Mumpf
Deutsches Polizeiauto: Ist die Bergung ein Fall für die Schweizer Armee?

Das im Rhein versunkene deutsche Polizeiauto soll nächste Woche von der Schweiz aus geborgen werden. Die deutsche Polizei hofft, dass die Schweizer Armee das Auto bergen wird. Doch diese will dies zumindest bisher nicht bestätigen.

Thomas Wehrli
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Halt, Polizei: Michael Tschannen fand den Streifenwagen, der den deutschen Polizisten vor zwei Jahren in den Rhein rollte. Er liegt in 9,20 Meter Tiefe auf Grund.

Halt, Polizei: Michael Tschannen fand den Streifenwagen, der den deutschen Polizisten vor zwei Jahren in den Rhein rollte. Er liegt in 9,20 Meter Tiefe auf Grund.

zvg/Tauchsport Beluga

Das deutsche Polizeiauto, das seit Juni 2013 im Rhein liegt und das Hobbytaucher Michael Tschannen letzte Woche bei Mumpf in 9,20 Meter Tiefe entdeckt hat, wird voraussichtlich nächsten Montag oder Dienstag geborgen – von der Schweizer Seite aus. Dies bestätigt der zuständige Einsatzleiter bei der Polizei Baden-Württemberg, Hans-Willi Müller, gegenüber der az. Entsprechende Gespräche mit den Schweizer Behörden seien im Gang, so Müller. Noch seien nicht alle Formalitäten geklärt, «doch ich bin guten Mutes, dass es klappen wird».

Dass man auf das Tempo drückt und den VW Passat möglichst schnell aus dem Rhein holen will, hat vorab zwei Gründe: Erstens ist der Rheinpegel derzeit sehr niedrig; das vereinfacht die Bergung. Zweitens wird der Fund wohl spätestens am (sonnigen) Wochenende etliche Autowrack-Tauch-Touristen anlocken. «Das können wir nicht verhindern», sagt Müller. Die Polizei hat allerdings die Boje, die Polizeitaucher am Montag am Seil, das den Weg zum Auto weist, befestigt hatten, wieder entfernt.

«Ohne die Boje ist das Auto kaum zu orten. Zudem wird die Sicht von Tag zu Tag schlechter», sagt Sascha Füchter, der in Wallbach das Tauchsportgeschäft Beluga betreibt. Er tauchte Ende letzter Woche zusammen mit Michael Tschannen zum Autowrack hinunter. Füchter warnt: «Der Rhein ist mit seiner Strömung nicht ungefährlich.» Er rät denn auch «dringend» von Wrack-Tauchgängen ab.

Strömung ist die Herausforderung

Die Strömung ist auch die grösste Herausforderung für die Bergung des Autos, das rund 200 Meter vom Schweizer Ufer entfernt im alten Rheingraben liegt. Das sieht auch Stefan Prommersberger, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) in Bad Säckingen, so. Das THW, das vor einigen Jahren ein Auto bei Murg (DE) aus dem Rhein holte, war auch an der langen Suche nach dem vermissten VW Passat beteiligt. «Die Strömung ist stellenweise so stark, dass wir Mühe hatten, die Position mit unserem 225 PS starken Boot zu halten, wenn ein Taucher unten war.»

Eine Bergung mit Luftkissen hält Füchter deshalb für kaum möglich. «Die Luftkissen würde es sofort zerreisen», ist er überzeugt. Sein Tipp: Den Wagen mit einer Plattform anheben und ihn ans Ufer bringen. Hier kommt allerdings Schwierigkeit Nummer zwei ins Spiel: Das Ufer auf deutscher Seite ist stark abschüssig, eine Bergung schwierig. Deshalb soll das Autowrack von der Schweizer Seite aus geborgen werden. Wie genau, das sei «derzeit noch in Abklärung», sagt Müller.

Armee ohnehin im Einsatz

Beim «von wem» hat Müller indes einen Favoriten: Die Schweizer Armee. Sie ist nächste Woche ohnehin in Mumpf mit einem Ponton im Einsatz, um die Pfosten, die sie für das Pontonierwettfahren in den Rheingrund gerammt hatte, wieder zu entfernen. Für Müller wäre dies die optimale Lösung. Man sei im Gespräch.

Bei der Armee will man allerdings (noch) nichts vom einem möglichen Bergungseinsatz wissen: Man habe «bis zum jetzigen Zeitpunkt weder ein Gesuch zur Unterstützung bei der Bergung erhalten noch eine entsprechende Bergung geplant», hält Armeesprecher Walter Frik auf Anfrage fest.

huffingtonpost.de: «Ein Schweizer Taucher stösst auf einen versunkenen Streifenwagen, den die Polizei selbst nicht finden konnte»
5 Bilder
So titelt suedkurier.de: «Hallo Pannen-Auto: Schweizer Taucher findet versunkenes Polizeiauto im Rhein»
diewelt.de setzt den Titel: «Hobbytaucher findet verschollenes Polizeiauto»
bild.de: «Schweizer Hobby-Taucher findet deutsches Polizeiauto»
Hobbytaucher findet Polizeiauto: Viel Häme von deutschen Medien

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Screenshot huffingtonpost.de

So titelten deutsche Online-Portal nach dem Überraschungsfund des Schweizer Hobbytauchers.

Offen ist auch die Frage, ob eine Feuerwehr zum Einsatz kommt. Da der Autotank noch rund 50 Liter Diesel enthält, beim Bergen bersten könnte und das Gebiet in einem Naturschutzgebiet liegt, muss der Einsatz einer Ölsperre zumindest geprüft werden. Die Feuerwehr Unteres Fischingertal, die für die Gemeinden Mumpf und Wallbach zuständig ist, wurde laut Vizekommandant Björn Müller bislang nicht angefragt.

Sollte eine Anfrage eingehen, kann sich Müller einen Support «durchaus vorstellen». Eine Ölsperre auf dem Rhein zu errichten, ist laut Müller allerdings nicht ganz ohne. «Man kann zwar abschätzen, wo ein Ölfilm in etwa durchzieht.» Aber eben: Der Rhein ist ein Stück Natur, «und das Öl sucht sich den einfachsten Weg».