Auf diesen Augenblick musste die deutsche Polizei 26 Monate lang warten: Montagnachmittag, punkt 16 Uhr, hatte sie ihren Streifenwagen wieder. Die Schweizer Armee – genauer: 50 Mann des Pontonierbataillons 26 bargen den arg havarierten VW Passat aus dem Rhein und luden ihn, nur 23 Minuten später, in Mumpf auf den wartenden Abschleppwagen mit deutschem Kennzeichen.

«Jetzt müssen sie den Wagen sicher verzollen», scherzte ein Zaungast – die Bergung mutierte zu einem kleinen Volksfest, rund 100 Leute verfolgten beidseits des Rheins die Aktion.

Rückblick. Bei einer Polizeikontrolle im Juni 2013 am Uferweg in Bad Säckingen vergisst der Fahrer, die Handbremse anzuziehen. Der Streifenwagen rollt los – und versinkt im Rhein. Das damals aktuelle Hochwasser verhindert ein schnelles Auffinden des Wagens.

Trotz «intensiver Suche» bleibt der VW Passat verschollen – bis vor gut einer Woche. Da entdeckt Hobbytaucher Michael Tschannen aus Mumpf das Autowrack. Im alten Rheingraben, in 9,2 Metern Tiefe.

Vor einer Woche zeigten Tschannen und sein Tauchkollege Sascha Füchter Polizeitauchern den Weg zum Wrack. Für Hans-Willi Müller, Einsatzleiter bei der Polizei Baden-Württemberg, war schon damals klar: «Wir holen das Fahrzeug so schnell wie möglich heraus.»

Zum einen, weil der Rheinpegel derzeit so tief ist wie sonst erst wieder im Winter. Zum anderen, weil Müller einen Autowrack-Tauch-Tourismus befürchtete. Diese Befürchtung traf auch ein: Am Wochenende waren laut Tschannen, der unmittelbar bei der Fundstelle wohnt, «mehrere Boote» mit Hobbytauchern vor Ort.

Bergung des Polizeiautos im Rhein

Bergung des Polizeiautos im Rhein

Schnell war für Müller auch klar: Die Bergung muss von Schweizer Seite aus erfolgen (das deutsche Ufer ist zu steil) und sie könnte ein Fall für die Schweizer Armee sein. Denn diese ist just diese Woche ohnehin in Mumpf im Einsatz, um die Metallpfosten, die sie für das eidgenössische Pontonierwettfahren in den Rhein gerammt hat, wieder zu entfernen.

Bis der Einsatz spruchreif war, brauchte es allerdings eine (Behörden-)Schleife: Die Polizei Baden-Württemberg konnte den Einsatz nicht direkt über die Kantonspolizei Aargau bei der Armee beantragen – diesen Part musste die Gemeinde Mumpf übernehmen, was diese laut Gemeindeammann Jürg Müller auch gerne tat.

Die Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden beschreibt Paul Wissler, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg, als «unkompliziert» und «erfreulich einfach».

«Voraussichtlich» keine Rechnung

Gross dürfte seine Freude auch über die Aussage von Stefan Hofer, Kommunikationschef im Führungsstab der Armee, sein. Die Bergung wird die Deutschen «voraussichtlich nicht verrechnet».

Dies deshalb, weil es sich beim gestrigen Einsatz um einen (mehr oder weniger) normalen «VUM-Einsatz» handelte. «VUM» steht für: «Verordnung über die Unterstützung ziviler oder ausserdienstlicher Tätigkeiten mit militärischen Mitteln».

20 000 bis 30 000 Diensttage leistet die Armee an zivilen Anlässen, etwa bei der Lauberhornabfahrt oder an Schwingfesten. Bei diesen Einsätzen werden den Auftraggebern nur Kost und Logis sowie effektive Zusatzkosten verrechnet.

Die Bergungsaktion startete am Montag mit viel Schwung. Ab 9.30 Uhr war die deutsche Wasserschutzpolizei mit zehn Tauchern vor Ort, um 13 Uhr stiessen die Kollegen der Schweizer Armee hinzu.

Geplant war: Zwei Luftkissen werden am VW Passat angebracht, dieses taucht (nahezu) auf und der Bagger auf der knapp 50 Meter langen Schwimmbrücke hebt den Streifenwagen auf den Ponton. Die motorisierte Brücke legt am Ufer an und der Bagger hievt den VW Passat auf den orangen Abschleppwagen. Das wars.

Die ganze Aktion sollte in «ein bis zwei Stunden über die Bühne sein», gab sich Hans-Willi Müller optimistisch.

Der Tauchgang am Montag zu dem gesunkenen Polizeiauto

Der Tauchgang am Montag zu dem gesunkenen Polizeiauto

Zusätzliches Stahlseil nötig

Es kam anders. Die Taucher konnten nur ein Luftkissen am Fahrzeug befestigen – was laut Wissler bei einer Sicht unter Wasser von knapp einem Meter und bei einer starken Strömung von 1,5 Metern pro Sekunde Schwerstarbeit war.

Die Polizei versuchte daraufhin, das Fahrzeug mit dem einen Luftsack zum Schwimmen zu bringen. Das gelang zwar, aber der VW hob sich nicht so weit, dass der Bagger ihn greifen konnte. «Wir hatten am Fahrzeug beim Tauchgang letzte Woche zwar ein Seil befestigt», erklärt Müller. «Doch dieses war eher zum Wiederfinden des Streifenwagens gedacht denn als Ziehhilfe.» Man zog zwar trotzdem – der Belastbarkeit entsprechend – daran. Doch es reichte nicht.

Die Taucher mussten nochmals hinunter und ein zusätzliches Stahlseil am Fahrzeug befestigen. Damit klappte es schliesslich. Um 15.52 Uhr tauchte das beige Luftkissen an der Oberfläche auf, um 16 Uhr der Streifenwagen.

Der Bagger hob den VW Passat aus dem Wasser, setzte ihn auf den Ponton. Applaus brandete auf. Der Ponton fuhr rund 200 Meter rheinaufwärts, landete und der Bagger beförderte den Kombi innert wenigen Minuten vom Ponton auf den Abschleppwagen.

Paul Wissler und Hans-Willi Müller sind erleichtert. Man sah ihnen um kurz vor 16.30 Uhr förmlich an, wie ihnen ein riesengrosser Stein vom Herz plumpste – wohl direkt in den Rhein. Zwei Jahre mussten sie und ihre Kollegen Hohn und Spott ertragen, musste immer wieder lesen und hören: Und es hat blubb gemacht.

«Glugg» kann Michael Tschannen machen. Einen Finderlohn bekommt der Hobbytaucher, der den VW im Rhein entdeckt hat, zwar nicht. Einsatzleiter Hans-Willi Müller brachte ihm aber immerhin eine Flasche Wein als Dankeschön mit. Hoffentlich ein guter Jahrgang. 2013 – oder so.

«Natürlich ist ein gewisses Gespött auf die Polizei zurückgefallen», sagte Hans-Willi Müller von der Polizei Waldshut-Tiengen am Montag am Ort des Geschehens.

«Natürlich ist ein gewisses Gespött auf die Polizei zurückgefallen», sagte Hans-Willi Müller von der Polizei Waldshut-Tiengen am Montag am Ort des Geschehens.