Der Sommer ist da – zumindest temperaturmässig und zumindest temporär. Fahrzeugtechnisch heisst dies: Es ist wieder Zeit für die Sommerpneus. Der Reifenwechsel bietet immer auch eine gute Gelegenheit, den Winter noch einmal Revue passieren zu lassen (wie viele Bordsteinkanten habe ich touchiert? War ich mit mehr Links- oder Rechtsdrall unterwegs?) und gleichzeitig einen scheuen Blick auf den kommenden Winter – pardon, dass ich den kalten Gesellen jetzt schon erwähne! – zu werfen (Bleibt genügend Profil?).

Gleiches gilt für die Grippesaison. Der Blick zurück zeigt: Es war eine spezielle Grippesaison, denn anders als in früheren Jahren erreichte die Grippewelle gleich zwei Peaks. Ihren ersten Höhepunkt hatte sie in der Woche 2 mit schweizweit 361 Grippeverdachtsfällen pro 100 000 Einwohner. Einen zweiten Peak erreichte sie in der Woche 4 mit 354 Grippeverdachtsfällen pro 100 000 Einwohner.

Insgesamt erstreckte sich die Grippewelle laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) über 15 Wochen. Und, das ist die gute Nachricht: «Die Epidemie ist beendet», schreibt das BAG auf ihrer Homepage. Denn die Zahl der Verdachtsfälle sank vorletzte Woche auf 47 pro 100 000 Einwohner. «Damit ist erstmals seit Woche 51 der saisonale epidemische Schwellenwert von 68 Grippeverdachtsfällen pro 100 000 Einwohner unterschritten», teilt das BAG mit.

Auch im Fricktal hielt die Grippe die Ärzte in den letzten Wochen «durchaus auf Trab», wie Miriam Crespo, Mediensprecherin des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), sagt. Seit Jahresbeginn verzeichnete das GZF, das in Rheinfelden und Laufenburg je ein Spital betreibt, insgesamt 34 bewiesene Grippefälle. Rund zwei Drittel davon wurden in Rheinfelden festgestellt. Effektiv dürften es einige Fälle mehr gewesen sein, denn: «Nicht alle an Grippe erkrankten Menschen werden in unserer Statistik erfasst, denn nicht alle Influenza-Verdachtsfälle werden getestet oder stationär aufgenommen, nur die schwer erkrankten werden hospitalisiert.»

Lungenerkrankungen als Folge

Speziell an der diesjährigen Grippewelle war, dass viele Kinder krank wurden. In Rheinfelden stellte man noch eine zweite Besonderheit fest: «Aus den Grippefällen entwickelten sich teilweise Lungenerkrankungen», sagt Crespo. Dieses Phänomen habe oft ältere Patienten, Kinder oder Schwangere betroffen – aber auch Personen, die bereits eine vorgängige Grippeinfektion hatten und dadurch geschwächt waren.

Erschwerend kam in diesem Grippewinter hinzu, dass die Spezialisten der Weltgesundheitsorganisation WHO teilweise aufs falsche Pferd – sprich: auf die falschen Virenstämme gesetzt hatten. Just der Influenza Typ B Yamagata, der in der Schweiz besonders stark wütete, war nur in der Vierfach-, nicht aber in der häufiger eingesetzten Dreifachimpfung enthalten. Den Entscheid, gegen welche Virenstämme geimpft wird, fällt die WHO jeweils bereits im Februar. «Die Zusammensetzung des Impfstoffes ist ein Konsens-Entscheid von Experten der WHO», sagt Crespo dazu. Grundlage dieses Entscheides seien die Erfahrungen der Vorjahre und die aktuell bekannten Influenza-Virenstämme. «Jedoch kann es natürlich vorkommen, dass sich die Viren im Verlauf der Zeit ändern, was dazu führt, dass der Impfstoff nicht mehr optimal wirkt.» Das GZF erhalte jährlich den Impfstoff, der von der WHO definiert werde.

Bleibt nach dem Blick zurück jener nach vorne – also auf den Zustand der Winterpneus. Hier fällt eine Delle auf, auf welche die Gesundheitsversorger seit Jahren selber hinweisen – und sie nicht beheben können: die Durchimpfrate beim eigenen Pflegepersonal. Das BAG empfiehlt eine Impfung und hat dazu eigens ein elfseitiges Argumentarium herausgegeben. Dieses listet acht Gründe auf, weshalb sich Fachpersonen impfen lassen sollten. Da steht beispielsweise unter Punkt vier: «Mit einer Grippeimpfung schützen Fachpersonen im Gesundheitswesen ihre Patientinnen und Patienten vor einer Ansteckung und vor Komplikationen.»

Mehr Desinfektionsmittel

Trotz landesweiten Kampagnen sei die Impfrate beim medizinischen Personal nach wie vor «eher bescheiden, wenn auch leicht steigend», sagt Crespo. Das heisst: Die Impfrate liegt nach wie vor auch im GZF bei bescheidenen rund 20 Prozent. Das GZF lanciert jeweils parallel zur alljährlichen Grippe-Infokampagne des BAG eine eigene interne Kampagne und versucht so, die Mitarbeitenden zu motivieren, sich impfen zu lassen. Die Impfung ist für die Mitarbeitenden kostenlos. Das Angebot werde genutzt und geschätzt, so Crespo.

Eine Impfpflicht indes besteht beim GZF nicht. «Diese Entscheidung liegt bei jedem einzelnen Mitarbeitenden selber», sagt Crespo. Die im Hygienekonzept vorgegebenen Massnahmen seien massgebend, um sowohl Mitarbeitende als auch Patienten möglichst vor einer Ansteckung zu schützen. Und hier gibt es positive News: Der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln steigt stetig an. Das ist, um im Autovergleich zu bleiben, wie die Politur der Felgen.