Herr Mazzi, was bedeutet Ihnen der Wakker-Preis?

Franco Mazzi: Viel. Er ist eine Auszeichnung für die Arbeit, die in den letzten Jahrzehnten im Rathaus und der Verwaltung geleistet wurde.

In der Medienmitteilung ist vom «vernetzten und langfristigen Denken von Politik und Behörden» die Rede. Das muss runtergehen wie warme Milch.

(Lacht.) Das kann ich nicht abstreiten. Eine Stadt zu führen, hat viel mit vorausschauender Planung zu tun. Man muss spüren, welche Herausforderungen auf einen zukommen und diese antizipieren.

Andere Kleinstädte kämpfen mit strukturellen Problemen. Was hat Rheinfelden richtig gemacht?

Ganz vieles. Unseren politischen Vorgängern ist es gelungen, ein Fundament zu legen, das trägt und auf dem sich aufbauen lässt. Ein solcher Sockel war der Entscheid, die Marktgasse zur Fussgänger-zone zu machen. Ein zweiter war die neue Rheinbrücke, die das Städtchen von täglich 14 000 Fahrzeugen entlastet hat.

Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Rheinfelden?

Es ist die eine Sitzbank auf dem «Inseli», von der man den Rhein hinunter blicken kann. Ich sitze da und stelle mir vor, mit einem Boot bis ans Meer zu fahren.

Was gefällt Ihnen an der Vorstellung?

Sie ist für mich Sinnbild für die Schweiz. Wir sind eigenständig, aber eng verbunden mit dem Ausland.

Und wo liegt die grösste Baustelle?

Die liegt darin, das Städtchen lebendig zu halten. Das ist seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses nicht einfacher geworden. Darunter leiden viele Läden.

Was braucht es?

Innovation, ein spezifisches Sortiment – und vor allem eine grosse Kundennähe.

Was kann die Stadt dazu beitragen?

Sie kann die Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört ein ausreichendes und gut bewirtschaftetes Parkraumangebot; dazu gehört eine Altstadt, die zum Flanieren einlädt. Beides haben wir.

Was erwarten Sie vom Wakker-Preis?

Durch den Preis werden hoffentlich viele Leute auf Rheinfelden aufmerksam. Diese gilt es, zu einem Besuch zu motivieren. (Lacht.) Im Idealfall wird aus diesem Besuch ein lebenslanger Aufenthalt.

Lässt sich mit dem Wakker-Preis also wacker Touristen werben?

Sicher. Es liegt an uns, die Auszeichnung gewinnbringend zu vermarkten. Das wird in den nächsten Wochen eine wichtige Aufgabe sein.

Für Sie wirkt Heimat als Werbeträger nicht antiquiert?

Nicht mehr. Denn mit der Globalisierung in einer Alles-ist-sofort-verfügbar-Welt sehnen sich wieder mehr Menschen nach Halt, nach Heimat. Dieses Rückbesinnen auf die Wurzeln, auf das Kleinräumige kommt Städten wie unserer zugute.

Der Preis ist aber auch eine Verpflichtung für die Zukunft.

Der Preis darf nicht zu einer Musealisierung führen. Aber diese Gefahr besteht bei uns nicht, denn wir haben Planungsinstrumente geschaffen, die eine kontinuierliche Weiterentwicklung garantieren.