Fricktal

Deutlich weniger Hochzeiten – gefragt sind Schnapszahlen

Trauungen im Freien sind im Trend: Selina und Mathias aus Kaisten mit Zeremonienleiterin Simone Gori.

Trauungen im Freien sind im Trend: Selina und Mathias aus Kaisten mit Zeremonienleiterin Simone Gori.

Die Zahl der Trauungen ist um 15 Prozent zurückgegangen. 668 Personen heirateten im letzten Jahr zivil. Besonders gefragt sind Schnapszahlen, Samstagstermine und freie Zeremonien.

Auf den beiden Zivilstandsämtern Rheinfelden und Laufenburg gaben sich letztes Jahr 334 Paare das Jawort. Das sind 15 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Auch im mehrjährigen Vergleich liegt der Wert tief; im Schnitt liessen sich zwischen 2014 und 2018 pro Jahr 381 Paare auf einem der beiden Zivilstandsämter trauen.

Von einer Trendwende zu sprechen, wäre sicher verfrüht. Denn ein Blick in die langjährige Statistik zeigt, dass es bei den Trauungen zahlenmässig immer wieder Taucher gibt. So liessen sich beispielsweise 2007 in Laufenburg 99 Paare trauen; im letzten Jahr waren es 115. Zudem zeigt sich bereits, dass 2020 – gerade auch wegen der speziellen Jahreszahl – bei Hochzeitspaaren hoch im Kurs steht.

Als Hochzeitsdatum besonders beliebt sind jeweils die Schnapszahlen. Gut gebucht waren in Rheinfelden im letzten Jahr der 9.9.2019, der 19.9.2019 – und der 12.7.2019, weil Tag und Monat zusammengezählt ebenfalls 19 ergeben. Gut, mag nun der eine oder die andere einwenden, das trifft auch für den 7.12.2019 zu. Dagegen ist zweierlei einzuwenden: Es war ein Samstag (was noch kein Hindernis sein muss) – und es war kalt.

«Die meisten Trauungen finden in den Monaten Mai bis September statt», sagt Martina Wirth­lin, Leiterin des regionalen Zivilstandsamtes Laufenburg. Im letzten Jahr war bei ihr der August der Top-Hochzeits-­Monat. Gleich tönt es aus dem unteren Fricktal. Auch hier dauert die Haupt-Ja-Saison von Mai bis September. «Letztes Jahr hatten wir im Juni mit 33 Trauungen und im September mit 40 Trauungen unsere Spitzenmonate», sagt Romina De Nardo, stellvertretende Leiterin des Regionalen Zivilstandsamtes Rheinfelden.

Im 2020 haben allerdings etliche eine jahreszeitliche Ausnahme gemacht, was einer speziellen Zahlenkonstellation geschuldet war: dem 20.2.2020. Dieser Donnerstag war bei beiden Zivilstandsämtern gut gebucht. «Obwohl es im Februar eher weniger Trauungen gibt, haben wir an diesem Tag fünf Trauungen durchgeführt», sagt De Nardo. Genau gleich viele fanden in Laufenburg statt. «Ansonsten sind wie üblich Mai, Juni, August und September bisher am stärksten belegt», sagt Wirthlin. In Rheinfelden sind dabei zwei Termine besonders gut gebucht: der 20.5.2020 und der 20.6.2020.

Samstagstermine sind meist ausgebucht

Letzterer ist ein Samstag; beide Zivilstandsämter bieten auch Samstagstrauungen an. Diese stossen, wenig verwunderlich, auf grosse Resonanz. «Die Termine sind meist ausgebucht», sagt Wirthlin. Laufenburg bietet einmal pro Monat am Samstag die Möglichkeit, sich trauen zu lassen. In Rheinfelden sind sechs Daten für Samstags­trauungen auf der Website aufgeschaltet – bei allen steht: ausgebucht.

Die meisten der Trauungen in Rheinfelden finden im geschichtsträchtigen und prunkvollen Rathaussaal statt. «Dieses Lokal ist auch sehr beliebt bei unseren Brautpaaren, da wir dort Gesellschaften bis zu 70 Personen empfangen können», sagt De Nardo. Die Lage direkt am Rhein und mitten in der Altstadt biete auch gute Fotospots im Anschluss an die Trauung. Ein Teil der Trauungen findet daneben in kleineren Lokalen in den Partnergemeinden des regionalen Zivilstandsamtes statt.

In Laufenburg können Paare zwischen vier Trauorten wählen. Der Haupt-Trauort, das ­Zivilstandsamt, wird ab Juni zudem ein anderer sein: Das Zivilstandsamt zügelt in die um­gebaute Grimmer-Liegenschaft, die neu «Haus am Schlossberg» heisst. Das neue Traulokal wird einen direkten Zugang zur Grimmermatte haben und damit ein besonderes Ambiente bieten. Wirthlin rechnet denn auch damit, dass die Zahl der Hochzeitspaare von auswärts steigen wird. Aktuell liegt der Anteil bei rund zehn Prozent.

Wer einmal «testheiraten» will, hat dazu am 27. Juni Gelegenheit: An diesem Samstag findet im «Haus am Schlossberg», in dem neben dem Zivilstandsamt auch Mietwohnungen und ein Gästehaus untergebracht sind, ein Tag der offenen Türe statt.

Wirthlin hat in ihrer Laufbahn bislang 1024 Trauungen durchgeführt, bei De Nardo sind es 836. Zur Routine wird es trotzdem nicht – darf es nicht werden, wie Wirthlin der AZ vor Jahresfrist sagte. «Denn für jedes Paar ist dies ein ganz besonderer Tag.»

Das sieht auch De Nardo so. «Jede Trauung ist etwas Besonderes», sagt sie. Sei es, weil das Brautpaar die spezielle Kennenlerngeschichte mitteilt, sei es, weil man das Paar seit Jahren persönlich kennt oder sei es, weil die Paare einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen. «Wir versuchen für unsere Brautpaare immer, einen schönen und wichtigen Moment zu schaffen, an den sich die Paare auch Jahre später noch gerne zurückerinnern.»

Im Trend liegen, das bestätigen beide Zivilstandsbeamtinnen, Trauungen im Freien. Selina und Mathias aus Kaisten haben so geheiratet; sie liessen sich in der Villa Wenkenhof in Riehen trauen; Zeremonienleiterin war Simone Gori (siehe Bild).

«Die Gestaltung der Ziviltrauung soll persönlicher und emotionaler werden, vor allem dann, wenn das Brautpaar nur zivil heiratet», hat De Nardo beobachtet. «Zudem möchten viele Paare nicht mehr in die Kirche, sondern buchen einen Trauredner, welcher eine freie Zeremonie abhält.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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