Wirtschaftsforum

Die Digitalisierung bedroht Buchhalter und Kassierer

Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, eröffnete das Wirtschaftsforum. Alex Uehlinger

Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, eröffnete das Wirtschaftsforum. Alex Uehlinger

Am Wirtschaftsforum Fricktal in Stein trafen sich Fricktaler Entscheidungsträger aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Thematisiert wurde die Arbeitswelt 4.0.

Ein Mix aus hochkarätigen Referenten und die Möglichkeit zum Networking machen das Wirtschaftsforum Fricktal zu einem besonderen Anlass, ist sich Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, sicher. «Gute persönliche Kontakte sind eine wichtige Basis für den wirtschaftlichen Erfolg. Das Wirtschaftsforum gehört fest in unser Jahresprogramm.» In diesem Jahr trafen sich Fricktaler Entscheidungsträger aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft im Forschungszentrum der Syngenta in Stein.

Dort stand im Auditorium das Thema Digitalisierung auf dem Programm. Regula Ruetz, Direktorin von Metrobasel, warf zu Beginn ihres Vortrags die Frage auf, was die Arbeitswelt 4.0 für die einzelnen Branchen bedeutet und welche Fähigkeiten von den Arbeitnehmern gefordert sein werden, «wenn innert kurzer Zeit Maschinen, Roboter und IT-Programme grosse Fortschritte machen und immer neue Domänen erobern werden». So verrichteten derzeit 71 Prozent der Menschen die Arbeit die derzeit auf dem Planeten anfalle. Im Jahr 2023, so Ruetz, werden es jedoch nur noch 50 Prozent sein.

Der Roboter führt das Skalpell

Ruetz geht davon aus, dass mittelfristig Personen mit einem hohen Bildungsgrad und guten IT-Kenntnissen bessere Berufsaussichten haben als Personen mit mittleren Bildungsniveau, die Routine-Arbeiten ausführen. Dazu zählt sie beispielsweise Industriearbeiter, Kassierer und Reinigungskräfte. Aber auch Buchhalter, Steuerberater, Versicherer Bankangestellte und Chauffeure laufen Gefahr, dass ihre Tätigkeit der «Computerisierung» zum Opfer fällt. Auch für Ärzte könne durch die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz der Tag kommen, an dem chirurgische Eingriffe von einem Roboter ausgeführt werden.

«Im Gegensatz dazu werden Tätigkeitsbereiche, in denen es auf die menschliche Interaktion ankommt, aufgewertet werden», sagt Ruetz. Darunter falle beispielsweise der Pflegebereich, die Kinderbetreuung, das Schulwesen oder auch die Jurisprudenz. «Berufe, in denen es auf nicht lineares Denken und Originalität ankommt, haben gute Zukunftsaussichten», so Ruetz. Dazu gehören Künstler, Ingenieure, Journalisten und Führungskräfte, die für Unternehmen Entscheidungen treffen.

Weil pro Jahr in der Schweiz rund 25 000 neue Stellen vorwiegend durch die Digitalisierung geschaffen werden, entstehen laut Ruetz nicht nur Nachteile, sondern auch Chancen, die genutzt werden müssen, um auf die anstehende digitale Durchdringung vorbereitet zu sein. «Das bedingt Investitionen in digitale Infrastrukturen, ein leistungsfähiges WLAN und vor allem genügend Computer in den Schulen», sagt sie. Daneben müssen mehr finanzielle Mittel für IT-Bildungsfächer an Schulen bereitgestellt werden.

Unternehmen sind gefordert

Gefordert seien jedoch nicht nur Bund und Kantone, sondern auch Unternehmen, die ihre Angestellten frühzeitig umschulen und weiterbilden müssen, «wenn sie auch in Zukunft über die geeigneten Fachkräfte verfügen wollen», so Ruetz. Weiter brauche es auch Investitionskapital für KMU, damit auch diese ihre Prozesse digitalisieren und anpassen können und so wettbewerbsfähig bleiben.

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Autor

Dennis Kalt

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