Frick
Die Bäckerei Kunz schliesst ihre Filiale in der Migros

Nach zwei Jahrzehnten schliesst die Bäckerei Kunz ihre Filiale in der Migros Frick. Nun prüft die Bäckerei Maier aus Laufenburg, ob sie eine Filiale im Grossverteiler eröffnet – eventuell sogar mit Café.

Thomas Wehrli
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Zieht sich aus der Migros zurück: Markus Kunz vor dem Hasengestell im Hauptgeschäft an der Hauptstrasse in Frick.

Zieht sich aus der Migros zurück: Markus Kunz vor dem Hasengestell im Hauptgeschäft an der Hauptstrasse in Frick.

Thomas Wehrli

Die violetten Kunz-Papiertüten sieht man in der Fricker Migros künftig nicht mehr: Die Bäckerei zieht sich am 9. Mai aus dem Grossverteiler zurück und schliesst die Filiale nach rund 20 Jahren. «Der Umsatz in der Migros war für uns von Anfang an grenzwertig», erklärt Inhaber Markus Kunz. «Denn die Kundschaft eines Grossverteilers kauft nur bedingt Premium-Produkte.»

Es habe funktioniert, weil man den Standort mit wenig Personal bewirtschaften konnte und der Standort mitten im Einkaufscenter optimal gewesen sei. Allerdings sagt Kunz auch: Vom Umbau vor 2 Jahren, bei dem der mehrfach preisgekrönte Confiseur rund 200 000 Franken in ein neues, schwarz-edles Laden-Design und -Konzept investiert hat, hatte er sich deutlich mehr erwartet. «Wir rechneten mit einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent. Dieses Ziel haben wir nicht erreicht.» Zu spüren bekam Kunz zudem indirekt auch den Markteintritt von Lidl und Aldi: «Die Kundenfrequenz ging generell zurück.»

Dennoch hätte Kunz die Filiale «sicher noch 10 Jahre» weiter betrieben («sie ist mir eben ans Herz gewachsen»), wäre alles beim Alten geblieben. Doch die Migros will den Standort in diesem Jahr um- und ausbauen (die az berichtete), und das hatte auch für die Kunz-Filiale Folgen: Die Migros bot ihm einen neuen Standort an, ganz links im Gebäude (dort, wo früher das Schuhaus Frank war). Sie offerierte ihm zudem, er könne auch ein Café eröffnen.

Zwei Mitarbeiterinnen betroffen

Kunz entschied sich dagegen. Zum einen, weil der neue Standort «suboptimal» ist, sprich: am Rand der Mall liegt. Zum anderen, weil die Migros ihren Bäckerei-Bereich stark ausbauen wird. Die nötigen Investitionen von rund 700 000 Franken «waren uns da einfach zu riskant». Der 59-Jährige zieht sich «mit einem lachenden und einem weinenden Auge» aus der Migros zurück. Er weiss auch: Nicht alle, die in der Migros bei ihm einkauften, werden ihm in den Hauptladen folgen. «Aber es wird etliche geben, welche die paar Schritte unter die Füsse nehmen», ist er überzeugt.

Von der Schliessung betroffen sind zwei Stellen im Verkauf. Eine Mitarbeiterin wird entlassen, die zweite arbeitet mit reduziertem Pensum weiter. «Auf die Produktion hat die Schliessung keine grossen Auswirkungen», erklärt Kunz, der neben dem Hauptgeschäft noch eine Filiale in Stein und Gipf-Oberfrick betreibt. Die Migros hat Kunz stets als «sehr faire» Geschäftspartnerin erlebt. Sie vergütet ihm auch 75 Prozent der Investitionen zurück, die er vor 2 Jahren getätigt hat – weil der Vertrag auf 10 Jahre abgeschlossen wurde.

Auf den Beck in der Migros muss die Kundschaft vermutlich dennoch nicht verzichten: Die Bäckerei Maier aus Laufenburg prüft derzeit, in Frick eine Filiale zu eröffnen. Es wäre ihre siebte. Das Besondere daran: Die Initiative ging von Markus Kunz aus – er empfahl die Bäckerei Maier als Nachfolgerin. «Wir sind Mitbewerber und kommen gut aneinander vorbei», sagt Kunz und Roman Maier betont: «Der Input ging von Markus Kunz aus. Sonst würden wir ein Engagement in Frick nicht prüfen.»

Maier: Entscheid bis Ende März

Die Verhandlungen mit der Migros sind laut Maier «noch im vollen Gang». Bis Ende März will sich die Familie entscheiden, ob sie den Schritt wagt. «Wir sind uns bewusst, dass es kein einfacher Markt ist», sagt Maier. «Aber wir sind optimistisch, dass eine Bäckerei neben dem Migros-Sortiment Platz hat.»

Mit oder ohne Café? «Für uns kommen beide Optionen infrage», sagt Maier. Das hänge auch vom Platz und dem künftigen Angebot des Kiosks ab, der derzeit in der Migros eine Café-Bar betreibt.

Bei beiden, Kunz wie Maier, spürt man das «feu sacré», mit dem sie ihr Handwerk betreiben. Oder wie es Kunz formuliert: «Wir geben unseren Produkten mit Kreativität, Passion und Qualität eine Seele.»