Laufenburg

Der Traum des Realisten: Er setzt sich für die Weiterführung der Rheinschifffahrt ein

René Leuenberger will das Thema Rheinschifffahrt wieder aufnehmen. nbo

René Leuenberger will das Thema Rheinschifffahrt wieder aufnehmen. nbo

René Leuenberger hat eine Vision: Schifftransporte auf dem Rhein bis Reckingen. Leuenberger präsidiert den Verein für die Weiterführung der Rheinschifffahrt (VWR).

René Leuenberger ist Nostalgiker und Visionär, Realist und wohl auch ein bisschen Träumer zugleich. Seine Vision: Schifftransporte auf dem Rhein bis Reckingen. Leuenberger präsidiert den Verein für die Weiterführung der Rheinschifffahrt (VWR). Er kennt die Geschichte dieser Idee, die seit Jahrzehnten existiert. Er argumentiert, dass eine Rheinschifffahrt über Rheinfelden hinaus die Verkehrssituation in der ganzen Region Nordwestschweiz verbessern könnte. Er weiss um die Vor- und Nachteile, die eine ebensolche Rheinschifffahrt brächte. Und er weiss auch, dass eine Umsetzung zu seinen Lebzeiten wenig realistisch ist – setzt sich aber trotzdem weiter dafür ein.

Leuenberger sitzt an diesem Frühlingsmorgen zwischen Whirlpools im Firmengebäude der Leuenberger AG, dem Spezialisten für «Whirlpool- und Pflanzenwelten». Zu Hause wäre zu wenig Platz gewesen für das ganze Material, das er mitgebracht hat. Riesige Karten vom Rheinverlauf, von den Brücken über den Fluss, von Uferabschnitten und Höhendiagrammen. Bücher, Studien und andere Publikationen zum Thema. Und Protokolle von Generalversammlungen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Alternative zur Strasse

«Schon in den 1890er-Jahren gab es Pläne mit sogenannten Wasserstrassen», sagt Leuenberger. Der «Nordostschweizerische Verband Schifffahrt Rhein Bodensee» verfolgte die Idee konkret, später entstand daraus der VWR. «Anfangs war die Rheinschifffahrt eine Option, wie der Gütertransport in der Schweiz geregelt werden könnte. Heute wäre es eine Alternative, weil die anderen Optionen – Strasse und Schiene – überlastet sind», sagt Leuenberger.

Ein Dorn im Auge ist ihm dabei unter anderem der Hafen in Basel, ein «Nadelöhr gerade beim Verlad auf die Bahn und die Lastwagen», wie Leuenberger sagt. «Wieso also sollen die Schiffe nicht weiter rheinaufwärts fahren?» Für ihn ist die Frage rein rhetorisch, das unterstreicht er mit Zahlen. Einen Hafen in Reckingen etwa – das ist eine der Visionen des Vereins – könnten Transportschiffe mit rund 2500 Tonnen geladener Ware ansteuern. «So wäre es möglich, täglich Hunderte Lw-Fahrten zu ersetzen», sagt Leuenberger.

Er nimmt ein mehrseitiges Dossier zur Hand, blättert darin und zeigt auf ein Foto eines Transportschiffs auf dem Neckar, daneben ein renaturiertes Aufstiegsgewässer für Fische. «Und zum Thema Natur: Es gibt Projekte, die zeigen, dass ein Nebeneinander geht.»

Ausbau löst Probleme nicht

Es sind keine neuen Argumente, die er bringt, das weiss auch Leuenberger. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Überlegungen in diese Richtung. 2014 beantwortete der Bundesrat eine Interpellation von SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht zur Rheinschifffahrt bis zur Aaremündung in Koblenz – negativ. Der Bundesrat erachtet die Realisierung «sowohl politisch wie wirtschaftlich als nicht machbar».

Aber René Leuenberger gibt nicht auf. «Die Überlegung ist einfach: Welche Möglichkeit haben wir denn noch?» Für Projekte wie den Ausbau der Autobahn oder ein zusätzliches Gleis ab Basel sieht Leuenberger einen Zeithorizont von mehreren Jahrzehnten. «Dazu kommen dann die Kosten für Lärmschutz, Unterhalt und die Erneuerung verschiedener Brücken. Das Problem wäre damit nicht gelöst.» Für ihn ist deshalb klar: «Früher oder später wird auch die Politik darauf kommen, dass die Weiterführung der Rheinschifffahrt eine Option sein muss.»

Aufgeben ist kein Thema

Bis dahin machen der Präsident und sein Verein weiter. Leuenberger vergleicht sich mit einem Maulwurf – «aber kein blinder Maulwurf» – und sagt: «Wir graben und graben, bis wir wieder ans Licht kommen.» Will heissen: Leuenberger weibelt weiter im Hintergrund, sucht unter Politikern und Unternehmern nach Mitstreitern, will sie von der Vision überzeugen, will ihnen auch Material liefern, das sie überzeugt. Vielleicht eine neue Studie, aber Genaueres möchte Leuenberger nicht verraten. Anfang Mai findet die 29. Generalversammlung des VWR statt. Knapp 50 Mitglieder zählt der Verein. «Von ihnen spüren wir einen grossen Rückhalt», sagt Leuenberger. Aufhören ist, trotz einer «gewissen Aussichtslosigkeit», kein Thema. Leuenberger – der Realist, Nostalgiker und Visionär – möchte seinen Traum nicht aufgeben.

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