Eidgenössisches Schwingfest

«Die Enttäuschung überwiegt im Moment, klar – aber es gilt, die Leistung richtig einzuordnen»

David Schmid (oben) jubelt nach dem Sieg gegen Roman Zurfluh – am Ende reichte es nicht ganz für den Kranz.

David Schmid (oben) jubelt nach dem Sieg gegen Roman Zurfluh – am Ende reichte es nicht ganz für den Kranz.

Der Wittnauer Schwinger David Schmid verpasst am Eidgenössischen Schwingfest den Kranz – zieht aber trotzdem eine gute Saisonbilanz.

Als David Schmid 2016 vom Eidgenössischen Schwingfest nach Hause fuhr, war er voller Glück. In Estavayer hatte der Wittnauer einen Kranz geholt, durfte sich also ab sofort «Eidgenosse» nennen – eine hohe Auszeichnung in der Schwingerwelt. «Als das Resultat offiziell bekannt gegeben wurde, flippte ich komplett aus», erzählte er damals lachend am Telefon. «Es ist einfach eine grenzenlose Freude.»

Nun, drei Jahre später und wieder am Tag nach einem Eidgenössischen Schwingfest, tönt es bei Schmid etwas anders. Vier Siege, vier Gestellte, keine Niederlage – Schmids Fest-Bilanz liest sich eigentlich auch dieses Mal nicht schlecht. Aber: 0,25 Punkte fehlten ihm am Ende, um den Kranz von Estavayer zu bestätigen und damit sein persönliches Ziel für Zug zu erreichen. «Natürlich ärgert man sich, wenn es am Ende so knapp nicht reicht», sagt Schmid ehrlich. Chancen, den Viertelpunkt mehr zu holen, habe er «sicher mehrere» gehabt, ist er überzeugt. «Ein Sieg mehr oder auch nur ein Sieg mehr mit der Bestnote hätten ja gereicht.»

Enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört

Trotzdem ist Schmid mit seiner Leistung nicht unzufrieden. «Die Enttäuschung überwiegt im Moment, klar. Aber es gilt, die Leistung richtig einzuordnen», sagt er. Im fünften Gang gegen Christian Gerber hat er sich eine Verletzung im Schultergelenk zugezogen. Die restlichen Gänge bestritt er entsprechend leicht handicapiert, holte trotzdem noch zwei Siege. «Gerade vor diesem Hintergrund habe ich das Fest eigentlich gut zu Ende gebracht und darf zufrieden sein.»

Die Aussage macht klar: Den Kranz so knapp zu verpassen, nagt zwar am Schwinger – er ist darob aber alles andere als am Boden zerstört. «Es gilt, nach vorne zu schauen und weiter zu trainieren», sagt David Schmid. Das dürften vor allem die Fricktaler Schwingfans und der Wittnauer «SchmidBuebe»-Fanclub gerne hören. Denn das heisst auch: Zumindest in der kommenden Saison wird Schmid weitermachen. Danach möchte er, Stand heute, seine Karriere beenden.

Das letzte Eidgenössische war ein «Riesenerlebnis»

Sicher ist bereits, dass das Fest in Zug für Schmid das letzte Eidgenössische als Aktiver war. Schon vor dem Fest hatte der seit Samstag 29-Jährige das beschlossen und bekannt gegeben. Übers Wochenende versuchte er nun, trotz Wettkampf auch noch einmal zu geniessen. «Es war wieder ein Riesenerlebnis. Vor so einer gewaltigen Kulisse zu schwingen, ist überwältigend», sagt er. Auch der Schlussgang zwischen Christian Stucki und Joel Wicki wird ihm in Erinnerung bleiben. Der entscheidende Schwung habe in der Arena riesige Emotionen ausgelöst. Auch er möge dem neuen Schwingerkönig den Sieg gönnen: «Er ist ein super Typ und ein lieber Mensch.»

Das sind die drei Nordwestschweizer Kranzgewinner:

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Mit Andreas Döbeli, Patrick Räbmatter und Joel Strebel holten sich gleich drei Nordwestschweizer am Eidgenössischen in Zug einen Kranz ab. Die Freude ist gross, genauso die Hoffnung der "Bösen“ beim nächsten Eidgenössischen wieder erfolgreich aufzuschwingen.

Die Enttäuschung über den verpassten Kranz am Eidgenössischen mag derweil die persönliche Saisonbilanz Schmids nicht entscheidend zu trüben. «Die Saison war insgesamt gut», sagt er. Natürlich denkt er dabei auch an das Nordwestschweizerische in seiner Heimat Wittnau. Anfang August konnte er dort vor einem euphorisierten Publikum den Sieg erringen. Als er davon erzählt, ist aus seiner Stimme plötzlich wieder viel Glück herauszuhören. «Diesen Festsieg und das ganze Erlebnis rund um das Fest möchte ich für nichts in der Welt hergeben.»

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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