Es werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, findet der Verteidiger. Der Beschuldigte würde es nur durch eine Gefängnisstrafe lernen, meint hingegen die Staatsanwältin. Der Angeklagte Beat K.* selber bleibt während seiner Verhandlung vor dem Bezirksgericht Rheinfelden jedoch eher ruhig, äussert sich auf konkrete Fragen nur mit knappen Antworten. Ihm wird das mehrfache Herstellen, Anbieten, Zugänglichmachen, Überlassen, Beschaffen und der Besitz verbotener Pornografie vorgeworfen.

Konkret: Beat K. soll Tier- und Kinderpornografie heruntergeladen, gespeichert und wieder ins Netz hochgeladen haben. Insgesamt konnten auf mehreren Harddisks des Beschuldigten 10 Bilder mit Kinderpornografie, 18 Filme mit Kinderpornografie und ein Film mit Tierpornografie sichergestellt werden. Beschafft wurden diese durch das Programm «eMule», ein sogenanntes Peer-to-Peer-Netzwerk. Durch das Downloaden bei solchen Netzwerken werden die Dateien nicht nur auf dem Computer gespeichert, sondern sogleich wieder auf die Plattform hochgeladen und weiterverbreitet. Dadurch soll Beat die Pornofilme und -bilder auch zugänglich gemacht und angeboten haben.

War es Absicht?

Doch ganz so simpel, wie die Anklageschrift die Situation wirken lässt, ist sie nicht – jedenfalls, wenn es nach Beat und dessen Verteidiger geht. Denn, so erklärt Beat knapp, er habe die Filme und Bilder gar nicht absichtlich heruntergeladen und somit auch nicht absichtlich weiterverbreitet. Über «eMule» beschaffe er diverse Medien, so beispielsweise Fernsehserien, Musik oder Filme – und auch Pornofilme. «Bei diesem Programm lädt man nicht einzelne Pornos runter, da sind pro Download immer gleich 200–300 Filme dabei», erklärt Beat. Auch stecke hinter einer solchen Datei nicht immer das, was versprochen wird: «Auf die Dateinamen kann man sich nicht immer verlassen.» So könne es gut sein, dass sich unter den mehreren hundert heruntergeladenen Dateien auch mal ein falsch beschrifteter Kinderpornofilm verstecke.

«Ich habe nie nach Kinder- oder Tierpornos gesucht, darauf stehe ich einfach nicht», betont Beat. Auch habe er die Dateien sofort gelöscht, wenn er gemerkt habe, dass es sich um verbotene Pornografie handelt.

Nicht nur deswegen fordert Beats Verteidiger einen Freispruch. Als weiteren Grund nennt er in seinem Plädoyer die geringe Anzahl an Dateien, die gefunden wurden. Von den insgesamt 29 Bildern und Filmen sollen auch viele nicht zur verbotenen Pornografie gehören, sondern Frauen zeigen, die bereits aus dem Schutzalter sind.

Schuldspruch für Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft jedoch will für Beat eine unbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr. Denn der 56-jährige Aargauer hat nicht zum ersten Mal verbotene Pornografie auf diese Weise heruntergeladen. Bereits vor einigen Jahren wurde er deswegen verurteilt. Auch hätte Beat durch seine Computerkenntnisse wissen müssen, dass beim Download auch verbotene Pornografie dabei sein kann. Er habe es unterlassen, sich davor zu schützen, und sei das Risiko eingegangen – deshalb sei nun eine Freiheitsstrafe notwendig, wie Staatsanwältin Simone Stöckli in ihrem Plädoyer sagt.

Gegen das Urteil – eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren sowie eine Busse von 1000 Franken – hat die Staatsanwaltschaft Berufung angemeldet und eine Begründung verlangt.

* Name von der Redaktion geändert.