Der Funke der Faszination sprang sofort über beim Betrachten der Bilder und Skulpturen der beiden ausstellenden Künstler Gianni Vasari und Markus Waber. Zu spüren waren ganz unmittelbar Emotionen und Leidenschaft beider Kunstschaffenden, der überspringende Funke jedoch auch bei den Gesprächen der vielen Besucher mit Erwin Rehmann, Gianni Vasari und Markus Waber.

Ein explodierendes Feuerwerk an Farben berauschte beim Ansehen der Bilder von Vasari, fantasievolle Gesichter erscheinen, verschwinden, verändern ihre Konturen, liebliche Pastellfarben geben den Kontrast. In Rot und Gelb öffnet sich scheinbar ein brodelnder Vulkan, Magmaströme fliessen.

Farbenfroh und fröhlich sind dagegen seine Skulpturen. Hört und sieht man genau hin, kann man spannende Begebenheiten und Geschichten von Menschen ganz ohne Worte in den Bildern von Markus Waber erfahren.

Drei, die für die Kunst brennen

Stiftungsrätin Lea Whinyates führte in die Ausstellung ein, bedankte sich bei Humberto Ocana Caballero für das absolut stimmige Konzept, bei dem ihm die Gegenüberstellung der Werke wunderbar gelang, sich Begeisterung und Ausdruckskraft wie ein roter Faden durch die Ausstellung «Feuer fangen» zieht. Sie unterstrich, dass die Künstler zwar mit ganz unterschiedlichen Ausgangsmaterialien arbeiten, Rehmann mit Metall, Vasari mit Holz und Waber mit Leinwand, Acryl und Öl, doch alle drei brennen für ihre Kunst, sie verbindet Sinnlichkeit, Neugier und Begabung.

Humberto Ocana Caballero, Kunsthistoriker, Student und Assistent bei Vasari, berichtete, wie der zündende Funke für Rehmanns Werke schon vor Jahrzehnten kraftvoll bei Gianni Vasari aufloderte, wie diese ein innerer Mentor wurden. Die enge Verbundenheit sowie die Seelenverwandtschaft zu Markus Waber besteht ebenfalls schon 40 Jahre. Subtil inspirieren sich beide gegenseitig. Doch erst bei dieser Ausstellung lernten sie Erwin Rehmann persönlich kennen.

In seinen Bildern erzählt Markus Waber von Szenen aus dem Alltag, von eigenen Bewegtheiten. Der thematische Spannungsbogen ist gross, stammt aus ganz unterschiedlichen Quellen. Angeregt durch einen Zeitungsbericht, entstand zum Beispiel das beklemmend eindrückliche Bild von den Verdingkindern. Kinder, die nur noch ein möglichst nützliches Ding sein sollen. In seiner Malerei stellt er Menschen in den Vordergrund, fühlt sich mehr und mehr dem Expressionismus verbunden, wenn auch nicht im klassischen Sinn, wie er betont.

Er will auch eigene Befindlichkeiten, Gedanken, Überlegungen und Stimmungen zum Ausdruck bringen. 1949 in Bern geboren, absolvierte er nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung. 1968 versuchte er sich erstmals in der Malerei, hatte Kontakt zu bekannten Künstlern, besuchte Malkurse. In der Vergangenheit war er tätig als Buchhalter und Heimleiter, hat jedoch immer intensiv gemalt. Mit Vasari verbinden ihn nicht nur eine enge Freundschaft, sondern auch viele gemeinsame Projekte.

Ausgangspunkt für Gianni Vasaris Bilder und Skulpturen sind stets die Farben. Sie kommen auf ihn zu, sagt er. Und er lässt sich darauf ein, was sie mit ihm machen. Die lustigen, bunten Skulpturen aus Eiche (einer schweren Holzart) bekommen eine kindliche Unbeschwertheit. Lebensfreude und Liebe dominieren. Hat er einen Holzstamm als Rohmaterial vor sich liegen, sagt dieser ihm, welche Figur in ihm steckt, jede Form wird zugelassen.

Anfänge in Schwarzweiss

Seine Werke sind oft übergreifend in Raum und Zeit, manchmal auch erstaunlich verwegen, spirituell, sind fantastisch und voller Ideen. Vasari hat eine beinahe unerschöpfliche Schaffenskraft, bleibt sich aber immer treu. «Tief beeindruckt an Erwin Rehmann hat mich, wie er unbeirrt seine Ziele verfolgte, seine Eigenwilligkeit in den Werken» meinte er mit tiefen Respekt. 1949 geboren in Biel, war er Freischüler an der Kunstgewerbeschule in Bern, er beschäftigte sich mit Keramik, Weberei, Skulpturen, Intarsien, war Viehhirt und Schreiner im Emmental. Seit 1980 ist er freischaffender Künstler in der Bieler Altstadt. Anfänglich malte er schwarzweiss, vor 20 Jahren entdeckte er mit Begeisterung die Farben für sich.

Beide Künstler lassen in ihrem Schaffen viel Raum für Interpretation. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage in diessem Sinne mit wundervollen Eigenkompositionen von Renaud Stachel.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung «Feuer fangen» ist noch bis 9. Februar 2019 zu sehen, und zwar immer an folgenden Tagen: Mittwoch bis Freitag, von 11 bis 16 Uhr; Samstag und Sonntag, von 13 bis 16 Uhr