Einkaufstourismus
Deutsche Paketstationen können sich vor Schweizer Kunden kaum retten

10 bis 20 Prozent mehr Schweizer Kunden im Januar, in dem es normalerweise ruhig ist. Deutsche Paketstationen müssen Schweizer Kunden gar an andere Filialen weiterleiten.

Nadine Pfeifer
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Weil der Versand in die Schweiz meist teuer ist, lohnt es sich, an eine Paketadresse in Deutschland liefern zu lassen.Archiv/Epa

Weil der Versand in die Schweiz meist teuer ist, lohnt es sich, an eine Paketadresse in Deutschland liefern zu lassen.Archiv/Epa

KEYSTONE

Der Einkaufstourismus boomt dank dem schwachen Euro. Auch online lohnt es sich, im Ausland einzukaufen. Einige Produkte sind in der Schweiz gar nicht erhältlich, andere um ein Vielfaches teurer. Weil viele Firmen aber auch Schweizer Onlineshops mit Schweizer Preisen betreiben, verschicken sie nicht in die Schweiz oder nur gegen hohe Versandkosten.

Um diese Gebühren zu umgehen, kann man seine Bestellung an diverse Paketstationen im grenznahen Ausland zustellen lassen. Für einen kleinen Betrag kann man sie dort kurz lagern lassen, selber abholen und über die Grenze nehmen. Bis zu 300 Franken pro Person dürfen, je nach Ware, sogar Mehrwertsteuer- und zollfrei über die Grenze geholt werden.

Das Januarloch bleibt aus

Wer von weiter her extra über die Grenze fährt, wartet manchmal sogar, bis sich einige Bestellungen angesammelt haben. Dann lohnt sich die Fahrt über die Grenze erst recht. Maik Gregl von «Paket Stop&Go» in Rheinfelden händigt seine Pakete sogar an Kunden aus Luzern, Solothurn und Genf aus. Die meisten Kunden sind aber aus grenznahen Regionen.

Das Geschäft verkauft im Erdgeschoss Videos und hat seit 2011 ein Paketlager im Untergeschoss. Dieses Jahr erlebt er es zum ersten Mal, dass die gewohnte Ruhephase zum Jahresbeginn ausgefallen ist. Gregl erklärt: «Sonst gab es jeweils intensive Zeiten, wie die Gartensaison im Sommer und ruhigere Zeiten, wie die Phase nach Weihnachten.»

Beim Platz wird es eng

Die Firma «Grenzpaket.ch» hat Kunden, die nach Weil am Rhein bestellen wollten, aus Platzgründen bereits an alternative Filialen verweisen müssen. Die Zunahme von zehn bis zwanzig Prozent, je nach Standort, füllt jeden Quadratmeter der grenznahen Lager.

Die Standorte in Laufenburg, Rheinfelden und Bad-Säckingen haben im Moment zwar noch genügend Platz für die Lieferungen, würde jetzt aber jemand ganze Paletts bestellen, würde es eng. Dass Paletts bestellt werden, ist laut Maik Gregl gar nicht so selten. Er nimmt regelmässig Lieferungen für ganze Firmen entgegen. Auch Privatpersonen gehen bei «Paket Stop&Go» ein und aus. Täglich begrüsst er etwa fünf Neukunden und pflegt zahlreiche Stammkunden. Ein Durchschnittstag bringt insgesamt 140 bis 150 Pakete in den Laden in Rheinfelden.

Werkzeuge bis Medikamente

Die Produktpalette der Auslandbestellungen ist gross. Einen genauen Einblick in die Pakete bekommen die Paketstationen nur bei schwierigen Fällen, wenn sie die Lieferungen öffnen müssen. Trotzdem lässt sich leicht feststellen, dass zum Beispiel der Onlinehändler «Amazon» auffallend häufig an die Paketstationen liefert. Auch Hundefutter, Arzneimittel, Werkzeug und diverse Produkte aus China werden viel bestellt.

«Eigentlich sagen unsere Kunden, dass sie gerne regionale Betriebe unterstützen.», erklärt Maik Gregl. Produkte, die in der Schweiz aber bis zu drei mal so teuer oder zum Teil gar nicht erhältlich sind, verführen die Leute regelrecht zum ausländischen Onlinekauf.