Laufenburg
Deutsche Kritik an der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit

Der SBB-Eisenbahnwaggon der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg soll verschrottet werden. Die Schule auf der deutschen Seite braucht mehr Platz. Zudem wurde im deutschen Gemeinderat Kritik an Jugendleiter Balder Wentzel laut.

Markus Vonberg (Südkurier)
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Ein alter Gepäckwaggon der SBB dient der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg auf deutscher Seite als Treffpunkt – jetzt soll der Wagen verschrottet werden. – Foto chr (Archiv)

Ein alter Gepäckwaggon der SBB dient der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg auf deutscher Seite als Treffpunkt – jetzt soll der Wagen verschrottet werden. – Foto chr (Archiv)

Seit 8 Jahren dient ein alter SBB-Eisenbahnwaggon vor der Hans-Thoma-Schule der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg als Treffpunkt. Nun soll der ehemalige Gepäckwagen verschrottet werden, der Jugendtreff zurück in seinen alten Raum in der Grundschule. Dies beschloss am Dienstag einstimmig der Gemeinderat.

Die Begründung lautet: Der Waggon werde kaum mehr genutzt und die Schule benötige die Fläche zur Vergrösserung ihres Pausenareals. Falls allerdings die neue Schulsozialarbeiterin, die am 1. Oktober ihren Dienst aufnimmt, den Eisenbahnwagen nutzen will, soll er nicht abgebaut werden.

Die Stadtverwaltung schätzt die Kosten für die Verschrottung und die Herstellung als Pausenhoffläche auf 9000 Euro. Dies ist das Vielfache dessen, was der Waggon einst kostete. Um einen von Jugendpfleger Balder Wentzel dringend gewünschten neuen Treffpunkt zu schaffen, hatte der damalige Schweizer Stadtammann Rudolf Lüscher einen ausrangierten Gepäckwagen für 800 Franken vermittelt, Mitarbeiter des Bauhofs an der Schule ein Schotterbett und 20 Meter Geleise verlegt und die Kranfirma den Wagen zum Freundschaftspreis verladen. Zusammen mit Jugendleiter Wentzel hatten Jugendliche dann beim Ausbau und bei der Gestaltung ihres Treffpunkts mitgeholfen.

Wagen wird kaum mehr genutzt

Nun trug Anfang August Rektor Armin Raufer den Wunsch nach der Entfernung des Waggons an den Gemeinderat heran. Seit der Errichtung der Kinderkrippe Löwenburg verfüge die Schule nicht mehr über genügend Freiflächen, sie müsse auf die Kastanienwiese südlich des Altbaus zurückgreifen, auf der aber stehe der seit zwei Jahren von der offenen Jugendarbeit praktisch nicht mehr genutzte Waggon, so Raufer am Montag im Gemeinderat.

Waggon kaum mehr benutzt

Bürgermeister Ulrich Krieger verwies dort auf schriftliche Stellungnahmen der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit, der Schulleitung und des Elternbeirats zur künftigen Nutzung des Waggons. Die Öffentlichkeit allerdings erhielt keinen Einblick in sie. Hauptamtsleiter Michael Henninger erklärte nur, dass Jugendleiter Wentzel eingestehe, dass seit Sommer 2013 kaum mehr Jugendliche den Waggon aufgesucht hätten, er ihn aber weiter als Treffpunkt nutzen wolle. Dem widersetzte sich der Schulleiter ebenso wie einer Zusammenarbeit mit der offenen Jugendarbeit. Er habe in der Vergangenheit bei der Kooperation mit der Grenzüberschreitenden Jugendarbeit sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Wentzel selbst war in der Sitzung nicht anwesend. Dies bedauerte Stadtrat Bernhard Gerteis «Wir müssen mit Herrn Wentzel reden – schon weil er sich mit seiner Arbeit immer mehr zur Schweiz hin orientiert.»