Laufenburg

Die ersten 14 Asylbewerber beziehen Notspital – 50 werden folgen

Vor der Gops ist ein kleiner Aussenbereich für die Asylsuchenden eingerichtet. Der Zugang erfolgt von der Winterthurerstrasse her über eine provisorische Treppe.

Vor der Gops ist ein kleiner Aussenbereich für die Asylsuchenden eingerichtet. Der Zugang erfolgt von der Winterthurerstrasse her über eine provisorische Treppe.

Die angespannte Lage bei der Unterbringung von Asylsuchenden macht im Kanton Aargau die Eröffnung einer dritten Geschützten Operationsstelle (GOPS) notwendig. Im Notspital Laufenburg sind nun 14 junge Männer aus Afghanistan und Eritrea eingezogen.

Die ersten 14 Asylsuchenden – Afghanen und Eritreer im Alter von 18 bis 32 Jahren – sind am Mittwoch in die Geschützte Operationsstelle (Gops) im Spital Laufenburg eingezogen. Der Bezug verlief laut Daniela Diener, stellvertretende Leiterin Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales, «problemlos».

Der Betrieb wird nun sukzessive hochgefahren, die Vollbelegung dürfte in wenigen Wochen erreicht sein. Diese liegt «im Normalfall» bei 65 Personen. Wenn es die Situation im Kanton erfordert, können indes bis zu 85 Asylsuchende in der Gops einquartiert werden.

«Eine dauerhafte Belegung mit 85 Personen würde nur ausnahmsweise erfolgen – abgesehen davon, dass es sich bei den Gops um temporäre Unterkünfte handelt», so Diener. Bereits in Betrieb sind die Gops in Baden und Muri mit zusammen gut 260 Plätzen; die Gops in Aarau wird voraussichtlich im Dezember zur temporären Asylunterkunft.

Dass es bei der temporären Nutzung bleibt, das erwartet auch Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg. Er rechnet damit, dass die Gops «nicht länger als ein Jahr» als Asylunterkunft in Betrieb sein wird. Er weiss aber auch: Prognosen im Asylbereich sind schwierig bis unmöglich.

Rund um die Uhr betreut

Froh ist Weiss, dass der Kanton zusammen mit der Gemeinde, dem Alterszentrum und dem Spital ein gutes Sicherheitskonzept aufgestellt hat. So wurden die Schulanlage, das Spital und das Alterszentrum als sensible Zonen ausgeschieden, zu denen die Asylsuchenden keinen Zutritt haben. Zudem werden die Asylsuchenden rund um die Uhr von rund einem Dutzend Mitarbeiter der Firma ORS Service AG betreut.

«Ich bin zuversichtlich, dass die Massnahmen ausreichen, um die Sicherheit zu gewährleisten», sagt Weiss, verhehlt aber auch nicht: «Ob das Zusammenleben ganz reibungslos funktioniert, hängt stark von den Asylsuchenden ab, die nach Laufenburg kommen.»

«Es ist wichtig, dass wir einander ohne Ängste begegnen», Heinz Stucki, Leiter Alterszentrum Klostermatte, und seine Bewohner sind Nachbarn der Flüchtlinge.

«Es ist wichtig, dass wir einander ohne Ängste begegnen», Heinz Stucki, Leiter Alterszentrum Klostermatte, und seine Bewohner sind Nachbarn der Flüchtlinge.

Auch für Heinz Stucki, Leiter des angrenzenden Alterszentrums Klostermatte, ist das Neben- und Miteinander gut aufgegleist. Er hofft, dass daraus ein positives Zusammenleben entsteht. Die meisten Altersheimbewohner reagierten auf die Nachricht, dass nebenan Asylsuchende einziehen, typisch schweizerisch: abwarten und schauen. Einige wenige hätten aber auch klar gesagt: «Wir haben Angst.»

Eine gewisse Verunsicherung spürt Stucki zudem beim Personal, da die meisten Schichten beginnen und enden, wenn es noch oder schon wieder dunkel ist. Für Stucki ist deshalb zentral: «Eines darf nicht passieren: Dass sich unsere Bewohner nicht mehr aus dem Haus trauen und dass die Mitarbeiter mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit kommen.» Hier werde man ein Auge darauf halten und gegebenenfalls beim Kanton intervenieren.

Eine gute Sache finden Weiss wie Stucki, dass der Kanton einen Teil des ehemaligen «Schützen» angemietet hat. Hier wird die IG Asyl, ein Helferkreis, der sich in Laufenburg formiert hat, ihre Begegnungs- und Integrationsanlässe durchführen.

Zudem findet in den Räumen der Deutschunterricht statt. Diener schätzt den Einsatz der IG Asyl hoch ein. Freiwilligeneinsätze seien von grossem Wert. «Sie schaffen Kontakte, Innen- und Aussenwirkung und tragen dazu bei, dass die Asylsuchenden erstens beschäftigt sind und zweitens Grundlegendes über unsere Gesellschaft, Kultur und Sprache erfahren.»

Gemeinnützige Einsätze möglich

Die Räume im «Schützen» können die Asylsuchenden, die in der Gops untergebracht sind, ebenso nutzen wie jene, die in der Hinteren Bahnhofstrasse wohnen. Diese Asylunterkunft ging im September in Betrieb und ist aktuell mit 30 Personen belegt. «Der Betrieb läuft gut», so Diener, «die Rückmeldungen sind positiv.»

Weiss ist froh, dass der Kanton den «Schützen» angemietet hat. «Das trägt wesentlich zur Entspannung der räumlichen Situation bei.» Denn vor der Gops, die gänzlich im Untergrund liegt, gibt es für die Asylsuchenden nur eine kleine Aufenthaltszone im Freien.

Arbeiten dürfen die Asylsuchenden zwar nicht. Möglich sind aber gemeinnützige Einsätze. Die Asylbewerber erhalten für Einsätze, «die keine Konkurrenz zum Arbeitsmarkt darstellen» (Diener), eine «Motivationsentschädigung von sieben Franken pro Tag». Der Stadtrat wird gemäss Weiss prüfen, ob und wie Asylsuchende gemeinnützige Einsätze zugunsten der Stadt leisten können.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1