Bezirksgericht Laufenburg
Die böse Stiefmutter? Beiständin wird Veruntreuung von 144'000 Franken vorgeworfen

Hat eine Frau als Beiständin ihrer Stieftochter insgesamt rund 144'000 Franken veruntreut? Ja, sagt das Bezirksgericht – jedenfalls in vier von fünf Fällen.

Marc Fischer
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Die Staatsanwaltschaft listete in der Anklageschrift fünf Fälle mit einem Deliktsbetrag von insgesamt knapp 144 000 Franken auf. (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft listete in der Anklageschrift fünf Fälle mit einem Deliktsbetrag von insgesamt knapp 144 000 Franken auf. (Symbolbild)

KEYSTONE/GABRIELE PUTZU

Im Jahr 2001 erlitt die damals 19-jährige Jessica (alle Namen geändert) bei einem Verkehrsunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Auf ihr Begehren hin wurde im Oktober 2004 dann eine Beistandschaft errichtet und ihre Stiefmutter Margrit als Beiständin eingesetzt. Mittlerweile ist die Beistandschaft wieder aufgehoben.

Am Dienstag musste sich Margrit vor dem Bezirksgericht Laufenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft und Jessica als Privatklägerin warfen ihr mehrfache Veruntreuung in der Zeit kurz vor und während der Beistandschaft vor. Die Staatsanwaltschaft listete in der Anklageschrift fünf Fälle mit einem Deliktsbetrag von insgesamt knapp 144'000 Franken auf. Jessicas Anwältin sagte, Margrit sei unverfroren zu Werke gegangen und habe Jessicas Vertrauen missbraucht. Sie erklärte aber auch, dass die beiden Parteien bezüglich der Zivilforderungen einen aussergerichtlichen Vergleich erzielt haben und Margrit den vereinbarten Betrag bereits an Jessica überwiesen habe.

Zahlung war vereinbart

Die happigste Anschuldigung der Staatsanwaltschaft betraf 65 000 Franken, die sich Margrit für «ausserordentliche Aufwendungen» überwiesen und damit unter anderem Hypothekarzinsen und Handwerker bezahlt hatte. Sie habe sich das Geld aufgrund einer Vereinbarung mit Jessica überwiesen, als die Versicherungszahlungen nach dem Unfall eingetroffen seien, erklärte Margrit vor Gericht. Dass die Vereinbarung von der damals noch zuständigen Behörde im Baselbiet nie anerkannt worden sei, habe Margrit nicht gewusst, ergänzte ihr Verteidiger und betonte: «Meine Mandantin hat den Betrag versteuert, dafür AHV abgeliefert und die Überweisung auch gegenüber der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde offengelegt. Sie glaubte, rechtens zu handeln.» Er forderte deshalb in diesem Punkt einen Freispruch.

Auch in drei weiteren Punkten plädierte er auf Freispruch: Es gebe keinen Beweis, dass seine Mandantin 29 000 Franken, die sie im Jahr 2004 bar von Jessicas Konto bezogen habe, für ihre eigenen Zwecke verwendet habe. Eine Überweisung von 1000 Franken von Jessicas Konto zugunsten eines Schreiners sei ein «Versehen» gewesen. Die rund 39 500 Franken Mietzinszahlungen von Jessicas Lebenspartnerin an Jessica, die seine Mandantin gemäss der Staatsanwaltschaft für eigene Bedürfnisse gebraucht habe, habe Margrit bereits vor der Anklageerhebung zurückerstattet. Einzig bei Steuerrückzahlungen für Jessica in der Höhe von gut 9000 Franken, die seine Mandantin entgegengenommen habe, komme man «wohl nicht um einen Schuldspruch herum», so Margrits Anwalt. Margrit selber sagte, sie habe «schlicht vergessen» das Geld an Jessica weiterzuleiten.

Gerichtspräsident Beat Ackle folgte dieser Argumentation nur in Teilen. «Sie haben bei Ihrer Mandatsführung nicht zwischen Mein und Dein unterschieden», rügte er Margrit in der Urteilsbegründung. Bei der grössten Teilsumme erfolgte ein Freispruch. «Hier konnten Sie wirklich davon ausgehen, dass Sie den Betrag zugute haben», so Ackle. In den anderen vier Fällen sprach er die Angeklagte jedoch schuldig – blieb mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Franken bedingt auf zwei Jahre und einer Busse von 2000 Franken aber weit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Beim Strafmass sei der aussergerichtliche Vergleich mildernd berücksichtigt worden, erklärte Ackle.