Rheinfelden

Die badische Seite sagt Ja zum Rheinsteg – IG will die Bevölkerung überzeugen

Ob den Rheinsteg je ein Fussgänger oder Velofahrer betritt, entscheidet sich am 19.Juni. Visualisierung: Render-Manufaktur

Ob den Rheinsteg je ein Fussgänger oder Velofahrer betritt, entscheidet sich am 19.Juni. Visualisierung: Render-Manufaktur

Das klare Ja auf badischer Seite zum Rheinsteg gibt der IG Pro Steg Auftrieb. Bis zum 19.Juni will die IG die Rheinfelder überzeugen, dass es den Steg braucht – trotz happigen Mehrkosten.

Die erste Brückenschlacht ist geschlagen: Auf badischer Seite stimmte der Gemeinderat am Donnerstag der «überplanmässigen Ausgabe» von knapp 700 000 Euro für den Rheinsteg mit 21:9 Stimmen überaus deutlich zu – und gab damit grünes Licht für das 12,7-Millionen-Euro-Projekt.

Das gibt den Stegbefürwortern auf Schweizer Seite Auftrieb. Sie müssen die Stimmberechtigten bis zur Gemeindeversammlung am 19. Juni davon überzeugen, dass sich die Mehrkosten für das grenzüberschreitende Projekt lohnen. Ihr Handicap: Auf Schweizer Seite liegen die überplanmässigen Ausgaben deutlich höher – auf die Stadt kommen Kosten von 4,9 statt 1,5 Millionen Franken zu. Zum massiven Unterschied bei den Mehrkosten kommt es, da die Subventionstöpfe auf badischer Seite nochmals gehörig angezapft werden konnten, sie auf Schweizer Seite jedoch ausgeschöpft sind.

Dass es die Befürworter des Projektes angesichts der happigen Mehrkosten nicht einfach haben werden, zeigte bereits letzte Woche eine Umfrage der AZ unter Parteivertretern. Der Tenor in allen grossen Parteien: Der Rheinsteg ist ein wirklich schönes und gutes Projekt. Allerdings ist er «nice to have», also nicht überlebensnotwendig, und kratzt mit 12,7 Millionen Euro an der Schmerzgrenze respektive überschreitet sie.

Erfreut über Engagement

An vorderster Front für den neuen Steg kämpft die IG Pro Steg. Präsident Peter Scholer war, wie andere Rheinfelder, am Donnerstag vor Ort, um den Showdown im badischen Gemeinderat live mitzuerleben. Er sei überrascht gewesen, wie viele Zuschauer anwesend waren, erzählt er der AZ, lacht. «Ich stellte dann aber schnell fest, dass auch noch andere Traktanden auf Publikumsinteresse stiessen.» Jedoch hätten sich in der Fragerunde zu Beginn der Versammlung mehrere Personen, unter anderem der ehemalige Oberbürgermeister von Badisch-Rheinfelden, Eberhard Niethammer, klar für den Steg ins Zeug gelegt. «Das starke Engagement hat mich natürlich riesig gefreut», so der IG-Pro-Steg-Präsident.

Scholer selber rechnete mit einem Ja auf badischer Seite – wenn auch nicht mit einem derart klaren. «Als dann aber die SPD geschlossen für den Rheinsteg einstand, war die Sache gelaufen.» Nach der Abstimmung «ging ich erst einmal ein Bier trinken», sagt er schmunzelnd. Von der Diskussion im Gemeinderat nimmt er mit, «dass die Mehrheit erkannt hat, dass es sich beim Rheinsteg nicht einfach um ein ‹Sonntagsbrüggli› handelt, sondern um ein Herzstück in der Stadtentwicklung».

Scholer ist überzeugt, dass das klare Votum auf badischer Seite für den Steg das Abstimmungsverhalten auf Schweizer Seite beeinflussen wird. «Letztlich sind sonst wir die ‹Steg-Mörder›», sagt er. Er hoffe, dass eine Mehrheit dies nicht sein wolle.

Investition in die Zukunft

Auf die Frage, was es nun braucht, dass das sich andeutende Nein noch kippt, sagt Scholer: «Vor allem die Erkenntnis, dass es sich beim Projekt nicht um die Vergoldung einer Idee für eine Sonntagsbrücke handelt, sondern um eine Investition in die Zukunft, die durchaus auch etwas kosten darf.»

Für Scholer ist der Steg gleich dreifach notwendig. Erstens für die Stadtentwicklung. «Der Steg liegt genau in dem Gebiet, in dem sich die beiden Städte entwickeln werden.» Somit ist der Steg, zweitens, eine Investition in die Zukunft, «denn für die Entwicklung brauchen wir an dieser Stelle einen zusätzlichen Rheinübergang». Drittens sei der Steg für den Klimaschutz notwendig. «Er verbessert die Situation für den Langsamverkehr, also für Fussgänger und Velofahrer», so Scholer. Die Steg-Befürworter gehen dann auch davon aus, dass dank dem neuen Übergang etliche Arbeitspendler nicht mehr mit dem Auto, sondern mit dem Velo zur Arbeit gehen.

Dei IG Pro Steg will die Zeit bis zur Gemeindeversammlung nutzen, um für den Bau des Rheinstegs zu weibeln. Man werde die Argumente medial platzieren, sagt Scholer. Zudem hat die IG Pro Steg an der Expo 19, der «Gewerbeausstellung unteres Fricktal», die vom 10. bis 12. Mai in Rheinfelden stattfindet, einen Stand. Hier wirbt sie primär für ihr Projekt einer Aussichts- und Gedenkplattform, die an dem Ort errichtet werden soll, wo der alte, vor einigen Jahren abgerissene Steg an Land kam. «Aber natürlich nutzen wir auch die Gunst der Stunde und werben für den Rheinsteg», so Scholer. Eine Standaktion in der Altstadt kann sich Scholer ebenfalls vorstellen.

Zentral ist bei Abstimmungen in Rheinfelden immer auch, was die Parteien zu einem Projekt sagen. «Wir werden, wenn möglich, an den Versammlungen aller Parteien dabei sein und unsere Argumente platzieren.» Damit es am 19. Juni für den Rheinsteg gut kommt. In dem Fall ist das «Bier danach» auf sicher.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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