Nach Wien, Budapest, Theben, in den Schwarzwald, die japanische Stadt Titipu oder das polnische Krakau – das Publikum im Rheinfelder Bahnhofsaal wurde schon in so manche fremde Städte und Länder entführt. Zum ersten Mal geht’s jetzt auf nach London und auf die weltberühmte Pferderennbahn von Ascot. Am kommenden Samstag hat «My Fair Lady» Premiere.

So betritt die Fricktaler Bühne in ihrer 21. Produktion nicht nur geografisch Neuland, sondern führt zum ersten Mal überhaupt ein Musical auf. Nachwuchs auf der Bühne sei hoch willkommen und sehr positiv, «es braucht aber auch neue, junge Leute im Publikum», hält die langjährige OK-Präsidentin Béa Bieber fest. Aus diesem Grund wird mit dem ersten Musical in der 40-jährigen Geschichte der Fricktaler Bühne zu neuen Ufern aufgebrochen. «Mit der Wahl von ‹My Fair Lady› tragen wir zweifellos auch den Erwartungen unseres treuen Stammpublikums Rechnung.»

Vom Kontrabass zum Gesang

Tatsächlich ist dieses Musical einer der ganz grossen Klassiker des Genres: 1956 in New York uraufgeführt und 1964 in Hollywood verfilmt, ist die Musik von Frederick Loewe weitherum bekannt und beliebt. Ebenso ist dies die Geschichte vom Blumenmädchen, das mithilfe von Professor Higgins zur Lady wird. «Von der riesigen Entwicklung, die Eliza macht und von ihrem ausserordentlichen Mut, lerne ich für mich ganz persönlich viel», sagt ElizaDarstellerin Lisa Weiss.

Musik, ganz besonders aber der Gesang, ist ihr Leben. «Ein anderer Beruf ist für mich nie infrage gekommen.» Mit Geige hatte sie als Kind angefangen, am Mozarteum ihrer Heimatstadt hat sie das Kontrabass-Studium mit Auszeichnung abgeschlossen. Gesang hatte sie ebenfalls schon im Gymnasium studiert, später dann in Basel und führt das Gesangsstudium jetzt in Zürich weiter. Als Mezzosopranistin zieht es die 29-jährige Innsbruckerin ebenso zu alter und klassischer, wie zu neuer Musik.

Proben seit Mitte August

«My Fair Lady» ist Lisa Weiss’ erste
Musical-Erfahrung. Ihr Kommilitone an der Zürcher Hochschule der Künste, Jonas Ehrler, hatte sie animiert, am Casting für die Rolle der Eliza teilzunehmen. Zusammen mit Renato Botti, dem langjährigen Dirigenten der Fricktaler Bühne, hat Ehrler die musikalische Leitung von «My Fair Lady» inne und wird – gerade mal 24-jährig – die Premiere dirigieren.

«Dass ich die Rolle bekommen habe, ist eine wunderbare Chance für meine künstlerische Entwicklung. Vor allem auch, weil im Ensemble einfach alles stimmt. Die Atmosphäre und die Proben sind super», sagt Weiss. Seit Mitte August wird geprobt. «Zuvor hatte ich bereits während rund drei Monaten allein die Lieder und Texte einstudiert, mich daneben aber auch mit anderen Projekten beschäftigt. Ich mache ganz oft viele Dinge gleichzeitig», gesteht sie lachend. Hat die zierliche Künstlerin mit ihren grossen rehbraunen Augen im Hinblick auf den kommenden Samstag Lampenfieber? «Nein, denn ich bin sehr gut vorbereitet. So bin ich in freudiger Erwartung auf die Premiere.»

Chor greift in Handlung ein

120 Männer und Frauen sind in «My Fair Lady» auf, vor und hinter der Bühne beschäftigt, «die Mehrheit davon ehrenamtlich», betont Bieber. Neu an Bord der Fricktaler Bühne sind Christian Vetsch als Regisseur und Sabine Schindler als Choreografin, beide aus Zürich. Er habe sich entschieden, «My Fair Lady» spannend und mit viel Zug zu erzählen, so Vetsch.

Wegen der arg in die Jahre gekommenen Bühnentechnik gebe es viele Einschränkungen. Dies stellt bei einem Stück mit 14 szenischen Umbauten besonders hohe Anforderungen an Bühnenbildner und Regisseur. «Ich beziehe den rund 30-köpfigen Chor mit kleinen Soloauftritten stark in die Handlung ein», schliesst Vetsch und ruft zum Beginn der Hauptprobe.

«My Fair Lady» auf der Fricktaler Bühne: Premiere am Samstag, 15. Oktober, 19 Uhr, Bahnhofsaal Rheinfelden. Weitere Vorstellungen bis Ende November.