des im deutschen Kandern lebenden Jürgen Brodwolf seien ihrem Wesen nach zurückhaltend und ohne grossen Ausdruck, sagte Ackermann. Es sind Figuren aus Pappe geformt, umwickelt mit Gaze, bearbeitet mit Kreideschlämme, Farbpigmenten und sogar Kaffeesatz.

Als ziemliches Gegenstück dazu wertete Cornelia Ackermann die Arbeiten von Hans Josephsohn. Zeigten dessen frühe Plastiken eher flache wenig voluminöse Formen, sei der Wandel zum späteren Werk augenfällig – als markant, figürlich und dreidimensional.

Ackermann wies die Besucher besonders auf die raue und rissige Oberfläche der Kunst Josephsohns hin.

Schang Hutter an der Finissage

Zwei der fünf in der Ausstellung versammelten Künstler waren bei der gestrigen Finissage anwesend: Hausherr Erwin Rehmann (92) und der in Genua und bei Solothurn lebende Schang Hutter (79).

Beide liessen die Besucher durch persönliche Ansprachen am eigenen Schaffensprozess teilhaben und zeigten die Hintergründe der Entstehung ihrer Kunst auf.

Bei Rehmann war dies der Wandel vom Figürlichen zum Abstrakten, von Individuen zeigenden Porträtköpfen zu Arbeiten, denen man die menschliche Anatomie nur noch schematisch entnehmen kann.

Hutter, dessen Besuch Cornelia Ackermann als überraschend begrüsste, erklärte die Entstehungsgeschichte einer von ihm in den 1950er-Jahren geschaffenen Figurengruppe im Obergeschoss des Rehmann-Museums.

«Ich habe 1954 in München von den Verbrechen der Nazis erfahren und konnte mit diesem Wissen nicht mehr so weiterarbeiten wie zuvor», sagte der Künstler. So zeige die Figurengruppe Menschen in Bedrängnis – augenfällig in den dünnen Gliedmassen und zurückweichend vor einer unsichtbaren grossen Kraft.

«Silbertraum» und «Schwereleicht»

Die junge Künstlerin Lara Russi hatte die Ausstellung «Mensch.Figur!» mit Arbeiten bereichert, die in den beiden Schaufenstern im Eingangsbereich des Rehmann-Museums zu sehen waren – mit «Silbertraum» und «Schwereleicht».

Russi führte gestern auch Regie bei der die Finissage begleitenden Perfomance. Diese spielte gekonnt mit den Erwartungen von Museumsbesuchern an eine Skulpturen-Ausstellung. Drei von ihr mit Verhaltensregeln versehene Performer (Steffi Weismann, Mechthild Hov und Heiner Hofmann) mischten sich zunächst unerkannt ins Publikum.

Bis sie dann aber auffielen. Weil sie entweder durch den Raum tanzten, lautstark ein- und ausatmeten oder die Museumsbesucher in ihrem Verhalten imitierten: situationsbezogen, improvisiert und unkonventionell – und das kam im Rehmann-Museum gut an.