Sulz
Diakon Ulrich Harzenmoser verlässt die Pfarrei in Sulz und wird Spitalseelsorger

Aus einem anfänglichen Provisorium von zwei Jahren wurden bis zum Schluss rund fünfeinhalb Jahre – in Sulz wird man ihn vermissen. Ende Monat verlässt Diakon Ulrich Harzenmoser die Pfarrei und tritt eine neue Stelle als Spitalseelsorger in Olten an.

Dieter Deiss
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Diakon Ulrich Harzenmoser verlässt «seine» Kirche in Sulz und wird Spitalseelsorger.

Diakon Ulrich Harzenmoser verlässt «seine» Kirche in Sulz und wird Spitalseelsorger.

dds

Diakon Ulrich Harzenmoser hinterlässt in Sulz deutliche Spuren – man wird ihn vermissen. Der heute 50-Jährige, Vater von vier erwachsenen Kindern, wuchs im zürcherischen Wallisellen auf. Die Weihe als Diakon erhielt er im Jahr 2000.

Vor seiner Sulzer Anstellung wirkte er in Künten als Gemeindeleiter. Seine Stelle in Sulz war eigentlich befristet für ein Provisorium von zwei Jahren, daraus sind nun rund fünfeinhalb Jahre geworden. Am 1. Dezember 2006 trat Ulrich Harzenmoser seine Stelle in Sulz an. Dies sei ein recht schwieriger Start gewesen, erinnert sich Harzenmoser zurück. Er sei damals förmlich ins kalte Wasser geworfen worden.

Dreistufige Weihe in der katholischen Kirche

Die Hierarchie in der katholischen Kirche zu verstehen, ist nicht ganz einfach. Da gibt es die dreistufige Weihe als Diakon, Priester oder Bischof. Diese Weihe ist dem männlichen Geschlecht vorbehalten. Alle weisen jedoch ein abgeschlossenes theologisches Studium aus.

Für die Funktion als Gemeindeleiter mit allen Kompetenzen ist gemäss Kirchenrecht die Priesterweihe unumgänglich. Wegen des herrschenden Priestermangels geht die Kirche in der Schweiz jedoch eigene Wege, indem sie sowohl Diakonen als auch Laientheologen die Gemeindeleitung überträgt.

«Nach Kirchenrecht bin ich eigentlich ein Notfall», meint dazu Ulrich Harzenmoser schmunzelnd und fährt weiter: «Der Begriff des Diakons in der Gemeinde ist verunsichernd.» Als «nur» Diakon sei er zunächst von zahlreichen Gläubigen schlicht als «halber» Pfarrer wahrgenommen worden. Damit habe er aber leben gelernt, denn der Diakon habe ein eigenes Profil.

Im Gottesdienst gibt es für Harzenmoser keine Halbheiten. Da ist nichts Routine, jedes Detail ist minuziös geplant, bis hin zu den Liedtexten, die abgestimmt werden auf den Tag und die aktuellen Bibeltexte.

Trotzdem bleibt immer viel Freiraum für spontane Aktivitäten und die Gottesdienste selber wirken immer sehr locker. «Ich bin nicht der Drehorgelmann, der einfach sein Programm abspult. In mir lebt die Sehnsucht nach Gott», führt Harzenmoser dazu aus. Insbesondere auch bei Beerdigungen verstand er es, sich in das Leben des Verstorbenen und in die Bedürfnisse der Trauerfamilie einzuleben. Jeder Tod ziehe Furchen, meinte er dazu. Die Beerdigungssituation sei deshalb eine Chance, in den offenen Acker zu säen.

«Ich bin nicht über euch!»

Er sei mit gemischten Gefühlen nach Sulz gekommen. Er habe hier unglaublich viel gelernt und sei an der Aufgabe gewachsen. Anfänglich habe er sich in Sulz durch die etwas starren Strukturen behindert gefühlt. Es war nicht immer ganz einfach, plötzlich in ein Dorf eingebunden zu sein, wo man einander bestens kennt.

Allerdings hätte er nie einer grossen Pfarrei vorstehen wollen. Da sei man oftmals nur noch Manager. Heute sei zudem vermehrt wieder die natürliche Autorität gefragt, die unabhängig sei vom Amt. Wichtig ist Harzenmoser die Übersetzung von Gottes Wort in die Gegenwart, in der wir leben. Wörtlich meint er: «Dazu wird ein Brückenschlag benötigt von der Druckerschwärze in der Bibel zum tatsächlichen Leben.» In dieser Rolle des Brückenbauers sieht sich denn auch Harzenmoser ganz nach dem Motto: «Ich bin nicht über euch, ich bin mit euch!»

Visionen

«In der Kirche wollen alle Veränderungen, sind aber nur selten bereit, tatsächlich auch solche zu akzeptieren», äussert sich Harzenmoser zu seiner Tätigkeit. Gerne hätte er manchmal etwas fortschrittlichere Wege beschritten. So hätte er es begrüsst, wenn man im Gottesdienst das dialogische Element einbauen könnte, indem die Gläubigen sich beispielsweise im Dialog mit dem Prediger austauschen.

Er würde deshalb gerne darauf verzichten, vom Ambo herab zu predigen und sich stattdessen im Kirchenschiff bewegen. Mit dem Einsatz eines Beamers könnte man zudem die Worte visuell untermalen. Schön wäre es, wenn in der Kirche anstelle der starren Bänke Stühle zur Verfügung ständen, wo man sich im Kreise scharen könnte.

Die Suche nach Neuem, nach Veränderungen, nach Verbesserungen, zeichnet Harzenmoser aus. Er will nicht in den erstarrten Strukturen verharren. So schwebt ihm beispielsweise die Idee vor, den Gottesdienst in der Osternacht, der wichtigsten Nacht im Kirchenjahr, direkt zu verbinden mit dem Ostergottesdienst.

«Wir feiern in Sulz jährlich eine ‹Pfingstparty› vom Abend bis in die frühen Morgenstunden. Weshalb sollte so etwas nicht auch in der Kirche möglich sein? Grundsätzlich ist dies nämlich so vorgesehen und wurde früher auch so gefeiert», verdeutlicht Harzenmoser seine Ausführungen.

Gelebte Ökumene

Eine Selbstverständlichkeit ist für ihn die gelebte Ökumene. Gerne denkt er zurück an die gemeinsamen Gottesdienste mit Verena Salvisberg, der reformierten Pfarrerin von Laufenburg. Dass der Gottesdienstbesuch rückläufig ist, beschäftigt ihn genauso wie die Tatsache, dass der Religionsunterricht der Kirchen in der Schule immer mehr zurückgedrängt werde. In dieses Bild passe auch, dass die Ministranten für die Beerdigungsgottesdienste von der Schule nicht mehr beurlaubt würden.

Während seiner Spezialausbildung zum Spitalseelsorger in München erhielt Harzenmoser grossen Zuspruch aus der Ausbildungsgruppe. Dies weckte in ihm das Bedürfnis, sich neu zu orientieren. «Die Spitalseelsorge ist eine typisch diakonische Aufgabe. Hier lebe ich meine Kompetenzen, was in der Arbeit des Gemeindeleiters meiner Meinung nach zu wenig zum Tragen kommt. Trotz allem – der regelmässige Gottesdienst wird mir inskünftig bestimmt fehlen», äussert er sich zu seiner Zukunft.

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