Fünfmal Platz 2 in den letzten sechs Jahren – beugen mussten sich die Gebrüder Kyburz bei dieser letzten OL-Meisterschaft des Jahres stets der OL Regio Wil. Oder genauer gesagt: den drei Brüdern Hubmann, Daniel, Martin und Beat.

Diese Serie zu durchbrechen, dazu bot sich eine einzigartige Möglichkeit im «Heimwald» in Rheinfelden, zumal Leistungsträger Daniel Hubmann verletzungsbedingt passen musste. So schien es – bis auch die beiden älteren Kyburz-Brüder Forfait geben mussten und nur Matthias übrig blieb.

Wie weit würde es der überragende Exponent der Sportart dieses Jahres, der Welt- und Europameister, mit Christian Mittelholzer, dem einstigen Nationalmannschaftsmitglied und Dario Metzger, dem 17-jährigen Nachwuchsmann, bringen, hiess die zentrale Frage.

Bis auf Position 2, lautet die Antwort. Wieder Position 2, nach 35 Kontrollposten, 15 Kilometern, 435 Höhenmetern und einer Renndauer von gut 75 Minuten. Doch das Trio jubelte. «Vielleicht hätte noch etwas mehr dringelegen, wenn wir uns noch cleverer aufgeteilt hätten», sagte Christian Mittelholzer. Doch entscheidend war nicht diese Eventualität, sondern das Erreichte. «Wir haben allen Grund zum Zufriedensein», sagte der Routinier.

Er, vor 20 Jahren selber Nationalteam-Läufer, ist mittlerweile 47. «Technisch stimmen die Abläufe noch, aber das Langsamerwerden lässt sich nicht verhindern», sagte er. Für ihn wie für Metzger stand dieser Einsatz unter einer besonderen Affiche: «Mit Matthias laufen dürfen.»

Kyburz fast im Alleingang

Und die 26-jährige Weltnummer 1 warf auch bei dieser ungewohnten Ausgangsposition sein ganzes Können in die Waagschale. Beim Team-OL, das gilt es zu wissen, müssen nur einige wenige Kontrollposten von allen drei Läufern gemeinsam angelaufen werden. Entscheidend ist, dass der Badge zum Stempeln jeden Posten erreicht. Wenn er weitergereicht wird, lassen sich die Teilstücke also aufteilen. Das führte bei den unausgeglichenen Fricktalern dazu, dass Kyburz die Hauptverantwortung übernahm.

«Unsere Aufgabe bestand darin, Matthias kurze Atempausen zu ermöglichen und kurze Abschnitte zu übernehmen», beschrieben Mittelholzer und Metzger ihre nicht unwesentlichen Rollen. Und wichtig: Sie hatten sich rasch genug zu den ad hoch bestimmten Treffpunkten zu bewegen, damit sie dort Kyburz nicht verpassten. «Das schafften wir», zeigten sie sich erleichtert.

Ihre Aufgabe war es auch, dass Rennen und das Sich-Aufteilen zu organisieren. «Darum konnte ich mich nicht auch noch kümmern», lachte Kyburz. Weil das alles mehr als ansprechend glückte, resultierte der überraschende Erfolg. Zwei Hobbyläufer und der Weltmeister aufs Podest – lässt sich als Schlagzeile formulieren.

Spannende Einblicke

Schlagen lassen mussten sich die Fricktaler diesmal nicht vom Hubmann-Trio. Ohne Daniel mussten sich die Thurgauer mit Platz 11 begnügen. 1:27 Minuten schneller als die Fricktaler war das junge Berner Trio von der OL Norska mit dem dreifachen Junioren-Weltmeister Joey Hadorn, Simon Dubach und Jonas Egger.

Trotz Silber dennoch auch über eine Goldmedaille freuen, konnte sich Matthias. Bei den Frauen nämlich setzte sich ebenfalls das Norska-Team durch und diesem gehörte mit Sarina Jenzer – neben Sabine Hauswirth und Silj Ekroll Jahren – Kyburz’ Freundin an.

Und ein Erfolg war auch die Veranstaltung als solche. Der Rheinfelder Wald wurde zum «Wald, der Highspeed-OL vom Feinsten ermöglicht». Für Spannung sorgte der erstmals auf dieser Ebene durchgeführte Massenstart bei den einzelnen Kategorien. Und im Wettkampfzentrum staunten gar Insider über die das Gebotene, über die GPS-Direktsignale auf der Grossleinwand und insbesondere über die Live-Bilder und den Live-Kommentar aus dem Wald vom immer wieder mitlaufenden Mitorganisator Anders Holmberg.