Rheinfelden
Dessous auf Rechnung der Kinderkrippe - Veruntreuung oder Schlamperei?

Die ehemalige Leiterin einer Kinderkrippe stand wegen Veruntreuung vor dem Bezirksgericht. Sie hatte private Rechnungen über das Konto ihrer Kinderkrippe bezahlt.

Nadine Böni
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Die betroffene Krippe ist inzwischen geschlossen.

Die betroffene Krippe ist inzwischen geschlossen.

Keystone

Beim Wort «Dessous» stutzte Kathrin Schmidt*. «Da fragte ich mich, was das mit einer Kinderkrippe zu tun hat», sagte sie am Mittwoch vor dem Rheinfelder Bezirksgericht.

Vor zwei Jahren machte die Sozialpädagogin eine Anzeige gegen ihre damalige Chefin, Natasja Kucera* – weil diese auf Kosten ihrer Kinderkrippe private Bezahlungen erledigt habe: Coiffeur-Besuche, Einkäufe in der Parfümerie oder in Kleiderläden, Zugbilletts. Bezahlungen in der Höhe von mehreren tausend Franken.

«Keine böse Absicht»

Von der Staatsanwaltschaft wurde Kucera, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern im Primarschulalter, im Frühjahr zu einer Busse von 2500 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 60 Franken verurteilt. Wegen mehrfacher, teilweise geringfügiger Veruntreuung. Die Beschuldigte erhob Einsprache.
«Ich wollte mich zu keinem Zeitpunkt bereichern oder jemandem Geld wegnehmen. Ich hatte nie eine böse Absicht», sagte Kucera vor Gericht. Vielmehr habe sie irgendwann schlicht nicht mehr zwischen ihrem Vermögen als Privatperson und jenem der Kinderkrippe unterschieden.

Die Angeklagte hatte 2009 gemeinsam mit Bekannten einen Verein als Trägerschaft für eine Kinderkrippe gegründet. Schon nach kurzer Zeit aber war sie das einzige verbleibende Vereinsmitglied. «Ich denke, die anderen Mitglieder haben die Aufgabe unterschätzt», sagte sie.

Krach mit Angestellten

In der Folge führte sie die Geschäfte des Vereins und der Kinderkrippe alleine. «Ich war der Verein. Und ich war voll und ganz für den Verein verantwortlich – auch finanziell», sagte die Angeklagte. So habe sie in einer Woche die Löhne der Angestellten von ihrem Privatkonto bezahlt, und dann in der nächsten Woche ihren Coiffeur-Besuch vom Konto der Kinderkrippe.

Aufgeflogen war das Ganze schliesslich, weil Kucera ihren zwei Krippen-Leiterinnen nach einem Krach um die Zahlungen von Eltern kündete und als Nachfolgerin Kathrin Schmidt engagierte. Ihr gewährte sie als Beisitzerin des Trägervereins Einblicke in das Konto des Vereins. Und Schmidt merkte laut eigenen Angaben «praktisch sofort, dass da etwas nicht stimmt».

Eine Absicht wollte Schmidt ihrer ehemaligen Chefin vor Gericht aber nur bedingt unterstellen: «Ich habe das Gefühl, dass sie schlicht keine Ahnung hatte, was sie tat.»

Kuceras Verteidigerin schliesslich plädierte auf einen Freispruch oder eine zumindest massiv tiefere Bestrafung: «Sie hatte nie einen Vorsatz auf Bereicherung.» Das Urteil wird kommende Woche gefällt. Die betroffene Kinderkrippe ist inzwischen geschlossen und der Trägerverein in Konkurs.

*Alle Namen geändert

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