Zuzgen
Die Erst- bis Drittklässler finden den Mathe-Unterricht cool

Seit 14 Wochen wird an der Schule Zuzgen die neue Mathe-Lernform angewandt. Es ist die einzige Schule im Aargau, die nach der Methode des «Marchtaler Plans» das Fach Mathematik so anbietet. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass es gut ankommt

Ingrid Arndt
Merken
Drucken
Teilen
Eltern diskutieren nach dem Vortrag mit Jascha Schneider, Walter Baumann und Barbara Steiner.

Eltern diskutieren nach dem Vortrag mit Jascha Schneider, Walter Baumann und Barbara Steiner.

Ingrid Arndt

Die Schule in Zuzgen geht neue Wege. Als erste und im Moment einzige Schule im Aargau erlernen 16 Schülerinnen und Schüler der 1. bis 3. Klasse das Fach Mathematik seit Sommer nach der Methode des «Marchtaler Plans». Der natürliche Drang eines jeden Kindes von Geburt an nach Entdeckung wird hier intensiv gefördert. Im Rahmen des vorgegebenen Lernziels bestimmen die Kinder selbst ihr Thema, befassen sich damit in ihrem Tempo. Die Lehrperson geht auf jedes Kind einzeln ein, fordert diejenigen, die schnell «vorwärts stürmen» und fördert die anderen, die mehr Zeit und Hilfe benötigen. So können die Mädchen und Jungen besser auf künftigen Anforderungen einer veränderten Gesellschaft wie hohe Selbstständigkeit vorbereitet werden.

Erste Erfahrungen

Nach 14 Wochen wurde den Eltern der 16 Kinder, die an dem Projekt teilnehmen, erste Erfahrungen in Form einer Podiumsdiskussion mitgeteilt. Eingeladen dazu war auch der stellvertretende Leiter der katholischen, privaten Ganztagsschule St. Martin aus Friedrichshafen (Bodensee), der zum Thema aus langjähriger Erfahrung referierte. Die Schule in Zuzgen hat intensive Kontakte dahin. Die Bodenseeschule gehört zu den renommiertesten Schulen weltweit.

Das Lernkonzept für die Sieben- bis Neunjährigen in Zuzgen erstellte die erfahrene Heilpädagogin Babara Steiner mit vielen Mitstreitern, nun wird es mit vier Lehrern umgesetzt. Lebendig sprach Walter Baumann über das individualisierte Lernen und über die Wichtigkeit der freien Stillearbeit. Er ging darauf ein, dass jedem Kind in Geborgenheit absolute Wachsamkeit gegeben werden müsse, stets in Zusammenarbeit mit den Eltern. Ein christliches Menschenbild sei das Fundament, die Würde des Kindes unantastbar. Und es brauche Stillearbeit. Die Mädchen und Jungen arbeiten selbstständig mit einem vorgegebenen Ziel bei freier Zeiteinteilung, freier Materialwahl und freier Wahl eines Partners. Sie stören dabei weder sich selbst noch andere. Sie können sich untereinander helfen, müssen es jedoch nicht. Die Lehrperson ist hier Beobachter, erst bei signalisierten Bedarf ist er auch erklärender Unterstützer. Er muss seine Schüler sehr genau kennen, im engen Kontakt zu ihnen stehen.

Das ist der Weg der Schule in Zuzgen. Die Mehrheit der Kinder ist begeistert, sie arbeiten sehr selbstständig, die Lehrkraft gibt Führung und Struktur, so die erste Einschätzung. Nur wenige haben manchmal etwas Mühe. Durch persönliche Zuwendung wird ihnen dann mit Erfolg geholfen.

Und was sagen die Schülerinnen selbst dazu? Luana aus der dritten Klasse findet diese Art des Lernens absolut «cool». Sie könne so ganz in ihrem eigenen Rhythmus arbeiten, kann wiederholen, wann immer sie will, fühlt sich viel freier, nicht gedrängt, lernt besser, weil sie mehr Ruhe hat. Auch Anja aus der zweiten Klasse kommt so bestens voran, weil sie ihr Tempo allein bestimmt. Nur mit den Lernkontrollen müsse sie sich noch mehr vertraut machen.

In der Podiumsdiskussion mit Schulpflegepräsident Jascha Schneider, Heilpädagogin Babara Steiner und Walter Baumann von der Bodenseeschule war klar zu erkennen, dass die Eltern diesen neuen Weg befürworten. Wissen wollten sie Einzelheiten zur Umsetzung und vor allem die Gewissheit, dass ihre Sprösslinge problemlos den Anschluss zu weiterführenden Schulen finden. Das Projekt wird stetig überprüft und weiterentwickelt versicherten die Verantwortlichen.