Professor Volker Schulte aus Wallbach verbindet gerne das Angenehme mit dem Nützlichen. Immer dann, wenn er über die Grenze nach Bad Säckingen zum Einkaufen oder Glaceessen fährt, nimmt er auch gleich seinen Müll mit – Kartons, Flaschen, Grüngut, Verpackungen –, um ihn auf dem Recyclinghof Zimmermann in Bad Säckingen zu entsorgen.

So auch vor drei Tagen, als Schulte auf ein Blatt Papier stiess, das er zuvor noch nie am Recyclinghof gesehen hatte. «Der Export von Siedlungsabfall/Hausmüll ist verboten. Bei allen Haushaltsabfällen aus der Schweiz handelt es sich um illegale Verbringungen, die zurückzuführen sind.»

Für das Schreiben der Sonderabfallagentur Baden-Württemberg GmbH, das gemäss Recherchen von «Blick» an mehreren deutschen Recyclinghöfen hängt, hat Schulte nicht mehr als ein Kopfschütteln übrig. «Das macht für mich keinen Sinn und ist ökologisch scheinheilig», enerviert er sich. So bringe er den Müll gerade auch deswegen nach Bad Säckingen, weil er sich dadurch die Fahrt zum weiter entfernten Recyclinghof nach Möhlin sparen könne. «Zudem kaufe ich ja auch in Bad Säckingen ein. Wieso sollte ich dann auch meinen recycelbaren Müll mehr in Bad Säckingen abgegeben können?»

Fraglich ist für Schulte auch, wie der Betreiber des Recyclinghofes kontrollieren will, ob der Müll aus der Schweiz kommt oder nicht. «Anstatt mit dem Auto kann ich den Müll auch einfach mit dem Fahrrad zum Recyclinghof transportieren», so Schulte.

Die Müllabgabe ist kostenlos

Schulte ist nicht der einzige Fricktaler, der seinen Müll in dem Bad Säckinger Recyclingcenter abgibt. Zu den Fragen, wieso seit ein paar Tagen der Hinweiszettel beim Recyclinghof hängt und wie man mit Leuten aus der Schweiz verfährt, die ihren Müll dorthinbringen, bezieht das Bad Säckinger Unternehmen keine Stellung. Markus Resch, stellvertretender Geschäftsführer der Sonderabfallagentur Baden-Württemberg GmbH, sagt, dass die Betreiber der Recyclinghöfe angewiesen sind, zu kontrollieren, ob Schweizer illegal Müll importieren. «Wenn dies der Fall ist, muss der Verantwortliche den Müll zurückführen und in einem Schweizer Recyclinghof gegen einen Nachweis abgeben.»

Der Nachweis ist nötig, weil die Sonderabfallagentur Baden-Württemberg das Schweizer Bundesamt für Umwelt über den Vorfall informiert. «Auf Verlangen der Schweizer Behörden muss der Verantwortliche dann den Nachweis vorzeigen», so Resch. Illegal sind die Müllimporte, wenn es sich beispielsweise um Siedlungsabfälle oder um Altglas, Altpapier oder Altkleider mit einem Gesamtgewicht von über 20 Kilogramm handelt.

Verbot besteht seit zehn Jahren

Der Export von Siedlungsabfällen aus der Schweiz ist bereits seit zehn Jahren verboten. «Bei Kontrollen an der Grenze überprüft deswegen die Zollbehörde, ob es sich bei ausgeführter Ware um Abfall handelt, die notwendigen Papiere mitgeführt werden und der Ladung entsprechen.

Falls eine Regelwidrigkeit vorliegt, wird das Bundesamt für Umwelt kontaktiert, das die Rückweisung der Abfälle in die Schweiz anordnen kann», so Asllan Parduzi, der für das Bundesamt für Umwelt Antwort gibt. Bewilligt wird die Ausfuhr von Abfällen nur, «wenn der Entsorgungsweg der auszuführenden Abfälle bekannt ist» und die «Entsorgung umweltverträglich ist und dem Stand der Technik entspricht».