Schwaderloch
Die Bauernfamilie Probst ist jetzt auf dem Sennhof glücklich

In Laufenburg war kein Wachstum mehr möglich, da packte die Bauernfamilie ihre Chance in Schwaderloch.

Marc Fischer
Drucken
Teilen
Familie Probst ist jetzt auf dem Sennhof glücklich
9 Bilder
Die Familie Probst aus Laufenburg ist nach Schwaderloch gesiedelt und bewirtschaftet dort den Sennhof.
Die Familie Probst aus Laufenburg ist nach Schwaderloch gesiedelt und bewirtschaftet dort den Sennhof.
Der Probsthof in Laufenburg wird nach fast 80 Jahren abgerissen. Es entsteht eine Überbauung mit 33 Eigentumswohnungen.
Der Probsthof in Laufenburg wird nach fast 80 Jahren abgerissen. Es entsteht eine Überbauung mit 33 Eigentumswohnungen.
Die Familie Probst aus Laufenburg ist nach Schwaderloch gesiedelt und bewirtschaftet dort den Sennhof.
Dorfansicht Mettauertal
Der Probsthof in Laufenburg wird nach fast 80 Jahren abgerissen
Läuft alles nach Plan, sieht das Areal 2016 so aus.

Familie Probst ist jetzt auf dem Sennhof glücklich

Marc Fischer

Der Sennhof liegt abgelegen. Auf dem Hügel zwischen der Gemeinde Schwaderloch, zu der er gehört, und dem Ortsteil Mettau der Gemeinde Mettauertal. Von Schwaderloch windet sich eine noch unbefestigte Strasse den Hügel hoch. Von Mettau her ist sie geteert. Führt vorbei an Rapsfeldern und Christbaumplantagen. Eigentlich heisst der Sennhof falsch. Denn seit 2010 ist er im Besitz von Urs Probst und Ruth Eggenberger Probst.

Wachstum ausgeschlossen

Urs Probst ist in der vierten Generation in der Landwirtschaft tätig. Der Hof der Familie war in Laufenburg. Zuerst an der heutigen Spitalstrasse. Nach einem Brand seit 1937 als Probsthof an der Dürrenbächlistrasse. 1937 war die Hofparzelle ausserhalb des Siedlungsgebiets, mittlerweile liegt sie inmitten von Einfamilienhäusern und Gewerbe. «Ideal für den Direktverkauf ab Hof», sagt Ruth Eggenberger Probst.

Aber nicht ganz so ideal für den landwirtschaftlichen Alltag. Rund um den Hof war wenig Land arrondiert. Die Felder und Weiden – rund 20 Hektaren – sind über ganz Laufenburg verstreut. Ein Wachstum war ausgeschlossen. Und der Druck auf kleinere Landwirtschaftsbetriebe steigt. «Hinzu kommt, dass wir die Milchwirtschaft je länger, desto mehr als Last empfanden, teilweise gar als Opfer», sagt Urs Probst. Sie erforderte eine ständige Präsenz. Freizeit oder Ferien waren undenkbar.

Zukunft in der Landwirtschaft

Arbeitsscheu sind die Probsts keineswegs. Im Gegenteil. «Aber es gab in Laufenburg kaum Zukunftsperspektiven. Wir hätten auf die Dauer die Landwirtschaft auslaufen lassen müssen und ich hätte wieder voll in meinem Beruf als Kindergärtnerin gearbeitet», sagt Ruth Eggenberger Probst. Doch die Familie Probst wollte in der Landwirtschaft bleiben.

«Wir wollten weiter auf diese Karte setzen und auch davon leben können.» Deshalb sahen sie sich nach anderen Höfen um. Schweizweit. Deshalb gab es auch schon vor langer Zeit erste Gespräche mit der Gemeinde Laufenburg, ob das Land der Hofparzellen in die Bauzone umgezont werden könnte. Die Stadt war interessiert, doch ein passender Hof fand sich nicht.

Schon fast waren die Pläne ad acta gelegt, als der Kanton Aargau den Sennhof in Schwaderloch zum Verkauf ausschrieb. «Zum Hof gehören rund 30 Hektaren arrondiertes Land. Die Bedingungen sind ideal», so Urs Probst. Zudem kann er seine Äcker in Laufenburg weiterbewirtschaften.

Der Hof wächst damit auf rund 50 Hektaren. «Damit sind wir für heutige Verhältnisse ein mittlerer bis grosser Betrieb. Investitionen in neueste Technologien und Maschinen lohnen sich. Und es ist auch die Basis, dass der Hof langfristig überleben kann», schwärmt das Ehepaar Probst. Die Milchwirtschaft hat Urs Probst mittlerweile aufgegeben. Er hat jetzt eine Mutterkuhherde mit 92 Tieren. Und betreibt neben dem Futterbau Ackerbau. Weizen, Raps. Aber auch Spinat und Bohnen.

Risiko hat sich gelohnt

In weniger als sechs Monaten fiel 2009 der Entscheid, die Chance zu packen und nach Schwaderloch zu siedeln. «Es war eine grosse Chance», so Ruth Eggenberger Probst, «aber es war auch ein grosses Risiko. Wäre es schief gegangen, gäbe es uns als Bauern heute nicht mehr.»

Als der Entscheid, den Sennhof zu kaufen, fiel, hatten Probsts die Hofparzelle in Laufenburg noch nicht verkauft. Mittlerweile ist dies geschehen, auf dem Areal wird eine Überbauung entstehen.

Seit dem 1. Januar 2010 bewirtschaftet Urs Probst gemeinsam mit einem Lehrling den Sennhof. Umgezogen ist das Ehepaar mit den beiden Töchtern Rael (18) und Lena (10) erst im Februar 2012. Sie haben das Wohnhaus in Schwaderloch abgerissen und neu aufgebaut. Es bietet viel Platz und helle Räume. «Wie Ferien im Alltag», sagt Ruth Eggenberger Probst.

Der Umzug stiess in Familie und Umfeld nicht nur auf Gegenliebe. «Die Reaktionen deckten die ganze Bandbreite von Unverständnis bis Unterstützung ab», blickt das Ehepaar zurück, «aber die meisten haben gesagt, wir unterstützen euch, wenn ihr das wirklich wollt.»

Natürlich brachte der Umzug auch Umstellungen mit sich. Lena musste die Schule wechseln. Ein Direktverkauf ab Hof ist wegen der abgelegenen Lage nicht mehr möglich.

«Und ich bin heute viel mehr im Auto unterwegs als früher», so Ruth Eggenberger Probst. Aber der Wunsch auch künftig von der Landwirtschaft leben zu können, ging in Erfüllung. Und die Lebensqualität ist gestiegen. Das Fazit ist denn auch schnell gezogen: «Wir würden es sofort wieder machen.»

Aktuelle Nachrichten