Rheinfelden
Deutsche lassen Schweizer Pontoniere hängen

Die Rheinfelder Pontoniere wollen zu Übungszwecken Drahtseile über den Rhein spannen. Doch die deutsche Seite lehnte den Antrag ab. Der Baubürgermeister des deutschen Rheinfelden rechtfertigt sich.

Hans Christof Wagner
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Die Pontoniere dürfen vorerst kein Drahtseil spannen.

Die Pontoniere dürfen vorerst kein Drahtseil spannen.

Die Pontoniere planten, rund fünf Meter über der Wasseroberfläche zwei Drahtseile von einem zum anderen Flussufer zu spannen. Daran hätten Stangen aufgehängt werden sollen. Ziel war es, so Hindernisse auf dem Rhein zu schaffen, durch die sich die Mitglieder zum Trainieren mit ihren Booten hätten durchschlängeln sollen. Sich geschickt und möglichst schnell durch solche Parcours zu Rheinfelden bewegen, ist auch Teil von Wettkämpfen, die Pontoniervereine untereinander ausrichten.

Stahlstützen auf deutscher Seite

Im November stellten die Pontoniere den entsprechenden Bauantrag. Dieser ging an die Stadt Rheinfelden/Baden. Denn nur auf deutscher Seite mussten die Pontoniere für ihr Vorhaben etwas bauen: Zwei Stahlstützen zur Befestigung der Drahtseile. Auf Schweizer Seite hätten sie diese einfach an Bäumen aufgehängt. Laut Stephan Wiekert, dem Vorsitzenden, habe Pierre-Yves Christen, Leiter der Sektion Gewässernutzung beim Kanton Aargau, dem Projekt Zustimmung signalisiert, sollten die Deutschen auch nichts dagegen haben. Hatten sie aber. Nicht grundsätzlicher Natur, doch vom Standort her. Die Drahtseile hätten genau in den Bereich kommen sollen, der im Zuge des Kraftwerkneubaus als ökologische Ausgleichsmassnahme zu einem naturnahen Laich- und Fischaufstiegsgewässer, zum Gwild, aufgewertet wird.

«Die Drahtseile sind nicht das Problem. Aber die Pontoniere sollen nicht in der Nähe dieses neuen Biotops üben», sagt Claudia Salach vom Landratsamt Lörrach. «Die Pontoniere hätten ihr Projekt früher vorbringen müssen, am besten im Rahmen der Begleitkommission zum Bau des neuen Kraftwerks», meint Rolf Karrer, Baubürgermeister im deutschen Rheinfelden.

Vogelschützer haben Bedenken

Dann schalteten sich auch noch die Vogelschützer auf beiden Seiten des Rheins ein und machten massive Bedenken geltend. «Wir waren ja anfangs gar nicht in das Vorhaben einbezogen», sagt Karl Kuhn vom Naturschutzbund Nabu in Rheinfelden/Baden. Kuhn verwies darauf, dass Vögel sich verletzen oder sterben könnten, sollten sie beim Fliegen mit den Drahtseilen kollidieren. Bei einem Ortstermin Anfang Januar schloss sich das Regierungspräsidium Freiburg dieser Sichtweise an und erteilte dem Projekt eine Absage. Die Bereitschaft der Pontoniere, Wimpel in die Seile zu hängen zur Warnung der Vögel, änderte daran nichts. Dabei wären die Seile nicht einmal das ganze Jahr über gespannt gewesen, sondern nur von April bis September, während der Saison, erklärt Wiekert.

Aufgeben wollen die Pontoniere dennoch nicht. «Wir werden das weitere Vorgehen prüfen», sagt Wiekert. Der Verein wolle sich Gedanken über eine alternative Lösung machen – ein Standort mehr flussabwärts in Richtung Rheinfelden oder eine reine Schweizer Variante, für die es keiner deutschen Zustimmung bedarf. Am Donnerstag will sich Wiekert mit Danilo Vidoni vom Bauamt der Stadt Rheinfelden vor Ort treffen und das weitere Vorgehen besprechen.