Für Himmelsstürmer: Für all jene, die dem Partner den Himmel auf Erden bereiten wollen (oder ihm dies zumindest versprechen), ist der 25 Meter hohe Cheisacherturm ob Gansingen die ultimative Kussoase. 109 Tritte führen, Stufe um Stufe, zur Vollendung auf 722,2 Metern über Meer. Der Kuss, der ultimative, erfolgt dann – nach kurzer Verschnaufpause – auf der obersten Plattform mit freiem Rundumblick und getreu dem Motto: «Ein Kuss will verdient sein, dann mundet er doppelt so gut.» Dass die Liebenden derweil nicht doppelt sehen, wenn sie oben ankommen, setzt Zweierlei voraus: Schwindelfreiheit und eine minimale Grundkondition. Sonst kann es durchaus sein, dass der fittere Kussmund oben wartet und nach unten ruft: «Schatz, rauchst du noch oder keuchst du schon?»

Für Heimwerker: Für die Fraktion der Frische-Luft-Nihilisten und «Raus, nein danke!»-Aktivisten empfiehlt sich ein Kussgeplätscher in der heimischen Badewanne. Romantische Musik, gedimmtes Licht, Kerzenschein, einige Rosenblätter in der Wanne – und einem Kuss-Gewitter steht nichts mehr im Wege. Aber Vorsicht: Zu heisses Wasser kann die Kuss- nur allzu schnell in Quietschlaute verwandeln. Und allen Nicht-Bade-Fetischisten sei eines gesagt: Längst nicht jedes Öl, das sich zum Baden eignet, taugt auch für ein Kussbad. Eukalyptus beispielsweise lässt den meisten den Kuss im Munde stocken.

Für «Klappe»-Küsser: Ein Kussdilemma verfolgt die Menschheit seit Generationen: die Kussfrequenz. Die Frau: Kuss-Schmatz-Kuss (in beliebiger Variation und mit wechselnder Intensität). Der Mann: Kuss-Bier-TV. Mann o Mann, lässt sich da nur sagen, das tönt nach «High Noon auf der Kussstrasse». Unser Tipp an den Mann: ein Abend in der Champagner-Lounge von Fricks Monti. Hier lassen sich die beiden vermeintlichen Gegensätze, Kussromantik und Thrillerkuss, perfekt vereinen. Und der Prosecco ist für das nötige Kribbeln besorgt. Eine (Vor-)Warnung: Aktuell läuft im Kino «Fifty Shades of Grey». Da kann es durchaus passieren, dass auch Frau sagt: Mann o Mann!

Für Luftibusse: Wenn man seiner Allerliebsten den Himmel schon nicht auf die Erde holen kann, dann entführt man sie eben in den Himmel – mit einem Rundflug ab dem Flugplatz Schupfart. Man steigt ein – die einen bibbernd, die anderen juchzend –, steigt auf, steigt – ja nicht aus! Hier, über den Wolken, lässt sich der Kuss ultimativ und in trauter Zweisamkeit zelebrieren. Geruckel inklusive. Gut, der eine da vor Ihnen ist auch noch da. Aber, glauben Sie mir, das muss so sein!

Für Nachwuchsspieler: Wer seinem Partner, ganz durch die Blume, bekunden möchte, dass er (oder sie) sich sehnlichst Verstärkung im Familienteam wünscht, dem empfiehlt sich der Storchennestturm in Rheinfelden als Kusskulisse. Zwei Hinweise: Die Störche sind derzeit ausgeflogen; hören Sie dennoch ein Geklapper, so dürften es die Zähne ihres frierenden Kussgegenübers sein. Zweitens, an die Frauen gerichtet: Mit dem «Durch die Blume»-Verstehen ist es bei Männern manchmal so eine Sache.

Für Grenzgänger: Ein Hauch Mystik und ganz viel Geschichte umhüllen die alte Rheinbrücke in Stein. Die längste gedeckte Holzbrücke Europas, zwischen 1785 und 1803 erbaut und rund 200 Meter lang, ist damit die perfekte Kulisse für den grenzüberschreitenden Historien-Kuss. Das diffuse Licht tut das Seinige. Gebannt ist inzwischen auch die Gefahr, so konnte man kürzlich lesen, dass die Brücke ob der der geballten Kussenergie detonieren könnte – die Armee hat die Sprengstoffkapseln, die sie in Zeiten des Kalten Krieges in die Hohlräume der Pfeiler stopfte, wieder entfernt. Wer nun versucht ist, auf der längsten gedeckten Holzbrücke den längsten Kuss hinzulegen, muss viel Schnauf haben: Der Kussrekord liegt laut Guinness-Buch bei 58 Stunden, 35 Minuten und 58 Sekunden.

Für Energiegeladene: Küssen ist nicht ohne. Die Atmung wird beschleunigt, der Puls steigt auf 110 Schläge und bis zu 34 Gesichtsmuskeln werden aktiviert. Das benötigt Energie – schon ein einsamer Zungenkuss verbraucht, je nach Kussquelle, zwischen 6 und 18 Kalorien. Diese Energie gilt es, gerade in kussintensiven Zeiten, zu regenerieren. Gut, man kann danach eine Tafel Schokolade verputzen. Das macht zwar glücklich, aber mit der Zeit auch dick. Viel besser ist es, die Energie gleich beim Küssen zu «inhalieren» – auf dem Buschberg oberhalb von Wittnau. Er gilt als Kraftort und vor 21 Jahren eröffnete hier eine zehnköpfige Gruppe bei der Kapelle ein «Erdenergiezentrum».

Für Kreisküsser: Der Kussmund beschreibt, je nach Lippenbeschaffenheit und Mundwinkelneigung, ein Oval oder einen Kreis. Was gibt es da Schöneres, als die runden Münder in runder Umgebung aufeinanderprallen zu lassen? Nichts, sollte man meinen, und den Küssenden eilt alt Baudirektor Peter C. Beyeler zur Hilfe. Unter seiner Ägide ist der Aargau zum Kreiselkanton schlechthin mutiert. Ein Kuss unter Dinos Augen – roaaar. Es sei indes gewarnt: Die Polizei liest mit und spätestens, wenn sich ob Ihrer Küsse zwei Autos küssen, haben Sie ein Problem.

 Für Narzissten: In Zeiten der Selfie-Manie, mit oder ohne Kleider, darf natürlich auch ein Ort für Kussinszenierer nicht fehlen. Gut, man kann ein Selfie beim Küssen machen und danach mit allen Facebookfreunden teilen. Aber so ein Handy stört doch erheblich beim Kussakt – «Schatz, Mundwinkel nach oben, Lippen noch 3 Millimeter nach links». Unverrenkter und erst noch globaler geht es vor einer Webcam, beispielsweise beim Flugplatz Schupfart. Etwas Ausdauer ist hier allerdings gefragt: Ein Bild wird nur alle 10 Minuten geschossen.

Für Entliebte: Auch ein letzter Kuss, ein letztes Zungenspiel will inszeniert, will gelebt sein. Am Bahnhof etwa, 30 Sekunden bevor der Zug einfährt, der einen in eine neue Kusswelt hinaus trägt (für Geübte: 2 Minuten). Kuss und Schluss.