Kaiseraugst

Die «Fähri» tuckert wieder: Nach verspätetem Saisonstart sticht Kaiseraugster Fähre in den Rhein

Die Fährmänner Max Heller (links) und Hanspeter Meyer freuen sich über den Saisonstart.

Die Fährmänner Max Heller (links) und Hanspeter Meyer freuen sich über den Saisonstart.

Die Kaiseraugster Fähre hat ihren Betrieb wegen der Coronapandemie später als sonst aufgenommen. Rund 6000 Gäste nutzen die «Fähri» in einem normalen Jahr. Ob es nun wieder so viele werden, bleibt fraglich. So finden Sonderfahrten coronabedingt noch nicht statt.

Ein Schwan steht einsam am Ufer des Rheins bei Kaiseraugst, schüttelt den Kopf. Der Regen prasselt aufs Wasser, das Thermometer an der Fassade des Fährhauses zeigt 16 Grad. Max Heller lacht mit einem Blick auf den Schwan. «Heute wird sich sonst wohl niemand hierhin verirren.» Nein, es ist wahrlich kein «Fähri»-Wetter an diesem Nachmittag. Der wegen der Coronapandemie ohnehin schon um mehrere Wochen verspätete Saisonstart der Fähre fällt auch noch ins Wasser.

Anfang Woche hat die Kaiseraugster Fähre den Betrieb wieder aufgenommen. Immerhin: Einzelne Gäste haben sie seither schon genutzt und auch die ersten Saisonabonnements seien verkauft, sagt Heller, Präsident der Fährekommission. Geht es nach ihm, sollen in den kommenden Wochen und Monaten noch so einige Fahrten und verkaufte Abos dazukommen. «Es hängt jetzt halt alles vom Wetter ab», sagt Heller hoffnungsvoll und wohlwissend, dass die Prognosen für die kommenden Tage nicht allzu schlecht aussehen.

Die Fähre hat in Kaiseraugst eine lange Geschichte. Bereits im Mittelalter sollen die Menschen auf Höhe von Kaiseraugst mit Weidlingen übergesetzt haben. Gerade in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war sie – inzwischen eine Motorfähre – eine wichtige Verbindung zwischen Herten auf deutscher Seite und Kaiseraugst. «Jährlich wurden damals 40000 Passagiere hin- und hergefahren», sagt Heller. Die meisten von ihnen waren Grenzgänger, die beispielsweise in der Schweizerhalle arbeiteten.

Rund 6000 Gäste nutzen die Fähre im Jahr

Heute sind es vor allem Velofahrer, Wanderer und Spaziergänger mit Hunden, welche die Fähre nutzen. Rund 6000 Gäste sind es in einem normalen Jahr. Seit 1995 betreibt die Ortsbürgergemeinde Kaiseraugst die Fähri. Sie deckt das jährliche Defizit in der Höhe von gegen 40000 Franken, wobei auch die Stadt Rheinfelden (D) einen Anteil leistet. «Die Fähri hat eine lange Tradition. Sie ist eine Bereicherung des grenzüberschreitenden Freizeitangebots», sagt Heller.

In den Sommermonaten verkehrt sie von Dienstag bis Samstag jeweils am Nachmittag sowie an Sonn- und Feiertagen morgens und nachmittags. Daneben werden mehrere Sonderfahrten für Gruppen angeboten, beispielsweise die «Fonduefahrt» oder die «Barbecuefahrt» mit kleinen, mobilen Grills. «Wir werden etwa für Geburtstags-, Hochzeits-, Familien- oder Firmenfeiern gebucht», sagt Hanspeter Meyer, wie Heller langjähriger «Fährimaa».

Bis auf weiteres finden die Sonderfahrten wegen den coronabedingten Einschränkungen allerdings nicht statt. «Wir hoffen, dass wir sie ab Spätsommer wieder durchführen können», sagt Heller. Für die normalen Fahrten gilt ausserdem vorerst eine maximale Personenzahl von 12. Desinfektionsmittel steht bereit und Masken werden auf Nachfrage abgegeben. Heller und Meyer freuen sich trotz diesen Umständen nun einfach, dass ihre «Fähri» wieder fährt. Beide schätzen an ihrem Amt als «Fährimaa» das Draussen-Sein – und die Begegnungen mit den Gästen. Am Titel der legendären Hörspiel-Reihe «Verzell du das em Fährimaa» scheint viel Wahres dran zu sein: «Die Menschen sind auf der Fähri sehr redselig», sagt Meyer jedenfalls mit einem Lachen.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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