Grossratswahlen Aargau

Die CVP will Schmach von 2016 ausmerzen – und ihren zweiten Sitz zurück

Die SP holte mit Elisabeth Burgener (links, im Bild beim AZ-Leserwandern mit Regine Leutwyler und Peter Bircher) und Colette Basler 2016 einen zweiten Sitz. CVP-Mann Werner Müller (3.v.l.) wurde abgewählt, kehrte aber 2018 in den Rat zurück.

Die SP holte mit Elisabeth Burgener (links, im Bild beim AZ-Leserwandern mit Regine Leutwyler und Peter Bircher) und Colette Basler 2016 einen zweiten Sitz. CVP-Mann Werner Müller (3.v.l.) wurde abgewählt, kehrte aber 2018 in den Rat zurück.

Obwohl die CVP vor vier Jahren im Bezirk Laufenburg klar vor der SP lag, verlor sie den zweiten Sitz an die Linke. Diesen will sie zurück.

Im Bezirk Laufenburg war die CVP-Welt bis vor vier Jahren noch (fast) in Ordnung. Die Partei kam bei den Grossratswahlen stets klar über die 20-Prozent-Marke – ein Wert, von der man auf kantonaler und nationaler Ebene nur träumen konnte. Sie war damit hinter der SVP die zweitstärkste Partei und stellte zwei der sieben Grossräte.

Und dann das. Die CVP verliert 2016 einen Sitz an die SP, Werner Müller muss seinen Sessel in Aarau räumen. Er hatte an der Abwahl arg zu beissen, wie er der AZ sagte – und fühlte sich als Opfer des Systems. Durchaus zu Recht. Denn obwohl die CVP zwei Prozent mehr Stimmen holte als die SP und obwohl Müller das fünftbeste Ergebnis im Bezirk machte, verlor sie ihren zweiten Sitz an die SP. Schuld war das Wahlsystem, der doppelte Puckelsheim, der zu Gunsten der SP ausschlug.

Die Rückeroberung des zweiten Sitzes ist denn auch das erklärte Ziel des neuen CVP-Bezirkspräsidenten Daniele Mezzi, der selber vom Listenplatz zwei im Sitzkampf mitmischen wird. Auf Platz eins geht Werner Müller ins Rennen – der Abgewählte kehrte 2018 nach dem Rücktritt von Martin Steinacher in den Grossen Rat zurück.

Die SP will den zweiten Sitz natürlich verteidigen. Bezirkspräsident Rolf Schmid hofft, dass ihr dabei der Bisherigen-Bonus – Elisabeth Burgener und Colette Basler treten beide wieder an – hilft, weiss aber auch, dass den Roten die orange «Bedrohung im Nacken sitzt». Wenn die Berechnungsformel diesmal zu Gunsten der CVP ausschlagen sollte, müsse man dies akzeptieren. «Wir werden aber alles daransetzen, den Sitz nicht selber zu verlieren.»

Die Chancen, dass die CVP den zweiten Sitz zurückholt, sind intakt. Doch wer hat die besten Chancen? Der Listenplatz zwei ist für Mezzi sicher ein Vorteil. Er ist jung (27) und hat viel Power. Allerdings steht hinter ihm ein politisches Schwergewicht mit einer starken Hausmacht auf der Liste: Christian Fricker (65), Vizeammann von Frick und Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio.

Kommt die Region um den ­Bezirkshauptort zu einem Sitz?

Für Frick als Zentrumsgemeinde im oberen Fricktal wäre seine Wahl eine schnelle Rückkehr ins Kantonsparlament; bis Ende 2019 sass der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter (FDP) im Grossen Rat, trat dann aber aufgrund der Mehrfachbelastung zurück.

Wobei: Während die Region Frick auch nach dem Ausscheiden von Suter in Aarau noch vertreten ist, stellt die Region um den Bezirkshauptort Laufenburg seit dem Ausscheiden von Steinacher gar keinen Grossrat mehr. Ändern will das neben Mezzi und Schmid auch Christian Rüede (51), Gemeinderat in Laufenburg. Er tritt für die SVP an und hat nach dem Rücktritt von Tanja Primault trotz Listenplatz sechs durchaus Chancen, den zweiten SVP-Sitz neben Christoph Riner (43) – seine Wiederwahl ist unbestritten – zu holen.

Dass die SVP ihre zwei Sitze halten kann, ist klar. Die Liste ist ausgewogen, eine Prognose, wer den Sitz machen wird, deshalb schwierig. Chancen haben neben Rüede auch Markus Liebi (26), Gemeinderat von Oberhof, Roland Härri (61) aus Frick oder Alex Reimann (49) aus Wölflinswil, der die Bauernlobby hinter sich weiss.

Ein Manko hat die SVP-Liste allerdings: null Prozent Frauenanteil – als einzige der grösseren Parteien. Man habe das nicht so gewollt, sagt Riner, und man habe auch «geeignete junge Kandidatinnen» angefragt. Diese wollten nicht. Noch nicht. «Sie haben Talent und es wäre nicht gut gewesen, sie zu überreden und zu verheizen», ist Riner überzeugt, der nach dem Motto geht: Die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

Die FDP wird ihren Sitz sicher halten können – und dies wohl mit Bruno Tüscher (36), der Anfang Jahr von Daniel Suter übernommen hat. Ungefährdet ist auch der Sitz der grünen Querdenkerin Gertrud Häseli (57). Die Grünen haben im oberen Fricktal vor vier Jahren zwar gut ein Prozent Wähleranteil verloren – aber da gab es ja den Greta-Thunberg-Effekt noch nicht.

Zwischen den Grossratswahlen 2009 und 2016 gab es im oberen Fricktal bei zwei Parteien beim Wähleranteil markante Veränderungen: Die CVP verlor aufs Haar fünf Prozent, am meisten zwischen 2009 und 2012, die SP konnte insgesamt um 5,93 Prozent zulegen.

Damit kam die CVP 2016 auf 20,88, die SP auf 18,87 Prozent. Beide Parteien lagen damit deutlich hinter der SVP, die 33,79 Prozent holte. Die FDP lief mit 11,1 Prozent, die Grünen mit 7,51 Prozent ins Ziel ein.

Meistgesehen

Artboard 1