Bahn

Der Viertelstundentakt für das Fricktal liegt in weiter Ferne

Die S1 verkehrt zwischen Frick und Stein im Stundentakt, zwischen Stein und Basel im Halbstundentakt. Dabei soll es vorläufig bleiben.

Die S1 verkehrt zwischen Frick und Stein im Stundentakt, zwischen Stein und Basel im Halbstundentakt. Dabei soll es vorläufig bleiben.

370 Millionen Franken kostet ein drittes Gleis zwischen Pratteln und Rheinfelden. Dieses wäre nötig, um den Viertelstundentakt im Fricktal einzuführen. Doch beim Ausbauschritt 2035 geht das Fricktal leer aus. Das ärgert Politiker

«Zum Abschied ein Geschenk von Doris Leuthard», titelte die AZ gestern Donnerstag. Das Geschenk ist der Viertelstundentakt, der mit dem Bahnausbau 2035 in mehreren Regionen auf dem S-Bahn-Netz eingeführt werden soll.

Dem Fricktal macht Doris Leuthard, abtretende Verkehrsministerin aus dem Freiamt mit Verwandtschaft im Fricktal, kein solches Abschiedsgeschenk. Der Viertelstundentakt zwischen Basel und Frick kommt – wie im Unteren Aaretal – bis auf weiteres nicht.

Andreas Fischer Bargetzi, Grossrat der Grünen aus Möhlin, bedauert dies sehr. Er selber pendelt mit dem schnellen E-Bike von Möhlin an seinen Arbeitsplatz in Liestal – auch, weil die Zugverbindungen nicht optimal sind. «Wenn man noch mehr Pendler zum Umsteigen vom Auto auf den Zug bringen will, muss man das Angebot ausbauen», ist Fischer überzeugt. Denn die Züge seien in den Stosszeiten bis Möhlin und Stein «platschvoll».

Für CVP-Grossrat Werner Müller aus Wittnau, der als einziger Fricktaler in der grossrätlichen Verkehrskommission sitzt, hängt es zudem stark vom Takt ab, ob man mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt. «Wenn nur alle halbe Stunde ein Zug fährt, überlegt man es sich zweimal.» Die Erwartungshaltung sei heute eben so, dass man an den Bahnhof gehen könne und alle paar Minuten eine Verbindung habe.

Drittes Gleis nötig

Beiden, Müller wie Fischer, ist klar, dass der Ausbau nicht kostenlos zu haben ist. «Doch die Investitionen lohnen sich», ist Müller überzeugt. Da die Bözbergstrecke auch eine wichtige Verbindungsachse für den Güterverkehr ist und die Trassees deshalb bereits heute stark ausgelastet sind, müsste für den Viertelstundentakt ein drittes Gleis gebaut werden. «Zumindest bis Möhlin oder Stein» müsste das dritte Gleis gehen, denn hier sei die Nachfrage besonders gross, so Fischer.

Dass für die Realisierung des Viertelstundentakts höhe Investitionen nötig sind, bestätigt Hans Ruedi Rihs, Leiter Sektion öffentlicher Verkehr beim Kanton. Die bestehende Doppelspur sei bereits heute mit vielen Zügen – Güterverkehr zum Rangierbahnhof Limmattal, Zulauf zum Gotthard, Fernverkehrszüge, S-Bahnen – belegt. «Für einen Viertelstundentakt der S-Bahn zwischen Basel und Rheinfelden braucht es daher ein drittes Gleis», so Rihs. Die Kosten für ein zusätzliches Gleis allein zwischen Pratteln und Rheinfelden würden auf 370 Millionen Franken geschätzt. «Dem hohen Nutzen wegen der guten Nachfrage im Fricktal stehen daher sehr hohe Kosten gegenüber», sagt Rihs. «Dies führt in der Bewertung nur zu einem mittelmässigen Nutzen-Kosten-Verhältnis und dazu, dass das Projekt nicht im Ausbauschritt 2035 berücksichtigt wurde.»

Für Roland Agustoni, GLP-Grossrat aus Rheinfelden und Vorkämpfer für den Halbstundentakt zwischen Laufenburg und Stein, ist deshalb klar: «Den Viertelstundentakt bringen wir in absehbarer Zeit nicht hin.» Mit dem Ausbau der Strecke Basel–Olten könne die Bözberglinie vom Güterverkehr entlastet werden, sagt er, und das könne «etwas Luft» geben für einen punktuellen Viertelstundentakt.

Für Agustoni ist der Viertelstundentakt derzeit aber ohnehin nicht das drängendste Problem. «Viel wichtiger ist, dass zwischen Laufenburg und Stein endlich der Halbstundentakt kommt.» Dafür kämpft Agustoni schon lange – und hat im Mai einen grossen Sieg errungen: Gegen den Willen der Regierung hat der Grossrat eine Motion überwiesen, die ebendiesen Ausbau fordert – und er tat dies mit 86 Ja zu 32 Nein-Stimmen überaus deutlich.

Halbstundentakt muss kommen

Dass auch dieser Ausbau nicht gratis zu haben ist, ist Agustoni klar. «Das Parlament hat der Regierung aber einen Auftrag erteilt und diesen gilt es nun umzusetzen.» Agustoni redet sich in Fahrt. Beim Bahnausbau 2035 wolle man rund 100 Millionen in Projekte im grenznahen Ausland investieren, sagt er. Dagegen sei nichts einzuwenden. «Aber wenn Lörrach im Wiesental auch dank Schweizer Geldern den Viertelstundentakt bekommt und wir im Fricktal zwischen Laufenburg und Stein nicht einmal den Halbstundentakt, dann haben wir ein krasses Missverhältnis.» Dieses gelte es zu korrigieren. Die Investitionen im Ausland – neben dem Viertelstundentakt zwischen dem Badischen Bahnhof und Lörrach investiert der Bund auch in die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke und die bahntechnische Anbindung des Flughafens Basel Mulhouse – könne die Regierung beim Bund auch als Argument für das Fricktaler Anliegen einsetzen.

Die Forderung, dass auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein der Halbstundentakt kommt, unterstützen die Fricktaler Grossräte quer durch alle Parteien. Auch Werner Müller. «Der Halbstundentakt muss kommen», sagt er. «Am Ball bleiben» heisst auch für Fischer die Devise. «Der Kanton muss mehr Druck machen», sagt er. «Es darf nicht sein, dass nur die grossen Achsen gefördert werden und die Anliegen der Regionen auf der Strecke bleiben.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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